Kultur : Torsten Schulz

Foto: Andreas Klaer

1. Ich schreibe, genauer gesagt: trotze der Hitze Ideen für das Hörspiel nach meinem Roman „Skandinavisches Viertel“ ab. Es ist, wie der Roman, die Geschichte eines Maklers, der in seiner Kindheitsgegend tätig ist und einen Rucksack voller Familienprobleme mit sich herum schleppt. Das Neue des Hörspiels ist, dass er sich im stetigen Dialog mit seinem gestorbenen Onkel befindet, den er einfach nicht los wird.

2. Meine Sommerlektüre ist „Das Lächeln der Alligatoren“ von Michael Wildenhain. Bundesdeutsche Zeitgeschichte über spannende Figuren erzählt, parabelhaft, archaisch. Und, zum wiederholten Male, „Sabbaths Theater“ von Philip Roth. Ich hatte mir öfters vorgestellt, Philip Roth in New York mal zu besuchen. Dafür ist es jetzt zu spät.

3. Zu diesem Sommer passt „Die See“ von John Banville. Die Hitze, verdorrtes Gras, eine Familie am Meer, erotische Spannung, Zeitstillstand. Lange hatte ich nicht mehr dieses Gefühl von Zeitstillstand, wie man es vor allem aus der eigenen Kindheit kennt, als man sich gedankenverloren durch den Tag treiben ließ und die eigene Vergänglichkeit noch nicht berührte. In diesem Sommer kommt dieses Gefühl ein wenig wieder auf, aber mit der Wehmut dessen, dem die Vergänglichkeit zu schaffen macht.

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