Kultur : Star Trek made in DDR

Berlinale-Gespräch zu Science-Fiction der Defa

„Star Trek“ à la Babelsberg. Filmszene aus „Signale“ F.: DEFA-Stiftung/Damm, Hertelt, Schulze
„Star Trek“ à la Babelsberg. Filmszene aus „Signale“ F.: DEFA-Stiftung/Damm, Hertelt, Schulze

Auf den ersten Blick lässt der Trailer von „Eolomea“ nicht erkennen, dass es sich hier um einen Science-Fiction-Film handelt: Ein Pärchen küsst sich und gleitet im Ruderboot über das Wasser. Erst nach etwa einer Minute watschelt ein Roboter durch das Bild und dann endlich gibt es den Blick auf das Raumschiff im Weltall. „Es ist der neue utopische Film der Defa“ verkündet der Trailer an dieser Stelle, denn von Science-Fiction sprach man in der DDR nicht, wie Ralf Schenk am Mittwoch in der Kinemathek am Potsdamer Platz in Berlin erklärte. Dort leitete der Vorstandvorsitzende der Defa im Rahmen der diesjährigen Berlinale ein Gespräch über Science-Fiction-Filme der Defa – von denen lediglich vier produziert wurden, wie Schenk sagte. Nämlich der besagte „Eolomea“ aus dem Jahr 1972, „Der schweigende Stern“ (1960), „Signale – Ein Weltraumabenteuer“ (1970) sowie „Im Staub der Sterne“ (1976). „Es gab noch ein paar mehr, die in diese Richtung gingen, aber richtige Science-Fiction-Filme waren das nicht“, so Schenk. Das lag unter anderem an den fehlenden Mitteln, einen solchen von der Ausstattung her aufwendigen Film zu stemmen, aber auch an dem Unwillen, Genrefilme zu produzieren.

Auch „Eolomea“-Regisseur Herrmann Zschoche, der mit seinem Film die diesjährige Berlinale-Retrospektive „Future Imperfect“ eröffnete, war damals nicht wirklich angetan von dem Thema Weltall. In den entsprechenden Vorgängerfilmen der Defa fand er vieles kindisch, wie er am Mittwoch sagte. „Ich fragte mich, was das für Figuren sind und kann mit dem Genre eigentlich bis heute nichts anfangen.“ Am Drehbuch von „Eolomea“ hätten ihn eher die Dialoge gereizt, der Witz und auch die thematische Auseinandersetzung mit Fragen der Zeit. Trotzdem musste Zschoche sich den Herausforderungen der besonderen Ausstattung stellen. „Für DDR-Geld konnte man ja nichts kaufen, kein Aluminium, kein nichts“, so der Regisseur, der mit „Sieben Sommersprossen“ einen Klassiker des Defa-Jugendfilms schuf. Deswegen seien die Trickleute mit Schnapsflaschen zu den Werkdirektoren gegangen und hätten sich kleine Reststücke Aluminium erschlichen. Großes Vorbild für den richtigen Weltall-Look war damals Stanley Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“, der einen hohen Standard setzte.

So auch bei dem Film „Signale“ von Gottfried Kolditz, für den sich Kameramann Otto Hanisch an das anspruchsvolle 70-Milimeter-Filmmaterial wagte. „Hanisch war ein Perfektionist“, erklärte Peter Badel, selbst Kameramann, der an der heutigen Babelsberger Filmuni studierte und viel mit Hanisch gesprochen hat. „Er wollte es unbedingt vermeiden, dass man irgendwelche Fäden sieht oder so etwas.“ Für den echten Schwerelosigkeitseffekt hat sich der Kameramann sogar in ein spezielles Rad begeben, sodass er die Kulissen auch auf dem Kopf einfangen konnte. Denn die Dekoration zu drehen wäre damals viel zu teuer gewesen, wie Badel sagte. Außerdem benutze er extrem heiße Lampen, um die richtigen Lichteffekte zu erzielen. Das brachte nicht nur die Schauspieler zum Schwitzen, sondern strapazierte auch den Kleber der Kulisse. Gedreht werden durfte deswegen auch nur zu bestimmten Zeiten und nicht zwischen 17 und 19 Uhr – sonst wäre das Stromnetz in Potsdam zusammengebrochen. Hanischs Perfektionismus führte aber auch dazu, dass sich „Signale“ vom Look her durchaus mit Produktionen wie „Star Trek – The Original Series“ oder „Raumpatrouille Orion“ messen kann. „Und in der Raumpatrouille haben sie auch Bügeleisen benutzt“, so Badel. Inhaltlich konzentrierten sich die Filme sehr auf eine sozialistische Zukunftsgemeinschaft, wie der Kameramann erklärte – und seien deswegen teilweise nur schwer zu ertragen. „Staub der Sterne“ zum Beispiel könne er nur noch stumm sehen, weil er den belehrenden Ton ganz furchtbar fände. „Eolomea“ hingegen möge er, und der habe auch früher immer die Kinosäle gefüllt. „Der war fröhlich, keiner ist gestorben und er hatte einen Hauch von Partisanentum“, so Badel. Das sei bei den Zuschauern gut angekommen. Sarah Kugler