ATLAS : Abwesend

Er wolle nicht zu früh mit dem Abschiednehmen anfangen, sagte Tobias Wellemeyer, der das Hans Otto Theater noch bis Sommer 2018 leiten wird, als er die kommende Spielzeit vorstellte – seine letzte in Potsdam. „Solange ich da bin, bin ich da!“, sollte das heißen. Umso seltsamer mutet es daher an, dass der Intendant bei der diesjährigen Pressekonferenz eines Projekts fehlte, als dessen Spiritus Rector er gilt: bei der gestrigen Präsentation der „Stadt für eine Nacht“ 2017. Das 24-Stunden-Festival, das jährlich etwa 25 000 Menschen in die sonst oftmals um Publikum ringende Schiffbauergasse zieht, kann schon jetzt als großer Erfolg des sonst vielfach kritisierten Intendanten gelten. Umso mehr, als gerade das – fehlende – Miteinander von städtischem Theater und freier Szene einer der stärksten Kritikpunkte an der Arbeit Wellemeyers ist. Bei der gemeinsamen Präsentation mit Waschhaus, fabrik und T-Werk – deren Leiter alle da waren – hätte sich eine Gelegenheit geboten, zu zeigen, dass die Nachbarn in der Schiffbauergasse an einem Strang ziehen. Dass die Chance versäumt wurde, stellt die Frage, ob sie es wirklich tun. Und ob Tobias Wellemeyer nicht doch schon angefangen hat mit dem Abschiednehmen.

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