• Schreibende Schüler und Silberdisteln 15 Jahre Brandenburger Literatur-Kollegium

Kultur : Schreibende Schüler und Silberdisteln 15 Jahre Brandenburger Literatur-Kollegium

Astrid Priebs-Tröger

„Silberdistel“ heißt eine Lyrikanthologie, die vom Literatur-Kollegium Brandenburg seit 1996 bereits zum sechsten Mal herausgegeben worden ist. Erhard Scherner (76), Germanist und Poet hat im Vorwort dazu geschrieben: „Silberdistel, gute, freundliche, Strahlauge, Eberwurz, Königin Ungekrönt, heimliches Oberhaupt, aber doch Distel, zwischen Büchern und Briefen stehst Du im irdenen Krug, Silberdistel ohne Durst und Tod.“

Diese wenigen Worte verraten einiges vom Selbstverständnis des Literatur-Kollegiums Brandenburg. Das im Dezember 1990 im ehemaligen Haus der Künstler und Architekten „Eduard Claudius“ in Potsdam von 18 Gründungsmitgliedern aus der Taufe gehoben wurde. Zu den Mitstreitern zählen nun nach 15 Jahren über 100 Schriftsteller, Regisseure, Journalisten, Germanisten, Übersetzer und andere, am Wort interessierte Menschen, die im Land Brandenburg leben und arbeiten. Unter ihnen bekannte Namen wie Gisela Karau, Christa Kozik, Rolf Losansky, Walter Flegel und Manfred Richter.

Am vergangenen Freitag trafen sich viele von ihnen im Potsdamer Alten Rathaus, um diesen Geburtstag würdig zu begehen und die ersten fünfzehn Jahre im „neuen“ Land Brandenburg Revue passieren zu lassen. Die meisten sind ein großes Stück Wegs miteinander gegangen, der Ton ist familiär und nicht wenige Haarschöpfe silbrig oder weiß. So erzählte der Schriftsteller Till Sailer, der von 1991 bis “93, in diesen, für viele Autoren wirren Wendejahren, eine ABM beim Verein hatte: „Es war ein bisschen wie nach Kriegsende.“

Sailer setzte sich als eine Art „Sozialarbeiter für Autoren“ für die sozialen Belange seiner Kollegen ein und fand erst mal heraus, wer jetzt wovon seinen Lebensunterhalt bestritt. Man versuchte, nicht zu jammern und nach vorn zu schauen: „Aber wo war vorn?“ Frau Prof. Marianne Schmidt, seine ehemalige Lehrerin am Literaturinstitut „Johannes R. Becher“ in Leipzig, damals Gründungsmutter und heute betagtes Ehrenmitglied, sagte dann ebenfalls, „dass die Notwendigkeit, sich zusammenzufinden und ein rettendes Gespräch gegen die Vereinsamung zu führen“ im Vordergrund des Zusammenschlusses stand. Und sie betonte auch, dass man trotz Hindernissen und Schwierigkeiten – fünf Quartiere und sechs Vorsitzende – gewachsen sei und sich einen Namen gemacht hätte.

Auch Manfred Richter (Jahrgang 1929), Mitherausgeber der Literaturzeitschrift „Schriftzüge“, die sich in den Fußstapfen der „ndl“ sieht, hob hervor, dass das Kollegium kein x-beliebiger Verein sei, der sich mit Literatur beschäftige, sondern sich in der Verantwortung für die Menschen hier im Land sähe. Deutlich dessen Engagement im Hinblick auf Kinder und Jugendliche: Seit 1996 gibt es den, in Bad Freienwalde gegründeten Verein „Schreibende Schüler im Land Brandenburg“, der ein direkter Nachfolger des 1974, von den Kinderbuchautoren Hans Weber und Siegfried Schuhmacher ins Leben gerufenen ist.

Und so mischte sich auch die erst 18-jährige Berliner Abiturientin Gerda Thürling mit kurzen Gedichten unter den Kreis der älteren Vortragenden, etwas verhalten noch, aber kraftvoll in ihrer Suche nach Form. Autoren wie Maik Altenburg aus Frankfurt/Oder, Dr. Ulrike Liedtke aus Rheinsberg und Christa Kozik aus Potsdam trugen gemeinsam zu einer kurzweiligen Lesung bei. Felix Nowak, als Vertreter des Brandenburgischen Kulturministeriums konnte dann noch die frohe Botschaft verkünden, dass die Förderung auch 2006 gesichert sei, damit das Literatur-Kollegium weiter die Autoren und Leser des Brandenburger Landes zusammenbringen und die Literaturlandschaft zum Blühen bringen könne. Mit zarten Knospen und ausdauernden Silberdisteln. Astrid Priebs-Tröger

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