• Shakespeare-Premiere am Potsdamer HOT: Othello

Shakespeare-Premiere am HOT : Othello zu Besuch aus Neuss

Nach einer Romanadaption, einem Brecht-Stück und zeitgenössischen Texten wird der Spielzeitauftakt von Bettina Jahnke mit einem Klassiker jetzt rund. „Othello“ ist eine Übernahme aus Neuss. Am Samstag ist Potsdam-Premiere.

Lena Schneider
Andreas Spaniol kam mit Bettina Jahnke aus Neuss nach Potsdam. Dort spielte er den Othello - und jetzt auch am Hans Otto Theater.
Andreas Spaniol kam mit Bettina Jahnke aus Neuss nach Potsdam. Dort spielte er den Othello - und jetzt auch am Hans Otto Theater.Foto: Thomas M. Jauk

Eigentlich sollte dieses Stück „Jago“ heißen, schrieb die lokale Presse über den „Othello“, den Mario Holetzeck im März 2018 in Neuss inszenierte. Jago, der Strippenzieher, vereine auf grandiose Weise in sich verschiedenste Shakespeare-Figuren: den Narren, den Despoten, den Elfenkönig Oberon. Gespielt hat diesen Tausendsassa in Neuss Michael Meissner. Den Titelhelden gab dort Andreas Spaniol – den Bettina Jahnke als einen von drei Schauspielern aus Neuss mit ans Hans Otto Theater brachte.

Moritz von Treuenfels spielt Cassio

Den „Othello“ hat Bettina Jahnke ebenfalls mit nach Potsdam gebracht: Am Samstag ist die hiesige Premiere. Auch Joachim Berger braucht seinen Text nicht neu zu lernen: Er, ebenfalls neu im Potsdamer Ensemble, spielte in Neuss bereits den Dogen, in Potsdam bleibt es dabei. Der vielgelobte Michael Meissner, seit dem Weggang Jahnkes aus Neuss freiberuflich tätig, reist als Gast für die Inszenierung an. Gespannt darf man auf Moritz von Treuenfels als Cassio zu sein – als jener Offizier, der Othello in eine solch wutschäumende Eifersucht versetzt, dass er schlussendlich dafür seine Frau Desdemona ermordet.

Der Regisseur hat in Brandenburg ein Heimspiel

Der Regisseur Mario Holetzeck hat mit dem Gastauftritt in Potsdam eine Art Heimspiel: Er war zwischen 2008 und 2017 Schauspielchef im nahen Cottbus und stemmte dort über 30 Inszenierungen. Sein Weggang stieß 2017 auf großen Widerstand im Ensemble, seitdem arbeitet er frei. In seinem „Othello“ hat er nun die Besetzungsliste um rund ein Fünftel der bei Shakespeare genannten Rollen gekürzt: Holetzeck kommt mit sechs aus. Auch die Übersetzung des Dramatikers Marius von Mayenburg verspricht einige Verknappung – das zeigte unter anderem dessen sprachlich entkernte „Hamlet“-Übertragung, mit der Thomas Ostermeier seit 2008 durch die Welt tourt. 

++++++++++++

„Othello“, Potsdam-Premiere am Samstag, 27. Oktober um 19.30 Uhr im Großen Haus des Hans Otto Theaters