• Schulprogramm der Lit:Potsdam: Literatur trotz Corona

Schulprogramm der Lit:Potsdam : Literatur trotz Corona

Das Schulprogramm des Literaturfestivals Lit:Potsdam hat trotz Corona im Sommer stattgefunden. Wie es angesichts steigender Zahlen weitergeht, ist noch offen.

Andrea Lütkewitz
Micha Wildenhain bei einer Veranstaltung im Park Babelsberg.
Micha Wildenhain bei einer Veranstaltung im Park Babelsberg.Foto: litpotsdam/promo

Potsdam - Martin Klein ist niemand, der schnell aufgibt. Als im Frühjahr coronabedingt das öffentliche Leben in Potsdam stillstand, sah es so aus, als müsse auch das von ihm organisierte Kinder- und Jugendprogramm des Literaturfestivals Lit:potsdam mit öffentlichen Veranstaltungen und Lesungen in Schulen gänzlich ausfallen. Doch als im August der reguläre Unterricht wieder stattfinden konnte, tat er alles, um das zu verhindern. 

Sebastian Lehmann mit Schülern der Da-Vinci-Gesamtschule.
Sebastian Lehmann mit Schülern der Da-Vinci-Gesamtschule.Foto: litpotsdam/promo

Ein Programm für junge Menschen ist fester Bestandteil des Lit:Potsdam. Für das Festival holt Klein seit 2015 jedes Jahr Schriftsteller für Kinder- und Jugendlesungen in die Stadt. Darunter waren bislang zum Beispiel „Sams“-Autor Paul Maar oder Ursula Poznanski, die für ihren Roman „Erebos“ 2011 den Deutschen Jugendliteraturpreis erhielt. 2019 erlebten rund 1300 Schüler derartige Lesungen. Von Grundschulen bis Abiturklassen ist stets jede Schulform dabei.

Arbeit an Schulen trotz Corona? Jetzt erst recht.

Spannende und schöne Erfahrungen mit Literatur zu ermöglichen, ist für Klein eine Herzensangelegenheit - ist er doch selbst Autor von Büchern für Heranwachsende, die mittlerweile in weiteren 25 Ländern verlegt werden. Als der Schulbetrieb wieder losging, stand deshalb für ihn fest: Jetzt erst recht. Weil junge Menschen in Zeiten wie diesen gute Geschichten und gemeinsame positive Erlebnisse brauchen, wie er sagt.

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Es ist seinem Optimismus zu verdanken, dass nach dem Lockdown bis jetzt doch noch Veranstaltungen seit August stattfinden konnten, und noch weitere bis November folgen sollen. „Ich war wild entschlossen, im Alleingang alles zu versuchen, das Programm nachzuholen“, sagt er. Eigentlich waren für Mai und Juni 30 Lesungen an 19 Schulen in Potsdam und angrenzenden Gemeinden geplant.

17 Veranstaltungen fanden statt - oft im Freien

Klein nahm also erneut zu Schulen und Autoren Kontakt auf, trotz Bedenken, wegen des erschwerten Schulbetriebs unter Corona-Auflagen auf Ablehnung zu stoßen. Doch das war zu seiner Überraschung nicht der Fall: „Die Schulen sind froh über diese Angebote für ihre Schüler.“ Auch, dass Einrichtungen und Autoren eigenständig zueinander finden mussten, sei kein Problem gewesen. 

Und so gab es inzwischen 17 Veranstaltungen, darunter eine Lesung mit Poetry Slammer Sebastian Lehmann (bekannt unter anderem durch Bühnenshows mit Marc-Uwe Kling) an der Da-Vinci-Gesamtschule in Bornstedt und eine Lesung mit Martin Klein selbst an der Wilhelm-von-Türk-Förderschule am Schlaatz, die für Gehörgeschädigte in Gebärdensprache übersetzt wurde. Wo es möglich war, fand das Programm im Freien statt.

Lesen Jugendliche in Corona-Zeiten mehr? Nein.

Dass sich die Literatur stets „unbedingt zur Zielgruppe hinbewegen muss, also in die Schulen“, davon ist Klein überzeugt. Angesichts wegfallender Kulturangebote vielleicht mehr denn je. Zudem sind Autoren von Kinder- und Jugendbüchern oft namentlich nicht so prominent wie die Kollegen der Erwachsenenliteratur und Lesungen viel spärlicher besucht.

Und auch auf die Frage, ob in Zeiten von Kontaktbeschränkungen Kinder und Jugendliche mehr lesen, antwortet Klein eher nüchtern mit einem Nein. „Sie schauen - wie wir Erwachsenen bestimmt auch - eher auf Bildschirme.“ Aber, da ist er sich sicher, gehört das Erleben von Geschichten in Gemeinschaft zu den prägenden Erfahrungen eines Menschen, bei dem die unmittelbare gemeinsame Reflexion der Literatur eine wesentliche Rolle spielt.

Ob es im Herbst weitergehen kann, ist offen

Ob aber angesichts der aktuell steigenden Infiziertenzahlen das gerettete Programm noch zuende geführt werden kann, ist ungewiss. Aktuell ist offen, ob Boris Pfeiffer, Autor der „Die drei ???“-Buchreihe, und der Potsdamer Autor Sven Stricker ihre Besuche in verschiedenen Schulen noch antreten können. Feste Termine sind deshalb bislang auch noch nicht öffentlich bekannt. 

Laut Martin Klein besteht bei Ausfall aber die Möglichkeit, die beiden Autoren vielleicht im nächsten Jahr zu Gast zu haben, denn die Planungen für das Lit:potsdam beginnen in Kürze - in der Hoffnung, dass auch 2021 Veranstaltungen trotz Pandemie möglich sind.

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