• Schau „Keine Politik“: Rechenzentrum: Romantik und Wut

Schau „Keine Politik“ : Rechenzentrum: Romantik und Wut

Richard Rabensaat
Seelenlandschaften. Nadine Conrads Bild „Abend“.
Seelenlandschaften. Nadine Conrads Bild „Abend“.Foto: (Ausschnitt) Andreas Klaer

Potsdam - Um die Kunst gehe es ihm, nur um die Kunst, beteuert Allan Paul. Daher auch der Titel der Ausstellung von Allan Paul und Nadine Conrad im Kunsthaus Rechenzentrum: „Keine Religion, keine Politik, nur Kunst“. Über den Titel hätten sich so einige aus dem Haus aufgeregt, sagt Allan Paul. Denn schließlich finde die Ausstellung ja nicht irgendwo in Potsdam statt, sondern gerade im Rechenzentrum, einem hochpolitischen Ort.

Denn in unmittelbarer Nachbarschaft soll bald der Glockenturm der Potsdamer Garnisonskirche wiedererstehen. Möglicherweise irgendwann auch das Kirchenschiff. Dann müsste das Kunsthaus weichen. Oder auch nicht. „Es werden Szenarien überprüft, wie es auch nach 2018 weitergehen kann. Dazu wird es ein Ideenlabor, einen Workshop geben“, sagt Anja Engel, die Geschäftsführerin des Rechenzentrums. Die Stadt Potsdam habe zudem einen sechsstelligen Betrag in Aussicht gestellt, damit sich der Bau des Glockenturms mit dem Weiterbestehen des Kunsthauses verbinden lasse. Aber der gegenwärtige Nutzungsvertrag laufe trotzdem im Jahr 2018 aus. Das Weiterbestehen des Kunsthauses ist also nicht gesichert.

Gelegentlich wird die Malerei Allan Pauls mit dem Messer wieder zerstört - von ihm selbst

In so einer Situation sich ganz aus der politischen Diskussion um das Haus zu verabschieden sei unverantwortlich, meint Allan Paul. So hätten sich einige im Kunsthaus geäußert, erklärt der 42-Jährige. Aber so sei er nun einmal: In politische Debatten wolle er sich nicht einmischen, ihm gehe es um die reine Kunst. Das ist natürlich auch ein deutliches politisches Statement, nämlich ein starkes Ausrufezeichen für die Wichtigkeit der Kunst und die Kunstfreiheit und die Notwendigkeit, eben diese zu schaffen und dafür Räume zur Verfügung zu stellen. Die Bilder von Paul künden von der Freude am Malprozess und dem Willen, auf jeden Fall expressive, ehrliche, und im Fall von Paul dann auch heftige Malerei zu schaffen. „Von der Liebe“, „Kopfmüll“, „Langeweile“, „Geile Zeit“, „In die Fresse“ sind die Titel.

Damit intoniert der Künstler, was ihn beschäftigt und zeigt dieses auf der Leinwand. Mit eruptiver Malerei, die er gelegentlich mit dem Messer wieder zerstört. Es finden sich einige mit langen Schnitten aufgeritzte Bilder in der Ausstellung. „Schmerz“ zeigt einen Frauenkörper, in dessen Mitte sich eine rote, ovale Form findet, darunter zwei Föten ähnelnde Formen. Er lebe getrennt von der Frau, mit der er zwei Kinder habe, sagt der Maler, das spiegele sich in dem Bild wider.

Winterlandschaft in geisterhaftem Licht 

Während Allan Paul mit abstraktem Strich Innerlichkeit zu veräußern sucht, zeigt die 34-jährige Nadine Conrad Landschaften. Die bilden Äußeres ab und sind doch Seelenlandschaften. „Abend“ ist der Titel eines Bildes, das nach einer Silvesternacht entstanden sei, die sie im Elbsandstein Gebirge, in der freien Natur verbracht habe, sagt Conrad. Die mit feinem Pinsel gemalte Landschaft zeigt das Bild einer von geisterhaftem Licht erleuchteten Winterlandschaft. Ein einsamer, kahler Baum ragt in der Mitte des Bildes empor, nicht unähnlich den Kompositionen des Romantikers Caspar David Friedrich. „Hinter Glas“ heißt ein anderes Bild von einer Frau, die wie durch eine Glasscheibe schaut, von der Welt wie durch eine Milchglasscheibe getrennt ist.

Nadine Conrad arbeitet als Illustratorin. Ihre Malerei zeige, dass sie mit gezielt gesetzter Komposition und malerischem Geschick ihre inneren Bilder zu visualisieren versteht. Einige der Bilder sind Gemeinschaftsarbeiten. Da prallen dann ungestümes malerisches Temperament und feine Innerlichkeit aufeinander und verbinden sich doch zu einem Ganzen. 

„Keine Religion, keine Politik, nur Kunst“, bis 30. Dezember dienstags bis samstags im Rechenzentrum, Dortustraße 46