Kultur : Schaukeln im Himmel der Träume

Ausstellung des Kik e.V. im Bürgerhaus am Schlaatz

Astrid Priebs-Tröger

Ausstellung des Kik e.V. im Bürgerhaus am Schlaatz Ihre farbenfrohen Bilder tragen Titel wie „Mein Traumhaus in Italien“, „Nur noch Hemden von Lacoste“ oder „Rote Rosen soll es regnen“. Darauf sind mit leuchtenden Acrylfarben, mit Leichtigkeit und großer Kraft ihre Wünsche, Visionen und Träume dargestellt. Ganz „normale", von Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 18. Meint der Betrachter beim ersten Hinschauen. Doch da gibt es noch diesen 20-minütigen Videofilm (Regie: Amina Gusner), der im Bürgerhaus am Schlaatz Premiere hatte. Mehr als 40 Jugendliche kamen, um sich selbst ein Bild darüber zu machen, was ihre Freunde und Mitschüler aus dem sozialen Trainingsjahr bei Globus und Bus e. V. und dem Internationalen Bund in den letzten vier Wochen mit den Kik-Künstlerinnen Dorothea Neumann und Inken Gusner auf die Beine stellten. Unter dem Projekttitel „Money makes the world go round“ versuchten sie herauszufinden, „ob Geld wirklich glücklich macht“ und „wovon sie träumen“. Allen Beteiligten ging es darum, „Lebenspläne zu konkretisieren“, sagte die Malerin Dorothea Neumann und sie bescheinigte den Teilnehmern „Durchhaltevermögen bei dem Kunstprojekt“ und wünschte ihnen „dass sie alle ihre Träume verwirklichen können und sie die Ausdauer und die Kraft dazu haben“. Und warum das gar nicht so einfach ist, zeigte dann der Film. Die jungen Leute, alle um 1989 herum geboren, hatten es nicht leicht in ihrem bisherigen Leben. Viele von ihnen haben keinen Schulabschluss und kommen aus zerrütteten Familienverhältnissen. Im Film erzählen Steffi, Melanie, Vivien und René davon mit großer Offenheit: „Ich bin ohne Vater aufgewachsen“, „der hat sich nie um mich gekümmert“, „Ich hoffe, dass ich nicht irgendwann obdachlos werde“ und „Warum bin ich eigentlich auf dieser Welt?“ Doch sie sind nicht in der Opferrolle, sehen sich als Gestalter: „Da werden die Ärmel hochjekrempelt und dann jeht es ...“, meint die alleinerziehende minderjährige Mutter Melanie und sie weiß auch, „dass es das Schönste ist, wenn meine Kleene mich anlacht.“ In dem, vom Fonds Soziokultur geförderten Kunstprojekt sind sie sich und ihren Wünschen übers Malen nahe gekommen. Sie haben sich inspirieren lassen von den Farben und Materialien im Atelier von Dorothea Neumann und so hat der 18-jährige Marcel sein „Traumhaus im Süden“ in erdigen Farbtönen sehr organisch in eine südliche Landschaft gestellt, nachdem er sich vorher intensiv den französischen Impressionisten Cézanne angeschaut hatte. Andere ließen ihrer Phantasie freien Lauf und zeichneten ihr Inneres, seien es sehr farbige und lichte Formen und Kleckse bei „Mein freudiges Leben“ der 17-jährigen Stefanie oder der Eiffelturm auf „Einmal nach Paris“ von Markus, ebenfalls 17. Die Künstlerinnen waren selbst überrascht von den vielfältigen und interessanten Ideen und deren malerischer Umsetzung und Inken Gusner stellte während der Arbeit schnell fest, „dass alles da ist und wir nur beim Freilegen helfen.“ Und wer so ein farbenfrohes, leuchtendes Bild von seiner Zukunft hat wie die 16-jährige Stephanie, wird es schaffen, „in den Himmel seiner Träume zu schaukeln“, trotz allen Gegenwinds.Astrid Priebs-Tröger Bürgerhaus am Schlaatz, Mo-Sa, 8-19 Uhr, bis Ende November.

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