• Start der 8. Schirrhofnächte: Unterhaltsam, philosophisch, poetisch

Start der 8. Schirrhofnächte : Unterhaltsam, philosophisch, poetisch

Bis zum 10. August gibt es ein abwechslungsreiches Open-Air-Theater-Programm in der Schiffbauergasse.

Astrid Priebs-Tröger
Die Produktion „Die Legende vom heiligen Trinker“ von Ton und Kirschen steht am Samstag auf dem Spielplan.
Die Produktion „Die Legende vom heiligen Trinker“ von Ton und Kirschen steht am Samstag auf dem Spielplan.Foto: Erik-Jan Ouwerkerk/Promo

Potsdam - Was wäre ein Sommer ohne Open-Air-Theater? Für viele wohl nur halb so schön – und zwar erst recht in den kulturarmen Zeiten von Corona, in denen der Aufenthalt in geschlossenen Räumen noch immer nicht ganz ungefährlich ist.

31 Spieltermine von sieben Theaterensembles

Das T-Werk veranstaltet noch bis 10. August im Kulturquartier Schiffbauergasse seine inzwischen 8. Schirrhofnächte. Und bietet an 18 Veranstaltungstagen mit 31 Spielterminen und sieben verschiedenen Ensembles ein abwechslungsreiches Programm, das von Bilder- über Erzähltheater über Neuen Circus bis hin zu Tanz- und Musiktheater reicht. Und dass sich sowohl an erwachsene Besucher:innen als auch an Kinder richtet.

Oxymoron eröffnet das Open-Air-Theaterfest

Eröffnet wurde am Donnerstagabend mit einer Tanztheateraufführung auf der Seebühne des Hans Otto Theaters. Die Oxymoron Dance Company, die im Waschhaus beheimatet ist, zeigte ihre neueste Produktion „Cosmic Tribe - Eine Spurensuche“ – und da man im Kulturquartier in den anderthalb Pandemie-Jahren näher zusammengerückt ist, eröffnete Anja Koziks Produktion jetzt erstmalig die Schirrhofnächte.

Fehlende Dunkelheit verzögert den Start

Doch bevor die tänzerische und choreografische Spurensuche begann, musste man nach dem offiziellen Beginn noch fast eine halbe Stunde warten, denn erst gegen 22 Uhr war es dunkel genug, um die Videoprojektionen von Cécile Wesolowski auf der rückwärtigen Projektionsfläche, dem weißen Bühnenboden und den elastischen Körpern der vier Tänzerinnen überhaupt sichtbar werden zu lassen.

Blubberndes Magma, funkelnder Sternenhimmel, rauchige Vulkane, menschliche – oder vielleicht doch göttliche? – Augen und rosa Luftblasen waren da zu sehen. Untermalt wurde dies mit einer vor allem geheimnis- bis unheilvoll dräuenden Tonspur von Modem&Acoid, in der es nach harten Beats mal brodelte, ab und zu Wasser rauschte oder auch verzerrtes Stimmengewirr zu vernehmen war.

Wechselnde Projektionen, unterschiedliche musikalische Stimmungen

Die vier athletischen Tänzerinnen Luana Rossetti, Alessia D Ìsanto, Yvonne Sambene und Polyxeni Argyri in hautengen Zweiteilern agierten vor diesen oft wechselnden Projektionen und unterschiedlichen musikalischen Stimmungen. Meist jede für sich, immer sehr sportlich, doch insgesamt blutleer. Denn der Funke, der sonst bei Anja Koziks Produktionen mit oft (handgemachter) Live-Musik und jungen Tänzer:innen auch aufs Publikum übersprang, schaffte es diesmal nicht wirklich bis auf die gutbesetzte Zuschauertribüne. Obwohl diese näher als sonst an die Seebühne heranreichte.

Frage nach dem Einklang von Mensch und Natur

Vielleicht war auch die selbstgewählte Herausforderung, die Entstehung der Erde (zusätzlich) tänzerisch abzubilden ein wenig zu gewagt beziehungsweise zu komplex. Und die komplizierte Frage, die sich das Ensemble laut Programm-Ankündigung stellte – wie sich der Einklang von Mensch und Natur im Zeitalter des Individualismus wiederherstellen lässt? – konnte am Ende auch nicht erschöpfend beantwortet werden.

Es wirkte hauptsächlich plakativ, als sich die vier Frauen die glitzernden Hauben, die sie kurz trugen und die zum Teil wie der Kopfschmuck von Häuptlingen aussahen, wieder absetzten. Zumindest drei von ihnen. Also mehr „Natur“ als „Kultur“ wagen? Sich nicht mehr als „Krone der Schöpfung“ definieren? Schön war, dass sie kurz vorher auch einmal zu wirklicher tänzerischer Gemeinschaft zusammenfanden.

Weitere Ensembles auf der Seebühne 

In den kommenden drei Wochen kann man viele bekannte Gruppen wie das Neue Globe Theater oder die Glindower Wandertheatergruppe Ton und Kirschen im Schirrhof erleben; beide zeigen Produktionen des vergangenen Jahres und auch Neues wie den „Don Quijote“, der im Mai Premiere feierte. Beim Neuen Globe ist das wie immer zwerchfellerschütternd, doch bei „Figaros Hochzeit“, das im vergangenen Jahr bei den Schirrhofnächten Premiere feierte, bleibt einem auch schon mal das Lachen im Halse stecken.

Theater "Ton und Kirschen" gastiert am Samstag bei Schirrhofnächten

Unterhaltsam, philosophisch und zudem poetisch ist die Produktion „Die Legende vom heiligen Trinker“ von Ton und Kirschen, die am Samstagabend (24. Juli)  auf dem Spielplan steht und gerade in Frankreich gastierte. In die gleiche Kategorie ist auch der zweistündige Fontane-Balladenabend vom theater 89 einzuordnen, das damit zum ersten Mal bei den Schirrhofnächten zu Gast ist und am Sonntag und Montag (25. und 26. Juli) zu erleben ist.

Zum ersten Mal ist auch eine internationale Theatergruppe beteiligt. Die Maleta Company/das Hippana Theatre, bestehend aus dem Iren Alex Allison und dem Deutschen Jonas Schiffauer, sind zu Gast. Ihre Jonglage-Show „Tunnel“ ist eine Duo-Performance über die Genialität des Unmöglichen und den Glauben an die Fantasie – sicher auch für Jüngere geeignet. Sodass auch wieder Theatervorstellungen für Familien auf dem vielfarbigen Open-Air-Programm stehen. Das Theater Lakritz für die ganz Kleinen mit „Hase und Igel“" an diesem, die „Tunnel“-Jongleure am kommenden, und das Figurentheater Ute Karmann am letzten Ferienwochenende. Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass auch das Sommerwetter mitspielt.


Tickets im Vorverkauf und telefonisch unter Tel.: (0331) 73042626. Weitere Infos beim T-Werk

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