• Theater ohne Illusionen, aber mit viel Komik Das Neue Globe Theater bei den Schirrhofnächten

Kultur : Theater ohne Illusionen, aber mit viel Komik Das Neue Globe Theater bei den Schirrhofnächten

Ein herzhafter Biss in den Schaumkuss, ein Bollywoodtanz und ganz viel Augenzwinkern: Bei den diesjährigen Schirrhofnächten ab Mittwoch, dem 23. August, präsentiert sich das Neue Globe Theater in der Schiffbauergasse mit all seinen Facetten.

Im Jahr 2015 gemeinsam von Andreas Erfurth, Kai Frederic Schrickel und Sebastian Bischoff gegründet, hat es sich zur Aufgabe gemacht hat, Theater nahe am Publikum zu spielen. Mit ihrem eigenwilligen, augenzwinkernden Charme brechen sie oft mit der Illusion des Theaters. So bleibt etwa das Licht im Publikumsraum während der Vorführung eingeschaltet oder Kostümwechsel finden für alle sichtbar noch halb auf der Bühne statt. Wie der Name vermuten lässt, widmet sich die Theatergruppe vornehmlich Shakespeare-Stücken – doch nicht nur. Im Rahmen der Schirrhofnächte präsentiert die Gruppe vier Inszenierungen – zwei davon stammen vom englischen Theaterdichter.

Da ist zunächst „Indien“, das im Juni Premiere im Potsdamer T-Werk feierte. Die tiefschwarze Komödie aus der Feder von Josef Hader und Alfred Dorfer hat Regisseur Kai Fredric Schrickel aus der österreichischen in die brandenburgische Provinz geholt. Er inszeniert sie als ein bitterböses Kammerspiel mit der für das Neue Globe Theater typischen Prise skurrilen Humors. Inhaltlich dreht sich alles um Kurt Fellner (Sebastian Bischoff) und Heinz Bösel (Andreas Erfurth), die gemeinsam Restaurants testen und sich dabei irgendwie näherkommen.

Beide Darsteller spielen ihre Rollen herrlich überzogen: Bischoff gibt den Klugscheißer Kurt Fellner als spießigen Beamten, Erfurth hingegen suhlt sich geradezu in der Prolligkeit von seiner Figur Heinz Bösel. Zwischen den Szenen punktet Saro Emirze mit einer Songrevue, die mit dem Bollywoodhit „Salaam-E-Ishq“ endet. Eine bissige Sommerkomödie mit nachdenklichen Tönen.

Weniger lustig, aber genauso bissig ist die Inszenierung von Friedrich Schillers Klassiker „Die Räuber“. Hier führt Andreas Erfurth Regie, der dem nicht mehr ganz zeitgemäßen Pathos des Stückes mit modernen Textpassagen und dem genialen Schlagzeug-Soundtrack von Anton Nissl auf den Leib rückt. Das gelingt nicht konsequent, dafür glänzen vor allem Sebastian Bischoff und Petra Wolf als Franz Moor und Amalia. Ihr Spiel voller Emotionalität und Tiefe hallt lange nach, Bischoffs verachtender Biss in einen Schaumkuss bleibt unvergessen.

Mit „Othello“ zeigt das Theater schließlich zum letzten Mal eines seiner erfolgreichsten Shakespeare-Produktionen. Ganz in der Tradition des Elisabethanischen Theaters, als Frauen auf der Bühne unerwünscht waren, loten sechs Männer die Tiefen des Dramas aus, zeigen aber auch die Komik des Spiels. Lustig wird es auch in der Verwechslungsgeschichte „Komödie der Irrungen“.

Als Ergänzung zum Theater wird die Hamburger Band The Mighty Mocambos am Samstagabend nach der Othello-Aufführung mit einem Mix aus Funk, Soul und Jazz zu erleben sein. sku

Schirrhofnächte vom 23. August bis 3. September in der Schiffbauergasse. Mehr Infos unter www.t-werk.de

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