• Subway to Sally in Potsdam: Laute Nacht, eisheilige Nacht

Subway to Sally in Potsdam : Laute Nacht, eisheilige Nacht

Alle Jahre wieder: Subway to Sally tritt am 30. Dezember zum Abschlusskonzert in der Potsdamer Metropolis Halle auf.

Magdalena Schmieding
2009 spielte Subway to Sally das erste Mal ihr Jahresabschlusskonzert in der Metropolis Halle. 
2009 spielte Subway to Sally das erste Mal ihr Jahresabschlusskonzert in der Metropolis Halle. Foto: promo

Potsdam - Schwarz geschminkte Augen, verschränkte Arme und im Hintergrund ein abgebrannter Wald – so präsentieren sich Subway to Sally, die wie jedes Jahr traditionell ihr Jahresabschlusskonzert im Rahmen der „Eisheiligen Nächte“ in Potsdam spielen. „Es ist jedes Mal etwas ganz Besonderes, in Potsdam zu spielen,“ versichert Gitarrist und Texter Bodenski, „ein Gefühl des Nachhausekommens.“ Und das liegt nicht nur an Familie und Freunden, die nach dem Auftritt Backstage warten, um dort zu feiern. Das Potsdamer Publikum, so Bodenski, sei ganz anders als in anderen Städten. „Es gibt nicht nur die Metalfans und die Leute aus der Gothic Szene, stattdessen sind auch viele ganz normale Leute da.“ Besonders stolz sind Subway to Sally auf ihre Fans aus der Umgebung Potsdams, „die kommen wirklich aus den kleinen Städtchen, aus den Dörfern, manche reisen sogar aus Cottbus an.“

Im März dieses Jahres veröffentlichte das Septett nach fast 30 Jahren Bandgeschichte und ganzen fünf Jahren Stille mit dem Titel „HEY!“ ihr 13. Studioalbum. Den Musikstil Subway to Sallys könnte man als eine Mischung aus Folk, Heavy Metal und Rock beschreiben. Gerade die früheren Alben der 90er-Jahre sind durch Dudelsäcke, Flöten und akustische Gitarren geprägt. Die intelligenten Texte, vom Treuenbrietzener Eric Fish mit seiner markanten Stimme hauptsächlich auf Deutsch gesungen, bedienen sich mittelalterlicher Thematiken, Hexen, Dämonen und Narren hüpfen durch die Songs. Auch deshalb drückte man der Band wohl den Stempel Mittelalter-Rock auf. „Irgendwann hat es sich halt ausgedudelt“, erklärt Gitarrist Bodenski die Stilwechsel in der Bandgeschichte, „wenn es immer mehr Truppen gibt, die mit Dudelsack auf der Bühne stehen, hat man Lust, etwas Neues zu probieren.“

Das aktuelle Album.
Das aktuelle Album.Foto: promo

Konzert wird von drei anderen Bands begleitet

In den 2000ern wurde es etwas düsterer und elektronischer um die siebenköpfige Gruppe und auch im aktuellen Album lässt sich die Experimentierfreude raushören. Diesmal hat Ingo Hampf, der kreative Kopf der Band, einen großen Bogen geschlagen und vereint beispielsweise Einflüsse des Glam Rock mit Carl Orffs „Carmina Burana“, herausgekommen sind der sehr tanzbare Song „Imperator Rex Graecorum“ und andere Stücke, in denen man Anleihen an Trap, einer Spielart des Hip-Hop aus dem Süden der USA, oder Sprechgesang finden kann. „Eigentlich wollten wir den Rapper Casper für das aktuelle Album gewinnen“, erzählt der studierte Germanist Bodenski, „das hat aber leider noch nicht geklappt.“

