Kultur : Schwarze Kassen in Grün und Rot

Schatullrechnungen König Friedrich II. ausgewertet und online gestellt

Eigenhändige Rechnung Friedrichs des Großen. In den Archivordner für das Jahr 1748 eingeordnet.
Eigenhändige Rechnung Friedrichs des Großen. In den Archivordner für das Jahr 1748 eingeordnet.Foto: Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

Als Kronprinz Friedrich seinen Vater, den „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I., als Fünfzehnjähriger 1728 zu einem Staatsbesuch nach Sachsen begleitete, stellte er in Dresden fest, dass dort viel Glanz und Heiterkeit verbreitet sei. Dagegen seien die Residenzstädte seiner Heimat, Berlin und Potsdam, ärmlich und vom rigiden Sparen betroffen.

Nein, so arm wie beim Vater sollte es nicht sein, wenn er auf den Thron kommt. Auf alle Fälle wollte er nicht mehr mit einer zweizinkigen Stahlgabel, die einer Waffe ähnelt, speisen, sondern mit einer silbernen. Kulturvoller als bei Friedrich Wilhelm ging es dann bekanntlich bei dem Sohn zu, vor allem was die schönen Künste betraf. Die Hofstaatskasse wollte aber auch er nicht allzu sehr strapazieren. In diesen Dingen blieb ihm sein Vater Vorbild. Obwohl jener bei der Beschaffung seines Lieblingsspielzeugs, der „Langen Kerls“, nicht gerade zurückhaltend im Geldausgeben war.

Die Geschichtsschreibung und manche Legende sprachen immer wieder vom sparsamen, ja vom knauserigen Friedrich dem Großen. Doch ein König zur Rokokozeit musste wegen der Repräsentation auch kunstvolle Schlösser bauen, versehen mit edler Innenausstattung. Aber dies hatte der Staat zu zahlen. Vieles beglich Friedrich dennoch aus der Privatkasse, aus seiner „Schatulle“. Irgendwie ist das irreführend, denn wann war ein König von Preußen schon privat? Kam beispielsweise seine Schwester Ulrike, die Königin von Schweden war, nach Potsdam, so hatte dieser Besuch politischen Charakter, aber auch privat-familiären.

Die Schatullrechnungen Friedrichs II. hat man nun unter die Lupe genommen. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten haben in Kooperation mit dem Geheimen Staatsarchiv zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz und in Zusammenarbeit mit perspectivia. net der Stiftung Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland die „Kontoauszüge“ durchforscht, digital erschlossen und auf der Online-Publikations-Plattform www. perspectivia.net veröffentlicht. Jeder Datensatz enthält das eingescannte Original sowie dessen Transkription. Mit Hilfe der Suchfunktion können einzelne Ausgabenposten anhand von Schlagwörtern gezielt herausgefiltert werden. Dieses Projekt wurde gestern der Presse im Schloss Charlottenburg vorgestellt. Es ist Teil der Vorbereitungen zur großen Ausstellung „Friederisiko. Friedrich der Große“ zum 300. Geburtstag des Königs im kommenden Jahr im Neuen Palais.

Ab sofort kann also jeder Interessent nachschauen, wie viel Taler der König für diese oder jene Annehmlichkeit, für manchen persönlichen Luxus ausgab. 20 000 Einzelposten aus den Jahren 1742 bis zum Todesjahr des Königs 1786 umfassen die 41 Mappen, die im Staatsarchiv aufbewahrt werden. Für jedes Jahr eine, mit je vier bis 63 Blätter.

Dass nun jeder in seinen privaten „Kontoauszügen“ schmökern kann, hätte Friedrich vermutlich nicht besonders witzig gefunden, sagte der Historiker Ralf Zimmer von der Stiftung Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute. Nur wenige Vertraute kannten die „Kontoauszüge“, denn ihr Bekanntwerden hätte Hochverrat bedeutet. So waren der Geheime Kämmerer Fredersdorff oder der Hofstaatsrentmeister und Trésorier Buchholtz in die Schatull-Rechnungsführung einbezogen.

200 000 Reichstaler gab Friedrich der Große beispielsweise 1750 aus, im Todesjahr nur 30 840 Taler. An seine persönlichen Vorlieben machte er keinerlei Abstriche. So legte er viel Wert auf gute Kosmetik. Rosenwasser und Orangenpuder mussten sein. Für seine Windspiele ließ der König „ein Kleid für den kleinen Hund“ als Kälteschutz anfertigen. Natürlich durfte auch guter und teurer Wein sowie Champagner nicht fehlen. Für frisches Obst wie Melonen oder Kirschen, auch im Winter, hat Friedrich sich nicht lumpen lassen. Und für Künstler, die er an seinen Hof binden wollte, legte er aus seiner Privatschatulle zu den vereinbarten Gagen noch ein Paar Extra-Taler hinzu. Auch die Verwandten des Königs konnten mit manch Unterstützung rechnen, vor allem auf Reisen oder in Form von Geschenken.

Friedrich führte neben der genau geführten Schatullkasse auch noch „schwarze Kassen“, die bei ihm mit den Farben Rot und Grün bezeichnet wurden. Daraus zahlte er dann besonders wertvolle Dinge, beispielsweise seine geliebten Tabatieren. Aber diese „schwarzen Kassen“ sollen noch genauer geprüft werden. Da sind die heutigen „Buchhalter“ jedenfalls fleißig zugange, die von perspectivia. net und vom Geheimen Staatsarchiv.