• Stadt für eine Nacht: Von Wasserschlachten und Rettungsbooten

Stadt für eine Nacht : Von Wasserschlachten und Rettungsbooten

Am 15. und 16. Juli geht das 24-Stunden-Festival „Stadt für eine Nacht“ in die achte Runde. PNN wagen eine kleine Vorausschau.

Leben in der Gasse.
Leben in der Gasse.

Potsdam - Niemand wusste, wie erfolgreich das Format sein würde. Als das 24-Stunden-Festival „Stadt für eine Nacht“ vor acht Jahren begann, wusste niemand, dass es zu einem sommerlichen Höhepunkt des Potsdamer Kulturlebens avancieren würde. Im Gegenteil, erzählt Birgit Katharine Seemann, Potsdams Fachbereichsleiterin für Kultur, bei der Vorstellung des diesjährigen Programms: Sie und Co-Gründer Tobias Wellemeyer brachten damals fürs Pressebild vorsichtshalber ihre Familien mit. Damit, so dachte man, das Ganze nicht so leer wirkt.

Acht Jahre später rechnet „Stadt für eine Nacht“ am 15. und 16. Juli wie in den vergangen Jahren auch mit etwa 25 000 Besuchern in 24 Stunden. Eine Erfolgsgeschichte für die Schiffbauergasse und deren Protagonisten. Umso erstaunlicher, dass Tobias Wellemeyer, den Seemann als den Spiritus Rector des Festivals beschreibt, sich bei der gestrigen Pressekonferenz entschuldigen ließ und stattdessen seine Pressereferentin Stefanie Eue aufs Podium schickte.

Lebenskrisen und persönliche Rettungsboote

Auch wenn so im Gruppenbild der sonst selten gemeinsam auftretenden künstlerischen Impulsgeber an der Schiffbauergasse eine merkliche Lücke klaffte – das präsentierte Programm hat es in sich. Zum zweiten Mal hat man sich für ein Motto entschieden, um die Ideen der beteiligten Bürger, Künstler, Vereine und Betriebe zu bündeln: „Wasser steht Kopf“ lautet es in diesem Jahr. Zu diesem Thema konnte im Frühjahr Vorschläge eingereicht werden, eine Jury wählte dann die 25 „Stadtbewohner“ aus, die in sogenannten „Raumkörpern“ – mit Folie bespannte Alurahmen, die individuell gestaltbar sind – ihre Projekte und Programme präsentieren werden.

Darunter einzelne Künstler wie die Märchenerzählerin Birgit Rachut, die seit dem zweiten Festivaljahr immer dabei war und ihren Raumkörper mit Büchern rund um das Thema Wasser ausstatten wird. Oder die Allianz am Schlaatz, die unter dem Titel „Schlaatzer Wildnis“ der Nuthe auf den Grund gehen will – und auch „Nuthe zum Mitnehmen“ angekündigt hat. Oder auch, in ganz anderer Ausrichtung, der Hospizdienst der Hoffbauerstiftung, der sich in dem Projekt „Fluss der Lebens“ mit Lebenskrisen und persönlichen Rettungsbooten auseinandersetzen wird. Im Thema Wasser stecken viele Themen. Natürlich auch die Frage nach der Verschmutzung dieses Lebenselixiers: Der Verein Cradle to Cradle deckt auf, welche Verbindung zwischen Turnschuhen und Wasserqualität besteht und was eine nachhaltige Wasserschlacht ist.

Rund 100 Programmpunkte in 2017

Einige „Bewohner“, wie der „Malomat“ von Heike Isenmann und dem Atelier Kunstgriff.23, sind bereits zu Klassikern des Festivals avanciert – bei anderen erstaunt es, dass sie nicht früher mit dabei waren: Das Filmmuseum feiert seine Festival-Premiere in einem Kino-Container – mit einem vom Studentenfilmfestival Sehsüchte zusammengestellten Programm zum Thema Tanz und Kino.

Mottogemäß wird das Festival sich auch erstmals mit einem neuen Spielort den Tiefen See erschließen. Geplant ist eine Kulturinsel, auf der Besucher sich mit Gedichten oder Musik selbst einbringen können. Auch das Theater Flunker-Produktionen wagt sich aufs Gewässer: Ihr neues Stück „Bestarium der Emotionen“ feiert auf einem Bühnen-Floß Premiere.

Neben den genannten Projekten der „Bewohner“ dürften auch dieses Jahr die weiteren rund 100 Programmpunkte für das beglückende Gefühl festivalgemäßer Überforderung sorgen. Ein Tag der offenen Tür in der fabrik, eine vom T-Werk eingeladene installative Performance im Schirrhof, musikalische Neuentdeckungen im Waschhaus, Theater und Lesungen im HOT: Alle werden zeigen, was sie am besten können – und was die Schiffbauergasse sein kann, wenn die Beteiligten ihre Kräfte zusammenraufen.

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