Kultur : Träum’ mal wieder

Ausdrucksstarke Jahresausstellung der Kunstschule Potsdam eröffnet

Astrid Priebs-Tröger

Gerade ist Hochzeit für Wünsche und Träume: Kinder schreiben eifrig Wunschzettel. Erwachsene suchen Kinderträume zu erfüllen. In ein paar Tagen sind die meisten wunschlos glücklich, aber für manchen bleiben Wünsche offen. Oder sie zerplatzen wie Seifenblasen. Schlimmstenfalls endet alles in einem Alptraum.

„Traumreise“ ist die in diesem Jahr letzte Ausstellung in der Kunstschule Potsdam überschrieben, die im Rathaus Babelsberg eröffnet wurde. Hauptsächlich Kinder und Jugendliche aus den Mal-, Grafik-, Keramik-, Plastik- und Fotokursen haben zu diesem Thema wieder sehr sehenswerte Exponate ausgestellt, die dazu einladen, selbst mal wieder mit Hilfe von Papier und Farben zu fantasieren und seinen Träumen Gestalt zu geben.

Unweit des Eingangs stößt der Besucher auf ein riesengroßes Traumschiff aus Pappmaché mit dem schönen Namen „Fata Morgana“ inklusive seiner sehr bunten Besatzung. Schräg gegenüber hängen eine „Hochzeitsnixe“ und ein „Traumzeitfisch“, fantasievoll gestaltet von Philipa und Samira, beide wahrscheinlich mit einem unerschöpflichen Reservoire an Märchen und Geschichten im Kopf. Das spürt man auch, wenn man die illustrativen Traumgeschichten mit so schönen Titeln wie „Wir hatten uns in die Wassergrotte verirrt“ oder „Pegasus und sein kleiner Freund“ betrachtet. Oder die filigranen Elfenwesen, die von der Decke herab hängen und auch als farbenfrohe Zeichnung im Treppenaufgang leuchten. Kinderträume sind oft vielfarbig, sehr plastisch und manchmal ein wenig verwunschen; zumindest die der Mädchen. Die Jungenbilder in der Ausstellung zeigen Traumautos, Skateboards und Fußballtore und natürlich die Wünsche, die damit verbunden sind. Überhaupt fällt auf, dass sehr viel weniger Jungen als Mädchen „geträumt“ und ihre Erinnerungen auch verewigt haben. Selbst das „Nächtliche Monster“, ein düsteres furchteinflößendes Schreckgespenst, stammt von Sophie.

Allerdings bei den Druckgrafiken der Größeren wird man dann doch fündig: Mike Wessel gestaltete beeindruckende Monsterfische, Drachen und Ritter. Und auch unter den ausgestellten Keramiken finden sich absonderliche Figuren und Fabeltiere, einige sind von Felix Friese. Doch damit ist die „Traumreise“ noch lange nicht zu Ende und wer von den zahlreich erschienenen Gästen Lust hatte, konnte außerdem eine sehr tragbare Kollektion „Traumkleider“ oder sehr schöne „Wunschträume“ mit prächtigen Clowns und Seiltänzerinnen bewundern. Die wenigen Exponate der Erwachsenen zeigten eher alptraumhafte oder auch sehr skurrile Fantasien, wie der babylonische Turm von Margarete Warnke oder „Hinter der Fassade“ von Christel Koslowski.

Musikalisch umrahmt wurde die Vernissage mit temperamentvoller Akkordeonmusik von Sabine Raatz. Geschäftsführerin Thea Moritz lud außerdem alle zum Plätzchenessen und Glühweintrinken ein. Darüber hinaus konnten wie jedes Jahr Arbeiten der Kunstschüler gegen Spenden erworben werden. Der Erlös von 184 Euro kommt wie immer den Kunstschülern selbst zugute: Dringend benötigtes Material für weitere farbenfrohe Bilder, ausdrucksstarke Plastiken oder fantasievolle Keramiken soll davon gekauft werden.

Astrid Priebs-Tröger

Bis 16. Februar 2007, Montag bis Freitag von 9 bis 19 Uhr, Kunstschule Potsdam, Rathaus Babelsberg

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