Kultur : Stationen eines Stadtteils

Überarbeitete Auflage des Babelsberg-Buches

Astrid Priebs-TrögerD

Der Ort für die Präsentation des Buches „Neuendorf-Nowawes-Babelsberg“ war gut gewählt. In der Nowaweser Weberstube, in der Karl-Liebknecht-Straße 23, steht noch ein riesiger Originalwebstuhl, der die bescheidene „Wohnstube“ fast vollkommen ausfüllt. Spinn- und Spulrad, Spulen und Schiffchen zeigen, unter welchen Bedingungen die einstigen böhmischen Migranten gearbeitet haben.

Wie wechselvoll, spannend und vielfältig die Geschichte von Potsdams größtem Stadtteil ist, wird schnell deutlich, wenn man das gut gemachte, reich bebilderte und sehr informative fast 200 Seiten starke Buch in die Hand nimmt, das am Donnerstag in seiner inzwischen dritten Auflage von Mitgliedern des Förderkreises Böhmisches Dorf Nowawes und Neuendorf e.V. vorgestellt wurde. In neun Kapiteln vermitteln ebenso viele Autoren Wissenswertes sowohl über die ehemalige Weberkolonie als auch über die Villenkolonie Neubabelsberg, über die berühmte Filmstadt, die Oberlinkliniken oder die rasante industrielle Entwicklung des Stadtteils, der bis 1939 die größte Industriestadt im Kreis Teltow war. Allein dieser Zusammenhang macht es insbesondere für Potsdamer „Zugezogene“ einigermaßen verständlich, warum „echte“ Babelsberger bis heute den Eindruck vermitteln, dass sie in eine vollkommen andere Stadt fahren, wenn sie nach Potsdam müssen. Da schwingt im Unterton auch Stolz über die eigene Geschichte, die keine „königliche“ wie in der nahen Residenzstadt, dafür von vielen Entbehrungen, Klassenkämpfen und industrieller und auch architektonischer Blüte geprägt war.

Die vorliegende dritte Auflage wurde mit einigen Neuerungen versehen. Neben den Aktualisierungen in der vorangestellten übersichtlichen Datensammlung wurde das Buch mit einem Register von Straßennamen in ihrem historisch-chronologischem Verlauf versehen, der es dem Leser ermöglicht ohne viele störende Klammern im fortlaufenden Text herauszufinden, wie viele Umbenennungen Straßen erfahren haben. Weiterhin gibt es Änderungen im 4. Kapitel zur Villenkolonie Neubabelsberg und im 8. zur Schullandschaft, die in ihren Standorten und Nutzungskonzepten in den vergangenen Jahren deutlichen Veränderungen unterworfen war.

Almuth Püschel, die für die Redaktion des repräsentativen Bandes verantwortlich zeichnet, bezeichnete den Stadtteil als überaus vitalen Organismus und so ist durchaus damit zu rechnen, dass die Mitglieder des Fördervereins auch weiterhin - vorwiegend ehrenamtlich – Stadtteilgeschichte schreiben. Angekündigt wurde auf der Buchpräsentation die Arbeit von Ulrich Schmelz, die sich insbesondere mit der zweiten Hälfte der Industrialisierung, der Umprägung der Handwerkersiedlung, befassen wird. Bleibt nur zu hoffen, dass sich viele Landeshauptstädter für die spannende Geschichte Babelsbergs interessieren und dass die Herausgeber in der nächsten Auflage vielleicht auch noch ein Wort über die heutigen Autoren und ihre beruflichen Hintergründe verlieren.Astrid Priebs-Tröger

Neuendorf-Nowawes-Babelsberg. Stationen eines Stadtteils, Förderkreis Böhmisches Dorf Nowawes und Neuendorf e.V. (Hg.), Geiger-Verlag, Horb am Neckar 2008, 17, 90 Euro

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