Überregional : Der Antreiber

Gestatten, Detlef Kornett. Er ist der Europachef des Hallenerbauers Sein erster Verein: Neuköllner Sportfreunde. Sein Motto: Nich“ lang schnacken

Claus Vetter

Groß, kräftiger Händedruck, sonore Stimme – Detlef Kornett muss nicht viel machen, um seine Umgebung zu beeindrucken. Sein Auftreten ist mächtig genug. Solche Typen mögen sie in Nordamerika. Chefs, die ihre Macht schon durch ihre Äußerlichkeit präsentieren

Vielleicht passt Kornett deshalb so gut an die europäische Spitze des Unternehmens, das nun in Berlin die Arena errichtet hat. Die Rolle als Europa-Chef der Anschutz-Gruppe füllt er blendend aus: Stets nett und höflich, aber irgendwie auch verdammt amerikanisch unverbindlich. Da brennt nichts an: Auf das rhetorische Glatteis lässt sich der Chef nicht führen.

Dabei war es wohl ein langer Weg für den heute 45 Jahre alten Kornett an die Spitze eines der größten Unterhaltungsunternehmen überhaupt. Seine Sprachfärbung verrät schon noch seine norddeutsche Herkunft. Kornett stammt aus Bremerhaven. Und manchmal, im kleinen Kreis, kommt auch ein Stück norddeutsche Rustikalität durch. „Nich“ lang schnacken, Kopp im Nacken, so sagt man bei uns“, hat Kornett da schon mal scherzhaft-kernig zugeprostet. Aber auch das ist Teil der Gesamtstrategie des Geschäftsmannes Kornett, die er sich schon vor Jahrzehnten erarbeitet hat, nachdem er das als Sportler nicht so ganz geschafft hatte. Über seine Basketballkarriere sagt Kornett: „Ich war mit 1,94 Meter zu klein für Basketball, schon in der zweiten Liga bei den Neuköllner Sportfreunden wurde für mich die Luft zu dünn.“

Beruflich war der Weg in die erste Liga allerdings auch nicht ganz so einfach. Seine Affinität zu nordamerikanischen Sportarten führte Kornett nach dem Studium zur NFL-Europe, einer inzwischen eingegangenen Dependance der nordamerikanischen Footballliga. Kornett saß in Frankfurt am Main, war für das Marketing der Liga zuständig. Das lief zäh, war finanziell eher ein Reinfall.

International konnte Kornett über den Umweg bei einem Sportartikelhersteller bei der Anschutz Entertainment Group in London spielen. Dort hatte die europäische Filiale zunächst ihren Sitz. Kornett durfte dort ab 2000 mitspielen. Anschutz hatte wohl gemerkt, dass er in Europa einen Europäer brauchte. Kornetts Vorgänger Bob Sanderman war ein reifer Amerikaner, dessen Wissen vom europäischen Gepflogenheiten eher gering schien. Das kam nicht immer an – vor allem, wenn man als Anschutz-Chef viel in Hohenschöhausen bei den Eisbären unterwegs war. Den Eishockeyklub hatte Anschutz 1999 gekauft.

Das Anschutz-Büro befindet sich seit einigen Jahren in der Friedrichstraße im Stadtteil Mitte. Und Kornett hat nie ein Hehl daraus gemacht, dass sein sportliches Herz für die Eisbären schlägt – obwohl seinem Unternehmen ja auch noch die Hamburg Freezers gehören. „Aber da sind meine Eltern die größeren Fans“, sagt er. In Berlin war er schließlich auch Geschäftsführer des Klubs, in der Deutschen Eishockey-Liga sitzt er im Aufsichtsrat. Auch das ist typisch nordamerikanisch: überall die Finger drin haben. Schließlich muss so ein mächtiger Mann wie er vor allem sein Unternehmen repräsentieren. Und das kann Detlef Kornett künftig auf einer weiteren ganz großen Bühne in der Halle am Ostbahnhof.Claus Vetter