• The-Police-Schlagzeuger im Nikolaisaal: Die Sticks fliegen

The-Police-Schlagzeuger im Nikolaisaal : Die Sticks fliegen

Noch bevor er den ersten Ton spielt, hat Stewart Copeland das Publikum im Potsdamer Nikolaisaal auf seine Seite gezogen.

Roman Soike
An seinem Instrument: The-Police-Schlagzeuger Stewart Copeland.
An seinem Instrument: The-Police-Schlagzeuger Stewart Copeland.Foto: Friso Keuris

Potsdam - Er weiß, wie man das Publikum auf seine Seite bringt, noch bevor der erste Ton gespielt ist. Mit charmantem englischem Akzent begrüßt Stewart Copeland das Publikum im Nikolaisaal: „Mein Deutsch ist klein, aber mein Herz ist groß für diese Stadt und dieses Orchester.“ Gemeint ist das Deutsche Filmorchester Babelsberg, das den Ausnahme-Schlagzeuger Copeland an diesem Freitagabend begleitet.

„Stewart Copeland lights up the Orchestra“ nennt sich die Weltpremieren-Tour, die außer im Nikolaisaal lediglich in drei weiteren, deutlich größeren Konzerthäusern Halt macht. Dabei lässt der 66-jährige Ex-Schlagzeuger der englischen Erfolgsband The Police und Komponist von über 60 Filmsoundtracks keine Gelegenheit aus, seine Begeisterung für das Filmorchester zum Ausdruck zu bringen. So habe man in Vorbereitung der letzten Police-Tour für vier Monate im Anwesen von Sänger Sting geprobt, obwohl doch jedes Bandmitglied die Songs auswendig kennen sollte. Mit dem Filmorchester hingegen reichten nur vier Proben – diese Musiker könnten nämlich Noten lesen. Und zwar auch die modernern Partituren, die andere klassische Orchester schnell wie verunsicherte Schulbands klingen ließen.

Zwei Stunden Schlagzeug und Orchester

Mit diesen Vorschusslorbeeren geht es hinein in knapp zwei Stunden „Schlagzeug meets Orchester“. Copeland bringt dabei einen Querschnitt seiner Kompositionen zu Filmen wie Ben Hur oder Wall Street – wenngleich die Bilder dazu fehlen – auf die Bühne, aber auch einzelne umarrangierte Songs von The Police. Und wie sollte es bei einem Schlagzeuger anders sein, sind die Stücke oft rhythmusbetont, allein die Aufreihung der Percussion-Instrumente nimmt am Bühnenende die ganze Breite des Saals ein. Copeland hingegen sitzt eingegliedert in das Orchester und lässt seine Sticks mit unverkennbarem Stil fliegen: mal wie Pinsel, die einen zarten, finalen Tupfer auf das Becken setzen, mal mit der Geschwindigkeit und Präzision eines Fechtdegens, der auf die kleine Trommel peitscht. Einen der weltbesten Schlagzeuger beim Spielen zu hören und zu sehen, ist ein Erlebnis an sich. Und in der Tat, das Filmorchester spielt die abwechslungsreichen Arrangements mindestens ebenso präzise drum herum.

„Heute dürft ihr hier auch mal ein wenig ausflippen“, johlt Copeland sichtlich vergnügt ins Publikum. Dass dies nicht gänzlich gelingt, liegt vor allem an der filigranen Akustik des Nikolaisaals. Sie erweist sich für die Energie eines Rock-Schlagzeugers als Nachteil. Gegen die lautstärkeren Parts Copelands hat das Filmorchester kaum mehr Durchsetzungskraft, Instrumente gehen undifferenziert im Scheppern der Becken unter – trotz der Plexiglaswand, die die natürliche Lautstärke des Schlagzeugs in Richtung Publikum zügeln soll. Der Unmut darüber ist als Thema vieler Pausengespräche vernehmbar. Es sind dann vor allem die Stücke, in denen das Schlagzeug akustisch auf Augenhöhe mit dem Orchester agiert und die spannenden Arrangements somit besser zur Geltung kommen, die das Publikum letztlich doch begeistern – etwa beim bekanntesten Song des Abends, dem Police-Klassiker „Don't Stand So Close To Me“. So lässt sich Copeland noch zu einer weiteren Police-Zugabe hinreißen.