Kultur : Star wider Willen

Fotos und Dokumente aus dem Nachlass der Schauspielerin Annelies Reinhold im Besitz des Filmmuseums

Dokumente und Fotos aus dem künstlerischen Nachlass der Schauspielerin Annelies Reinhold hat das Potsdamer Filmmuseums erwerben können. Kern der Sammlung sind sechs Alben mit Fotos zu den Filmen, in denen Reinhold spielte. Hinzu kommen viele Privataufnahmen aus der Zeit, als sie ihre Schauspielkarriere beendet hatte, sowie private Dokumente.

Es gibt nur wenige Filme, in denen die stolze, begabte Schönheit Annelies Reinhold spielte und es sind nur wenige Erinnerungsstücke, die sie selbst an diese Zeit aufbewahrte. Sie befinden sich nun im Filmmuseum Potsdam.

Annelies Reinhold wurde 1917 in Meran/Südtirol als Tochter einer Opernsängerin und eines namhaften Chirurgen geboren. Eigentlich wollte sie Innenarchitektin werden, aber die ehrgeizige Mutter drängte sie zu einer Bühnenlaufbahn. Ihre Schauspielausbildung erhielt Annelies Reinhold in München an der renommierten Otto-Falckenberg-Schule, „Alma Mater“ so berühmter Darsteller wie Heinz Rühmann, Horst Caspar, Berta Drews und Elisabeth Flickenschildt.

Nach einigen Theaterengagements in Berlin wird sie von dem Regisseur Arthur Maria Rabenalt für den Film entdeckt und debütierte in „Die drei Codonas“. Über Nacht wurde sie zum Star. Ihr nächster Film „Violanta“ (1942), ein düsteres Drama im ländlichen Milieu, hatte als deutscher Film sogar in der „neutralen“ Schweiz großen Erfolg, nicht zuletzt wegen seiner faszinierenden Hauptdarstellerin. Die komplexe Rolle der Außenseiterin Violanta bot Annelies Reinhold Gelegenheit, ihre Schauspielkunst eindrucksvoll unter Beweis zu stellen. Der Regisseur Paul May wird ihr Ehemann.

Unter seiner und Georg Wilhelm Pabsts Regie tritt sie 1950 in einem der eindrucksvollsten antifaschistischen Filme auf, die unmittelbar nach dem Krieg entstehen: „Duell mit dem Tod“. Noch im selben Jahr zog sie sich ins Privatleben zurück. Im Alter übersiedelte sie nach Oldenburg in Holstein, wo sie einen Tag nach ihrem 90. Geburtstag im Jahr 2007 verstirbt.

Ihre Schauspielkarriere betrachtete Annelies Reinhold im Alter eher als Irrtum und ließ nur eine Rolle gelten: die Violanta. Im Rahmen der Ausstellung „Foto-Geschichten“ und im Gedenken an Annelies Reinhold, den Star wider Willen, wird das Filmmuseums diesen Film zeigen. Ch.H.

„Violanta“ wird am morgigen Donnerstag um 18 Uhr im Filmmuseum gezeigt.