Kultur : Schutzbedürftig und schön

Die Landschaftsbilder von Rosemarie Steinbach thematisieren die Vielfalt und die Fragilität der Erde

Andrea Lütkewitz
Kühl und vergänglich.
Kühl und vergänglich.

Was Bäume, Pflanzen oder Gewässer überall auf der Erde eint, ist nicht nur ihre Schönheit – es ist auch ihre Verletzlichkeit. Wenn Rosemarie Steinbach Natur in ihren Bildern abbildet, dann denkt sie oft daran, dass das, was sie festhält, durch Umweltverschmutzung oder den Klimawandel bedroht ist. Mit der Auswahl ihrer insgesamt 45 Aquarelle, Pastelle und Acrylmalereien, die aktuell im Rathaus Potsdam ausgestellt sind, will sie daran erinnern: „Ich möchte die Schönheit unserer Erde zeigen – und ihre Schutzbedürftigkeit“, sagt sie.

Es ist nicht selbstverständlich für Rosemarie Steinbach, die Welt zu bereisen – auch das spielt eine Rolle in der Schau. „Ich wollte zeigen, welche Möglichkeiten nach dem Wegfall der Mauer für mich bestehen, überall auf der Welt zu malen“, sagt sie. „Fenster zum Himmel – Türen zur Welt“ hat sie die Retrospektive deshalb genannt. 1937 in Sachsen geboren, lebt sie rund 25 Jahre als Lehrerin in Thüringen und seit nunmehr 30 Jahren in Potsdam, wo sie unter anderem von 1991 bis 2002 als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität gearbeitet hat. Island, Spanien oder die Seychellen werden erst nach 1989 zu ihren Inspirationsquellen.

Vor allem kontrastreich begegnen der Betrachterin die Motive auf dem Flur des Rathauses. Pastelle und Aquarelle fangen in zarten Farben die Leichtigkeit des Frühlings und Sommers ein, in Landschaften, Ortsbildern, Blumen und Blüten. Grün, Gelb, Blau und Rot überwiegen hier. Malt sie Potsdam, überwiegen oft Grün und Blau, auch in dunkleren Nuancen und in winterlicher Stimmung. „Wasser und viel Grün sind für mich charakteristisch für Potsdam“, sagt sie.

Bei den eher kalten Farben bleibt die Malerin auch, wenn sie sich Island, Grönland oder auch der rauen Natur Brandenburgs widmet. Hier gewinnen ihre Acrylmalereien durch in mehreren Schichten aufgetragene Farben an Tiefe. Dabei experimentiert sie mit dem Entfernen oder Übermalen bereits aufgetragener Farbe. Das Gewicht, das die Bilder durch diese Technik erreichen, passt zu den Motiven: Eisberge, Wasserfälle oder Moor- und Sumpflandschaften. Durchbrochen werden die Landschafts- und Ortsbilder an einer Stelle mit Bildern von – ja! – gemalten Katzen.

Am Ende des Besuchs ahnt man dennoch sehr gut, wie Steinbach die Sache mit der Selbstverständlichkeit meint. Ganz abgesehen davon, dass jeder Sommer endet und ihre Aquarelle in jenem Moment zum Sehnsuchtsort werden, wer weiß schon, was etwa aus den „Eisbergen im Wasser“, gemalt 2014 in Island, geworden ist? Gibt es sie noch? Und wie ist es mit Potsdam? Szenen, die sie vor ein paar Jahren in der Stadtmitte festhielt, sind heute so vielleicht nicht mehr wiederzufinden, Gebäude verschwinden oder kommen hinzu.

Schließlich ist auch die Vielzahl der Orte, die Rosemarie Steinbach zum Malen inspiriert haben, schlichtweg erstaunlich. Und diese Vielfalt an Orten und Motiven wird noch wachsen: Momentan reist die Seniorin durch Schweden, Norwegen und Finnland bis hin zum Nordkap. Kehrt sie nach Potsdam zurück, hat sich dort vielleicht schon wieder vieles verändert. Zum Malen hat sie zwar während der Reise keine Zeit – doch Fotos und ihre Erinnerungen werden ihr dann als Vorlagen für ihre nächsten Acrylbilder dienen. Andrea Lütkewitz

„Fenster zum Himmel – Türen zur Welt“, zu sehen bis 8. September im Oberbürgermeisterflur des Potsdamer Rathauses, Friedrich-Ebert-Straße 79–81

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