Berlinale 2015 : Produktionsfirma aus Babelsberg mischt bei der Berlinale mit

Die Babelsberger Rotor Film hat an drei Berlinale-Produktionen mitgearbeitet – und am neuen Festival-Trailer. In diesem Jahr will Rotor 1,5 Millionen Euro am Standort investieren.

Chiron Elias Krase (l.) und Tom von Heymann spielen in Andreas Dresens „Als wir träumten“. Die Tonmischung entstand bei Rotor.Alle Bilder anzeigen
Foto: Peter Hartwig/Rommel Film
05.02.2015 21:35Chiron Elias Krase (l.) und Tom von Heymann spielen in Andreas Dresens „Als wir träumten“. Die Tonmischung entstand bei Rotor.

Potsdam - Der Film ist nur eine knappe Minute lang. Gesehen haben ihn aber schon jetzt mehr Zuschauer als all die anderen Filme, die bei dem Internationalen Filmfestival Berlin kommen und gehen: Gemeint ist der Festival-Trailer, der seit dem Jahr 2001 vor jedem Berlinale-Film läuft. In diesem Jahr kommt der Trailer in leicht überarbeiteter Version auf die Leinwände. Nicht nur das Bild wirkt dank hochauflösender Technik brillanter, auch der Ton wurde im neuen 3-D-Tonformat Dolby-Atmos abgemischt – Letzteres bei Rotor Film in Babelsberg.

 

Für den Zuschauer soll das klingen, als ob die Musik nicht auf der Leinwand, sondern um ihn herum spielt, erklärt Rotor-Chef Martin Frühmorgen den PNN. Erst am Mittwochmorgen, einen Tag vor Festivalbeginn, war er zur Endabnahme im Berlinale-Palast: „Das war wie immer ein unglaublicher Stress, auch wenn der Film nur eine Minute lang ist“, sagt Frühmorgen.

Der 36-Jährige hat wie sein Rotor-Kompagnon Holger Lehmann an der Babelsberger Filmhochschule sein Handwerk gelernt und sich nach dem Diplom zunächst in Berlin mit einem Filmtonstudio selbstständig gemacht. Im Jahr 2011 zogen die beiden mit ihrer Firma, die heute zwölf feste Mitarbeiter beschäftigt, in die Babelsberger Medienstadt. Zu den Arbeitsräumen gehört unter anderem das frühere Defa-70-Kino, das viele Potsdamer noch als Premierenkino kennen.

Rotor auch an "Als wir träumten" beteiligt

Dort hat auch Andreas Dresen im vergangenen Herbst seinen neuen Film „Als wir träumten“ abgemischt – es ist eine von drei Berlinale-Produktionen, an denen Rotor neben dem Trailer diesmal beteiligt ist. Mit Dresen und seinem Team arbeite man schon länger zusammen, sagt Frühmorgen. Vom Berlinale-Wettbewerbsbeitrag des Potsdamer Regisseurs ist er überzeugt: „Das ist ein Superfilm geworden.“ Dresen erzählt in dem Film, der am Montag Premiere feiert, von einer Jungenclique im Leipzig der Nachwendezeit.

Nicht nur geografisch sehr viel weiter weg führt der zweite Berlinale-Beitrag aus dem Hause Rotor das Kinopublikum: „Lo Sum Choe Sum“ – deutscher Titel ist „3 Jahre 3 Monate Rückzug“ – spielt im südostasiatischen Königreich Bhutan. In dem 20-minütigen Kurzfilm erzählt die Regisseurin Dechen Roder von einer jungen Bhutanerin, die die traditionell-religiöse Lebensweise hinter sich lässt. Für die Aufnahmen war der Sounddesigner Benjamin Hörbe, ein freier Mitarbeiter bei Rotor, monatelang in Bhutan unterwegs, erzählt Martin Frühmorgen.

Defa 70 wird das größte Mischstudio Europas

Für die RTL-Produktion „Deutschland 83“ der Babelsberger Ufa, für die unter anderem im „Kreml“ auf dem Brauhausberg gedreht wurde, hat Rotor nicht nur die Tonmischung, sondern die komplette Postproduktion übernommen – von der Setbetreuung über Farbkorrektur bis zum Ton. „Das passt in die Entwicklung unserer Firma“, sagt Frühmorgen. Nach der Berlinale-Vorpremiere der ersten zwei Folgen soll der Achtteiler über einen unfreiwilligen DDR-Spion in der Bundeswehr im Herbst im Fernsehen zu sehen sein (PNN berichteten).

Um sich für derartige Projekte künftig noch besser aufzustellen, will Rotor in diesem Jahr rund 1,5 Millionen Euro investieren – gefördert vom Land Brandenburg. „Wir bauen das Kino Mitte des Jahres mit neuer Technik aus – dort kommt ein 3-D-Tonformat und ein Farbkorrektursystem hinein“, erklärt Martin Frühmorgen. Das alte Defa 70, das auch in diesem Jahr wieder Festivalkino für das internationale Studentenfilmfestival „Sehsüchte“ werden soll, wäre dann das größte Mischstudio Europas. Auch sechs neue Mitarbeiter will Rotor dafür nach Babelsberg holen.

In Zukunft will das Unternehmen weiter wachsen – und auch in die Koproduktion und Kofinanzierung von internationalen Filmen einsteigen, wie Frühmorgen erklärt. Davon verspreche man sich unter anderem eine Beteiligung an den Filmrechten.

Berlinale als Aushängeschild

Auf die Arbeit am Berlinale-Trailer und den anderen Berlinale-Produktionen ist Frühmorgen besonders stolz: „Für uns ist die Berlinale DAS Festival, bei dem man begreift, wofür man arbeitet.“ Für das Unternehmen sei das ein wichtiges Aushängeschild – ähnlich wie der Trailer für den neuen Zoopalast in Berlin aus dem Hause Rotor – mit Musik vom Deutschen Filmorchester Babelsberg, das sein Studio gleich nebenan hat.

In den kommenden zehn Tagen werden Martin Frühmorgen und Holger Lehmann häufig in Berlin unterwegs sein: „Bei dem Festival trifft sich die weltweite Filmwirtschaft, das ist für uns wichtig als Kontaktpflege“, sagt Frühmorgen. Aber es geht ihm bei der Berlinale nicht nur um sein eigenes Geschäft. „Ich lasse es mir nicht nehmen, auch einfach Filme zu gucken.“

Sehen Sie hier den Trailer zu dem Film: "Als wir träumten".

Martin Frühmorgen und Holger Lehmann berichten am 12. Februar bei der Berlinale über die Arbeit mit 3-D-Tontechnik am Festival-Trailer. Beginn ist 10 Uhr im Cinestar 7 im Sony-Center am Potsdamer Platz. Eintritt 10, ermäßigt 5 Euro.