• Rettung vor der Bankenrettung Filmmuseum machte Finanzkrise zum Thema

Kultur : Rettung vor der Bankenrettung Filmmuseum machte Finanzkrise zum Thema

Gabriele Zellmann

Jeden Tag neue Informationen zur Krise. Da wird mit Zahlen operiert, die unser Vorstellungsvermögen weit übersteigen. Und so vermag kaum jemand zu verstehen, was da eigentlich gerade passiert, geschweige denn, sich auszumalen, welche Folgen die teuren Rettungsprogramme der EU für jeden Einzelnen haben werden. Es sind also komplexe Zusammenhänge, die der Dokumentarfilm „Wer rettet wen?“ aufgreift, der am Mittwochabend als Teil der zehnten „Ökofilmtour“ im Filmmuseum lief. Zugleich ging der Film an rund 200 Orten in Deutschland an den Start, in Potsdam auch im Thalia-Kino.

Passender könnte er kaum anlaufen: Der Film erklärt, wie die Krise entstanden ist, die aktuell nicht nur in Griechenland wütet. Er zeigt auch, dass die Rettung Griechenlands eine Rettung der Banken ist. Denn das Ergebnis der Rettung Griechenlands: Universitäten, die nach drastischen Kürzungen keine Heizung und keine Lehrkräfte mehr haben, Solidaritätsambulanzen, die den Zusammenbruch der medizinischen Grundversorgung aufzufangen versuchen, Familien, die nur noch halbe Portionen essen, um das Geld für das Finanzamt aufzubringen.

„Das europäische Sozialmodell ist Vergangenheit“, wird im Film Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, zitiert – es klingt mehr als zynisch. Was die Krise erst möglich machte, war, im Jahr 1993 die Aufhebung des Glass-Stegal-Acts, der seit 1933 in Amerika das Trennbankensystem, also eine institutionelle Trennung zwischen dem Einlagen- und Kreditgeschäft und dem Wertpapiergeschäft, festschrieb. Satyajit Das, ein Banker, der inzwischen mit der Finanzindustrie gebrochen hat, erarbeitete die Grundlagen für die hochriskanten, Derivate genannten Finanzpapiere, mit denen Banken ihre Kredite, von denen sie jetzt immer mehr vergeben können, absichern. Wie diese Papiere dazu benutzt werden können, alles mögliche in den Bilanzen zu verbergen oder Steuern zu vermeiden, erklärt Satyajit Das ebenfalls im Film.

Wie vielgestaltig sowohl das Gesicht der Krise als auch der Umgang mit ihr ist, zeigt der Film anhand der Beispiele Spaniens und Islands. In Spanien haben die Banken eine Immobilienblase aufgepumpt, die ihnen ständig Gewinne abwirft – und Menschen, die ihre Hypotheken nicht mehr bezahlen können, in Verzweiflung, wenn nicht den Selbstmord getrieben. Gemeinsamer Widerstand führte hier wenigstens in einigen Fällen zu konkreten Lösungen.

Trotzdem war die Erschütterung im voll besetzten Kino des Filmmuseums fast mit Händen zu greifen. Die Zuschauer wollten von den Finanzjournalisten Lucas Zeise und Winfried Wolf im anschließenden Gespräch wissen, was zu tun sei, um das über Griechenland schwebende Damoklesschwert eines von außen herbeigeführten Chaos zu verhindern. Ein Frage, die nicht eindeutig beantwortet werden konnte. Winfried Wolf verwies auf Ministerpräsident Tsipras’ Aufruf zu Mahnwachen vor deutschen Institutionen und Einrichtungen. Gabriele Zellmann

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