Kultur : „Signor Schlegeliano“

Von Potsdam nach Italien – Aquarelle und Zeichnungen von Julius Schlegel in den Römischen Bädern

Arkadien, eine Wunscherfüllungslandschaft, wurde zum Modell des irdischen Paradieses. Große Teile Italiens erklärten Künstler, Dichter und Musiker des 18. und 19. Jahrhunderts aus ganz Europa zu ihrem Arkadien. Auch heute hegen sie eine große Affinität zu diesem mediterranen Land, dazu kommen die Millionen Touristen, die alljährlich in Italien einschwärmen.

Könige erlebten das Land mitsamt ihren Künstlern oder schickten sie dorthin, damit sie ihre visuellen Eindrücke von der antiken Welt in der Heimat anwenden konnten – für Bauten, Parklandschaften und für die Malerei. Aus Potsdam reisten beispielsweise der Maler und erste Inspektor der Bildergalerie Sanssouci, Johann Gottlieb Puhlmann nach Rom, Kronprinz Friedrich Wilhelm (IV.) machte sich nach Italien auf, natürlich auch Karl Friedrich Schinkel, Ludwig Persius oder Julius Schlegel.

Doch wer war Julius Schlegel? Im Künstlerlexikon Thieme-Becker findet er mit wenigen Angaben nur eine kurze Erwähnung. In Potsdamer Übersichtskatalogen werden fast immer die selben drei getuschten Zeichnungen von der Bornstedter Kirche mit Krongut sowie der Bildstock am Ufer des Tiefen Sees im Park Babelsberg von ihm gezeigt. Nun stellt die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg in den Römischen Bädern im Park Sanssouci Julius Schlegel mit fast 70 Bildern vor. „Von Potsdam nach Italien“ wird diese charmant-liebenswerte Ausstellung genannt.

Evelyn Zimmermann, die Kuratorin , erzählt während der Pressebesichtigung, dass sie erst am Mittwoch nach langen Recherchen vom Archiv der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg das Sterbedatum Schlegels erfuhr. Es war der 8. Juni 1884. Spärlich sind die Nachrichten über das Leben des Künstlers, dessen zeichnerisches Werk sich in den Grafischen Sammlungen Sanssoucis befindet. Mit Hilfe des Domstiftsarchivs Brandenburg konnte auch das Geburtsdatum des Potsdamer Künstlers ausfindig gemacht werden: Es war der 20. September 1825. Sein Vater war der Rechnungsrat und Hauptmann Johann Emanuel Schlegel, die Mutter Friederike Sophie, Tochter des Potsdamer Bäckermeisters Möwis in der Brandenburger Straße.

Die Kuratorin beschäftigt sich intensiv mit Julius Schlegel seit der großen Jubiläumsausstellung über Friedrich Wilhelm IV. im Jahre 1995. Bei der Vorbereitung tauchte in der Plankammer immer wieder der Name Schlegel auf. Das Interesse war bei Evelyn Zimmermann geweckt. Auch mit den Ausstellungen zu den Italienreisen des Kronprinzen Friedrich Wilhelm, mit der umfangreichen Aquarellsammlung der Königin Elisabeth näherte sie sich Julius Schlegel an. Und so ist inzwischen die Sammlung des Künstlers in der Stiftungs-Plankammer wissenschaftlich aufgearbeitet.

Nach dem Studium der Akademie der Künste in Berlin bereiste Schlegel im Jahre 1847 für acht Jahre Italien. Begleiter war sein Potsdamer Zeichenlehrer Carl Gustav Wegener. Natürlich waren die beiden Künstler im Zeichnen sehr fleißig. In Venedig, Tivoli, Neapel, Amalfi, Assisi zeichneten und aquarellierten sie, am meisten aber in der „Ewigen Stadt“ Rom. Wegener blieb nur ein Jahr, Schlegel hingegen bis 1855. In Rom hielt er engen Kontakt zum Deutschen Künstlerverein.

Die Ausstellung in den Römischen Bädern macht mit eindrucksvollen Zeichnungen Schlegels aus Italien bekannt. Es sind zumeist genaue Darstellungen auch heute noch bekannter Stätten. Doch sind sie stets von einem extra Quäntchen romantischen Zeitgeistes durchdrungen. Auch die Bilder, die er von Potsdam schuf. Auf ihnen findet man die damals ganz aktuellen Bauten, die im italienischen Stil im Auftrag Friedrich Wilhelms IV. entstanden sind: das Belvedere auf dem Pfingstberg, die Orangerie im Park Sanssouci, die Friedenskirche, die Bornstedter Kirche, die Villa Illaire in Sanssouci. Immer sind die Gebäude in eine arkadische Landschaft hineingestellt, wo man auch mal einen Hirten mit einer Schafherde entdecken kann. Ganz im Sinne des Königs. Auch das Schloss Sanssouci zeichnete Schlegel, doch mit den Fontänen- und Palmen-Zutaten des „Romantikers auf dem Thron“. Zu ihm pflegte der Künstler gute Verbindungen. Er wurde sogar Hofmaler beim späteren Kaiser Friedrich III. und Zeichenlehrer von dessen Kindern. Auch Wilhelm II. unterrichtete er. Über Schlegel schrieb der Monarch, dass er sich deutlich an ihn erinnere, „eines verwachsenen Mannes, der viel in Italien geweilt hatte und in deutscher Schwärmerei nicht genug vom Lande der Sehnsucht erzählen konnte. Die Begeisterung trug ihm bei uns losen Knaben den Spitznamen ,Signor Schlegeliano“ ein.“

12. August bis 15. Oktober, Römische Bäder, Di-So 10-17 Uhr, Katalog 9,80 Euro

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