Kultur : Tonfiguren in Landschaften

Gemeinschaftsausstellung im Inselpavillon

Astrid Priebs-Tröger
Foto: Manfred Thomas

Sie scheinen sich gesucht und gefunden zu haben. Duda Fabians Tongestalten stehen, sitzen oder liegen vor Bildern von Sanssouci oder vom Stölpchensee. Und fast scheint es so, als seien sie es, die auf den Pinselzeichnungen, Aquarellen und Ölbildern von Reinhard Buddeweg noch gefehlt haben. Beide Künstler, der ehemalige Jurist und die pensionierte Kunsterzieherin stellen im Pavillon auf der Freundschaftsinsel gemeinsam aus und es macht Spaß, durch die von Peter Härtling gestaltete Ausstellung zu gehen.

Das liegt an den anmutigen Tonfiguren der 65-jährigen Oldenburgerin, die ihren „Kindern“ bewusst keine Namen gibt, sondern sich wünscht, dass diese von den Betrachtern respektive Käufern „getauft“ werden. Gleich am Eingang fallen dem Besucher eine Liegende und eine kleine Tänzerin ins Auge. Fabian hat die nicht mal 40 Zentimeter großen Figuren, die zumeist Akte sind, in sehr entspannten Posen verewigt und der Betrachter spürt gleich, wie sehr sie in sich ruhen. Hinzu kommt viel Liebe zum Detail und die Künstlerin verrät, dass sie am liebsten mit Zahnarzt-Werkzeug arbeitet. Und nicht nur der filigrane Faltenwurf von Tüchern oder die Struktur der Haare bezeugen ihre Könnerschaft.

Reinhard Buddeweg wurde vor 86 Jahren in Potsdam geboren und verbrachte hier Kindheit und Jugend. Er studierte Jura, obwohl es ihn früh zur Kunst zog. Neben seinem Beruf brachte er sich autodidaktisch mithilfe von Büchern das nötige Wissen bei und wurde später Mitglied im Berufsverband Bildender Künstler Berlin; er nahm seit den 1970er Jahren an zahlreichen Gemeinschaftsausstellungen teil. Seit sechs Jahren lebt er wieder in seiner Heimatstadt und zeigte vor zwei Jahren in der Stadt- und Landesbibliothek eine große Auswahl von Bildern seiner ungezählten Italienreisen, dem Land, das ihm fast zur zweiten Heimat wurde.

Jetzt präsentiert er in dieser Retrospektive eine Vielzahl von Bildern aus Berlin und Brandenburg und der Betrachter spürt, wie sehr dies - bei aller Liebe zu Italien - seine eigentlichen Lebenslandschaften sind. Ganz gleich, ob es sich um eine Pinselzeichnung von Sanssouci oder ein Aquarell mit hierzulande typischen Kopfweiden handelt, er hat das Charakteristische dieses Landstrichs in sich aufgesogen. Viel satte Farbkraft steckt hingegen in seinen Ölbildern vom Stadtwäldchen Steglitz oder dem Tiergarten.

Buddeweg ist selbst im hohen Alter noch ungemein rührig. Als Mitglied im Verein der Freunde der Freundschaftsinsel und des Fördervereins des Potsdam-Museums will er beiden einen Erlös von den jetzt in der Gemeinschaftsausstellung verkauften Bildern spenden. Am Sonntag, dem 25. Juli steht er außerdem um 14 Uhr für ein Künstlergespräch in der Ausstellung zur Verfügung. Vielleicht trifft man dort auch Duda Fabian, die ihren Tongestalten während der dreiwöchigen Ausstellungszeit nicht gänzlich von der Seite weicht aber in der Zwischenzeit die Lebenslandschaft von Reinhard Buddeweg erkundet. Astrid Priebs-Tröger

Noch bis zum 1. August, dienstags bis sonntags, 12-18 Uhr, im Pavillon auf der Freundschaftsinsel

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