• Sommertheater in Potsdam mit der Oxymoron Dance Company

Sommertheater auf der Seebühne : Romantik für alle

Die Potsdamer Choreografin Anja Kozik will in „Venus Whisper“ Erotik spielerisch tanzen lassen. Premiere am Tiefen See ist heute.

Immer Botticelli nach. Choreografin Anja Kozik interessiert sich für Venus-Bilder. 
Immer Botticelli nach. Choreografin Anja Kozik interessiert sich für Venus-Bilder. Foto: Andreas Klaer

Das Gemälde von Sandro Botticelli zeigt sie in ihrer ganzen nackten Schönheit – die Venus, geboren in einer Muschel, nachdem sich Wasser und Himmel vereinigt hatten. Zephyr, Gott des Windes, und seine Ehefrau Chloris blasen die blutjunge Göttin der Liebe an Land, wo diese der Natur zu neuer Kraft verhilft, sie aufkeimen und erblühen lässt.

So in etwa lautet die Kurzversion aus der Mythologie. Die Regisseurin Anja Kozik und ihre Oxymoron Dance Company aus dem Waschhaus haben die Venus mit ihrer Geschichte für das Sommertheater an der Seebühne in ihr Zentrum geholt. Vom heutigen Freitag bis Sonntag vereinen zwei Tänzerinnen und ein Akrobat Choreografien aus dem zeitgenössischen Tanz und dem Urban Dance miteinander in drei Aufführungen des Stücks „Venus Whisper“ auf der Bühne am Tiefen See.

Teile der Choreografien sind bekannt, die Musik ist neu. Kozik hat den „Pocket Symphonies“ von 2016 neues Leben eingehaucht. Vor zwei Jahren hatte der Dresdner Komponist und Produzent Sven Helbig sinfonische Miniaturen für die „Pocket Symphonies“, die auch in der Schiffbauergasse aufgeführt wurden, gestaltet. In diesem Jahr sind Marcel Siegel und Christoph Kozik für die Musik zuständig. Beide werden ihr Zusammenspiel von akustischen und elektronischen Klängen auch selbst performen: Siegel am Kontrabass und Christoph Kozik am Synthesizer. Hinzu kommen wird Annegret Enderle mit ihrer Geige.

Was ist eigentlich Erotik?

Das Stück ist in elf Teile gegliedert, „kleine Kosmen“ nennt sie die Regisseurin. Mit „Venus Whisper“ möchte Kozik der Disziplinierung etwas entgegen setzen, sie sogar aufbrechen. Erotische Verspieltheit, wie sie etwa Venus verkörpert, sei in der heutigen Zeit kaum möglich, so Kozik. Man ist aufgefordert, sich zu beherrschen. Wobei sie mit erotischer Verspieltheit niemals meine, dass diese als Angebot zu verstehen ist, oder eine Konsequenz haben muss, fügt die 53-Jährige hinzu.

Und was ist eigentlich Erotik? Auf diese Frage hat wahrscheinlich jeder eine andere Antwort. Dass die Tänzerinnen – Raha Nejad ist Perserin und Luana Rossetti Italienerin – aus ganz verschiedenen Kulturkreisen kommen, ist da ein glücklicher Zufall. „Auf der Bühne haben sie eine gemeinsame Schnittmenge“, sagt Kozik. Der Tänzer und Akrobat Alessandro Di Sazio, der sonst auch im Varieté tanzt, wird sich mitunter in ihrer Mitte bewegen – aber auch hoch droben am chinesischen Mast, von dessen Spitze sich ein Zelt über der Bühne ausbreitet. „Hier entsteht eine neue Metaebene. Di Sazio schaut auf alle herunter“, sagt Kozik, die auch schon mehrfach tänzerische Passagen in Produktionen des Hans Otto Theaters choreografiert hat. Zuletzt war das von ihr fein gearbeitete tänzerische Liebesspiel zwischen Effi Briest und ihrem Liebhaber Krampas im Gasometer zu bewundern. 

Der große Moment, großes Glück – und dann nichts

Seit zwei Wochen proben die Tänzer. Für sie ist das Stück eine Herausforderung. Dass sie an ihre Grenzen geraten, ist Absicht. „Manchmal rufe ich: Versucht doch mal, es zu genießen“, erzählt die Regisseurin. Die Kraft in der Natur zu finden, Vertrauen in sich selbst zu haben – das ist es schließlich, was Venus bewirkt. In den elf Momentaufnahmen geht es vor allem um Begegnungen. Zwei fühlen sich zueinander hingezogen, dann kommt der große Moment, große Gefühle, großes Glück – und dann nichts. Es folgt Erschöpfung. Eine Frage macht die Leere noch quälender: Was passiert jetzt? Es muss doch weitergehen! Kozik hat auch die Schnelllebigkeit zum Thema gemacht. „Die Atemlosigkeit darf man auch auf der Bühne sehen“, sagt sie.

Die französische Multimedia-Künstlerin Cécile Wesolowski, die schon im Kunstraum des Waschhauses ausgestellt hat, wird mit ihren Projektionen den Bühnenraum gestalten. Muscheln und andere Elemente von Botticellis Venus tauchen bei ihr wieder auf. „Es wird viele romantische Bilder geben“, kündigt Kozik an. Diese sollen einladen, sich gemeinsam wohl zu fühlen. Sie findet es schade, dass alle so skeptisch miteinander umgehen. Romantik, sagt sie, ist eine Sehnsucht, die alle vereinen kann.

„Venus Whisper“, Premiere ist heute um 21 Uhr auf der Seebühne, Schiffbauergasse; weitere Aufführungen am 25. und 26. August, Einlass um 20 Uhr, Beginn je 21 Uhr

Weitere Informationen zur Oxymoron Dance Company finden Sie auf der Webseite des Waschhauses.