Kultur : Thorau und Fernstudenten

Fotoausstellung in der Produzentengalerie „M“ würdigt auch Verdienste des Leipziger Dozenten

Almut Andreae

Fotoausstellung in der Produzentengalerie „M“ würdigt auch Verdienste des Leipziger Dozenten Die erste Ausstellung des Künstlerverbandes in ihrer Produzentengalerie M in diesem Jahr ist dem Fotografen Horst Thorau gewidmet. Bis zu seinem plötzlichen Tod im Jahr 1989 ist Thorau Dozent und Leiter des Fernstudiengangs Fotografie an der Hochschule für Buchkunst und Grafik Leipzig gewesen. Er war ein eher stiller Zeitgenosse, der sich mit aller Ernsthaftigkeit der Fotografie und den ihm anvertrauten Studenten widmete. Insgesamt hat es nach seinem Tod mit einigen vereinzelten Ausstellungen nur wenig Veranstaltungen gegeben, die an Horst Thorau erinnern. Es ist der Initiative eines ehemaligen Schülers von Thorau, dem Fotografen Walter Hinghaus, zu verdanken, dass im Jahr 1999 unter dem Titel „Horst Thorau und Fernstudenten“ eine Ausstellung entstand, die die Verdienste des von einem großen Schülerkreis verehrten Lehrers angemessen würdigt. Ursprünglich war sie in den Räumen des Vereins „MV Foto“ in Schwerin gezeigt worden. 1992 von Mitgliedern des Verbandes Bildender Künstler in Schwerin gegründet, widmet sich der Verein der Förderung der Fotografie in Mecklenburg-Vorpommern. Die Schau wanderte später nach Sachsen, kam noch einmal zurück nach Schwerin und wurde nun nach Potsdam geholt, wo ebenfalls ehemalige Schüler Thoraus leben und arbeiten. So auch Peter Frenkel, Mitglied im Vorstand des BVBK, der die Ausstellung seines Studienfreundes Walter Hinghaus für die Produzentengalerie M sehr begrüßte. „Er ist für uns ein sehr großes Vorbild gewesen“, so Hinghaus bei seiner Laudatio am vergangenen Freitag in Potsdam, und sprach damit im Sinne aller Thorauschüler, von denen einige wenige bei der Eröffnung anwesend waren. In seiner Rede hob Hinghaus hervor, wie Thorau seine Studenten dazu gebracht hat, ehrlich, im Sinne von bei sich selbst zu bleiben. Vielleicht war es genau dies, was die Einmaligkeit dieser zahlreichen Lehrer-Schüler-Beziehungen ausgemacht hat: dass Thorau einem jeden den Raum gab, sich nach seinen Möglichkeiten zu entfalten, indem er ihn beständig darin ermutigte und bestärkte, seinen eigenen Weg zu gehen. Er hat es verstanden, so Hinghaus, „seine Schüler und Partner auf leise, unaufdringliche Art anzuregen und zu hohen Leistungen zu inspirieren, er hat bei uns Spuren hinterlassen.“ Die Präsentation der überwiegend schwarz-weißen Fotografien führt ein großes Ausdrucksspektrum vor Augen. Insgesamt dominiert die Kategorie Porträt und die Milieustudie. Viele dieser eindrücklichen Darstellungen ungeschönter Realität, darunter die Arbeiten Eberhard Klöppels aus Berlin, Harry Hardenbergs aus Stralsund und Gerhard Webers aus Grimma, um hier nur einige zu nennen, bleiben in nachhaltiger Erinnerung. Die Ausstellung zeigt aus früheren Jahren auch Beispiele des unter Fotografen begehrten World Press Photo Preises: so Peter Meißner, Berlin, mit seiner Schwarz-Weiß-Fotografie „Junges Paar an der Autobahn“ und Erwin Döring, Dresden, mit den Arbeiten „Weimar 1977“ und „Geigerin M. Fujikawa“, ebenfalls Schwarz-Weiß. Auf Thorau selbst stößt man am Ende des Ausstellungsrundgangs. Unvermutet steht man Aug in Auge mit dem Fotografen, der sich, die Kamera zwischen sich und den Betrachter gerichtet, unter dem Titel „Selbst“ ein Signum gesetzt hat. Thoraus Frau Hanna Thorau und Tochter Andrea Thorau-Iddau haben die kleine aber feine Auswahl der gezeigten Arbeiten dankenswerterweise zur Verfügung gestellt. In ihr deutet sich das große Spektrum an Techniken und Raffinessen an, über welches Horst Thorau verfügte. So bediente er sich für die Naturfarbenfotografie einer Blume des sogenannten Fettfarbenumdrucks, ein Verfahren, das zuletzt vor allem in den zwanziger Jahren verwendet wurde und mittlerweile weitestgehend in Vergessenheit geriet. Zwei Beispiele, ebenfalls aus dem Bereich Naturfotografie, bei denen mit den Komponenten Solarisation und Monochromie gearbeitet wurde, zeigen, dass Horst Thorau auch eine sehr poetische Seite gehabt haben muss. Die daneben präsentierte „Magdeburg-Mappe“ mit ihren vorzüglichen Schwarz-Weiß-Fotografien von der Elbeund Domstadt Magdeburg im Postkartenformat erinnert daran, dass Thorau, der seine fotografische Ausbildung seinerzeit am Lette-Verein in West-Berlin erhalten hatte, später Wahl-Magdeburger geworden war. Seitdem er als Dozent und Leiter des Fernstudiengangs Fotografie zahlreiche freie Fotografen betreute, war er darüber hinaus auch in Leipzig zu Hause. Seine Schüler kamen übrigens meist aus den Bereichen Presse, Werbung und Theater, verfügten also bereits über einige Berufserfahrung, als sie bei horst Thorau anfingen. Nach ihrem Studium haben viele von ihnen durch ihr Engagement im Verband Bildender Künstler in der DDR sowie in der Breitenarbeit der Gesellschaft für Fotografie im Kulturbund das Erbe Thoraus weitergetragen und das Niveau der Fotografie in der DDR, so die Bewertung von Walter Hinghaus im Rückblick, maßgebend mitbestimmt. Almut Andreae Die Ausstellung „Horst Thorau und Fernstudenten“ ist noch bis zum 1. Februar 2004 in der Produzentengalerie des BVBK, Mittelstraße 38 zu sehen. Mittwoch bis Freitag 12 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag 13 bis 18 Uhr.

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