• Im Potsdamer Nikolaisaal wurde der Saisonaufkakt mit dem Filmorchester Babelsberg und einer Krimi-Gala gefeiert

Saisonauftakt im Nikolaisaal mit Filmorchester : Krimi ohne Ende

Der Nikolaisaal feiert furios den Auftakt der neuen Saison – die letzte, die Andrea Palent konzipierte. Das Filmorchester Babelsberg gibt Krimi-Musik und erntet stehende Ovationen

Oliver Dietrich
Spannungsmeister. Bei der großen Gala der Krimi-Filmmusik spielte das Filmorchester, dabei unten anderem Rechtsmediziner Knut Albrecht, Dirigent Robert Reimer und Moderator Knut Elstermann (v. l.).
Spannungsmeister. Bei der großen Gala der Krimi-Filmmusik spielte das Filmorchester, dabei unten anderem Rechtsmediziner Knut...Manfred Thomas

Applaus, Lachen und immer wieder Standing Ovations: Am Samstagabend wurde die neue Saison im Nikolaisaal eröffnet, mit einer großen Gala der Krimi-Filmmusik, flankiert von einem zünftigen Straßenfest vor den Toren des Gebäudes – ein furioses Fest, das darf man so sagen. Ein Auftakt, der aber gleichzeitig auch Jubiläen und Abschiede feierte: den 100. Geburtstag des Babelsberger Filmorchesters etwa. Aber auch den zaghaften Abschied der Frau, die dem Nikolaisaal 19 Jahre lang ein Gesicht gegeben hat. Die lange „Saison“ von Andrea Palent geht zu Ende – in Zukunft sitzt sie auf der anderen Seite. Die Programmleitung des Nikolaisaals übernimmt am 1. September Michael Dühn. „Das ist ein Moment, den ich nie vergessen werde“, sagt Palent an dem Abend, der die letzte von ihr gestaltete Spielzeit einläutet. Im Nikolaisaal sicherlich auch niemand. 

Und schon geht sie los, die Krimi-Gala, und zwar mit der Titelmelodie des Klassikers der sonntäglichen Fernsehunterhaltung: die „Tatort“-Titelmelodie, komponiert von Klaus Doldinger, in deren Originalaufnahme der junge Udo Lindenberg damals das Schlagzeug eingespielt hat. Filmprofi Knut Elstermann, der mit seiner unverwechselbar entspannten Art durch den Abend führte, hat mit Doldinger schon darüber geredet: „Natürlich ist es schön, wenn man jeden Sonntagabend gespielt wird“, habe er gesagt. Aber bezahlt sei er nur einmal worden.

Fiktion und Realität mit Rechtsmediziner und Hitchcock

Krimi wäre ja nicht Krimi, wenn man nicht mal die Fiktion der Realität gegenüberstellen würde: Professor Knut Albrecht ist seit Januar der Leiter des brandenburgischen Institutes für Rechtsmedizin – und am Samstag Überraschungsgast im Nikolaisaal. Musik hören beim Sezieren? Nee, das gebe es nur im Fernsehen. Überhaupt – und das sollte keine Überraschung sein – sei der Job des Rechtsmediziners im TV grandios überspitzt und in Wahrheit viel trockener. 
Belohnt wird Albrechts Kurzauftritt mit dem Thema, das „uns allen die Freude am Duschen genommen hat“ (Elstermann): Dem Hitchcock-Klassiker „Psycho“, aus dem musikalischen Kanon der Kinogeschichte nicht mehr wegzudenken. Vor der Pause dann noch die Kurve zum amerikanischen Kino der 1970er-Jahre: „The French Connection“ ist immer noch erstaunlich präsent, und wird vom Filmorchester unter Leitung von Robert Reimer grandios interpretiert. Und die markige Melodie von „Shaft“ macht klar, wo sich Tarantino zwanzig Jahre später noch musikalisch bediente: ein cooles Stück aus der Feder von Isaac Hayes und J. J. Johnson. Dann erst einmal raus, in die Pause, auf die volle Wilhelm-Staab-Straße, wo Django Lassi gerade sommerlichen Gypsy-Swing spielen. Kurz getanzt – dann geht es noch mal rein.

DDR-Schule der Demokratie mit der Olsenbande

Und zwar zum „Rosaroten Panther“ von Henry Mancini, und direkt weiter zur Olsen-Bande: Die sei seine Schule der Demokratie gewesen, so viel Pathos lässt Elstermann dann doch zu: Als Ossi konnte man sich gut mit denen identifizieren, große Pläne, geringer Erfolg. Die Einbruchszene zum Konzert wird das Highlight des Abends: Die komplette Szene flimmert über die Leinwand, dazu live die Musik. 

Und wieder der Link zur Realität: „Es gibt viele Egon Olsens in Berlin und Brandenburg“, erzählt Uwe Madel, der seit inzwischen 26 Jahren das rbb-Format „Täter, Opfer, Polizei“ moderiert. Das Filmorchester hat dann noch „Die Straßen von San Francisco“ im Gepäck, dazu „Mit Schirm, Charme und Melone“; den Curtis-Moore-Klassiker „Die 2“ – und Sherlock Holmes in zwei Versionen. Einmal die aus der noch jungen BBC-Serie, und einmal die Verfilmung von Guy Ritchie, der sich Hans Zimmer als Komponisten ins Boot holte. Hier sollte der Abend zu Ende gehen – sollte: Denn niemand wollte ihn beenden. Standing Ovations kitzelten das Filmorchester von Zugabe zu Zugabe: „Police Academy“ ging dann auch noch, und mit der Egon-Olsen-Selbstironie auch noch die dänische Nationalhymne.

Weitere Informationen zur aktuellen Spielzeit des Nikolaisaals finden Sie hier.