2008 gewannen Subway to Sally den von Stefan Raab veranstalteten Bundesvision Song Contest. 2009 wurde das Jahresabschlusskonzert dann in die neu eröffnete Metropolis Halle im Filmpark Babelsberg verlegt, auch weil durch den gestiegenen Bekanntheitsgrad der Band der Lindenpark zu klein geworden war. Mit der Zeit entwickelte sich aus dem Konzert ein kleines Festival. In der Woche davor geht es in der Regel zudem auf Tour, die „Eisheiligen Nächte“. Auch dieses Jahr werden Subway to Sally dabei von drei deutschen Bands begleitet, nämlich „Fiddler’s Green“, die aus dem Folk-Rock kommen, und „Knasterbart“ sowie „Vogelfrey“, zwei Folk-Truppen, aus deren Songs starke Einflüsse von Rock und Heavy Metal herauszuhören sind. Abseits der regulären Tour bieten die „Eisheiligen Nächte“ auch immer Raum für Experimente und Besonderheiten. Dieses Jahr darf man sich auf den Gastauftritt des deutschen Musikers und Schauspielers Joachim Witt freuen, dem Anfang der 80er mit seinem Hit „Goldener Reiter“ der Durchbruch gelang.

"Wir wollen wachrütteln!"

Dass nach fast 30 Jahren noch alles beim Alten ist, kann man wohl schwer erwarten, so mussten die eingefleischten Fans dieses Jahr einen Besetzungswechsel der Band verkraften. Im Lied „Anna’s Theme“ kann Ally Storch als Ersatz für die Violinistin Frau Schmitt ihr Können unter Beweis stellen. „Am Tiefen See“ ist die einzige Ballade in der Mitte des sonst eher schnellen Albums und bietet Ally Storch und ihrem Instrument eine Bühne. Wer sich mit dem Wechsel schwertut, dem sei versichert, dass Frau Schmitt selbst ihre Nachfolgerin ausgewählt hat.

Frühere Alben entstanden „unter dem Eindruck einer kaputten Welt“, so Bodenski, was sich jetzt in „HEY!“ fortsetzt. „Wir wollen nicht nur unterhalten, wir wollen wachrütteln!“ Kritik an der Gesellschaft lässt sich aus einigen Songs heraushören, wie beispielsweise in „Königin der Käfer“, welcher sich, begleitet von schweren Gitarrenriffs, mit dem Thema Mobbing auseinandersetzt. Auch die Songs „Island“, „Aufgewacht“ und „Bis die Welt auseinanderbricht“ behandeln aktuelle Themen wie den Klimawandel, den Selbstoptimierungswahn und die damit einhergehende Isolation des Individuums in der digitalen Welt.

Subway to Sally Fanchor

Mit „Alles was das Herz will“ bietet „HEY!“ neben den ungewohnt ernsten Inhalten aber auch Lieder zum Tanzen und Mitsingen, wie man es aus der früheren Bandgeschichte gewohnt ist. „HEY!“, der letzte Titel des gleichnamigen Albums bringt spielerisch die vielen Fans der Band zusammen und belohnt sie für ihre Treue: „Wir haben eine Tonspur online gestellt,“ erzählt der Gitarrist des Septetts, „die Leute konnten zu Hause ihren Gesang aufnehmen und uns schicken“. Im Studio wurden dann alle Gesangslinien übereinander gelegt und herausgekommen ist ein original Subway to Sally Fanchor.

Was die Zukunft angeht, ist die Truppe um Sänger Eric Fish ganz entspannt. „Wir haben eigentlich alles erreicht, über ein Dutzend Mal auf dem Wacken Open Air gespielt, wir waren sogar bei 70 000 Tons of Metal dabei.“ Das ist ein Festival, das alljährlich auf einem Kreuzfahrtschiff stattfindet, dort treffen sich Bands und Fans aus aller Welt und schippern Bier trinkend und Metal hörend durch die Karibik.

Für das 2022 anstehende 30. Bandjubiläum planen Subway to Sally Großes: „Wir dachten daran, ein Album mit einem ganzen Sinfonieorchester aufzunehmen,“ berichtet Bodenski, an der Realisierung arbeite man bereits.

Wer noch kein Ticket für die „Eisheiligen Nächte“ gekauft hat, kann ganz entspannt sein, der Vorverkauf laufe zwar sehr gut, aber die Metropolis Halle sei einfach zu groß, um sie komplett zu füllen, so Bodenski. Es werden also noch Tickets an der Abendkasse erhältlich sein.

>>Subway to Sally, Montag, 30. Dezember um 19 Uhr in der Metropolis Halle, Großbeerenstraße 200.

— Subway to Sally: Hey! Erschienen am 8. März 2019 bei Universal Music, als CD ab 16,99 Euro, Vinyl 19,99 Euro.

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