Kultur : Pure Lebenslust

„Flhip Flhop“: Deutsche Uraufführung in „fabrik“

Astrid Priebs-Tröger

„B-Boying“, „Krumping“, „Battle“ oder „Beatboxen“: Wer nicht zur Hip-Hop-Szene gehört, braucht ein Spezialwörterbuch, um hinter den Sinn dieses Jargons von Rappern und Breakdancern zu kommen. Doch das wird in der neuesten Produktion des Theater Mogul nicht nötig sein, verspricht Produzent Wolfgang Hoffmann. Hoffmann, selbst Tänzer und Mitbegründer der „fabrik“, begann bereits 2001 die dort entstandenen Produktionen international zu vermarkten. Danach hat er vier Jahre das renommierte Edinburgh Fringe Festival geleitet.

Jetzt ist der 43-Jährige als Produzent nach Deutschland zurückgekehrt, um das Erfolgsstück „Flhip Flhop“, das im vergangenen Jahr auf diesem Festival in Edinburgh das Publikum wochenlang begeisterte, hierzulande erfolgreich zu machen. Er ist beim Berliner Theater Mogul so etwas wie ein Trendscout, der neue Formate entwickeln soll. Und Hip-Hop, der seine Ursprünge in den afroamerikanischen Ghettos von New York City hat, hat sich seit den 1970er Jahren zu einer weltweiten urbanen Subkultur entwickelt. Aber auch längst die Bühnen der hiesigen Theater erobert, wenn auch oft nur als „Beigabe“ oder um verstärkt jugendliche Zuschauer ins Haus zu locken.

Das soll in Potsdam und später auch im Berliner Postbahnhof anders sein. Denn mit „Flhip Flhop“ sollen auch Zuschauer angesprochen werden, die nicht zur Szene gehören. Die Haupthelden des jetzt aufgeführten „Comedy-Theaters“, so Hoffmanns Umschreibung, sind zwei Jungs, die Träume haben. Beide haben die Hoffnung, eines Tages mit ihren Talenten, das große Geld zu verdienen. Doch auf dem Weg dahin gibt es viele Schwierigkeiten und immer wieder die Frage, ob alle Träume Wirklichkeit werden müssen und ob man das Richtige aus seinem Leben macht. Daneben gibt es Liebeskummer und auch Frust darüber, dass ein gleichaltriger Kumpel schon DJ ist und damit soviel Geld verdient, dass er sich eine todschicke Wohnung leisten kann.

Beide sind im Stück dabei, diese zu renovieren, doch als sie einen teuren Plattenspieler finden, beginnt ein musikalischer und tänzerischer Wettstreit, bei dem jedem Zuschauer klar werden wird, was Hip-Hop alles ausmacht, aber vor allem wie ansteckend seine Spritzigkeit und pure Lebensfreude sind, so Hoffmann im Gespräch. U-Gin Boateng von der Oxymoron Dance Compagny verkörpert den Jungen, der mit Krumping, einer aggressiven neuen Technik, sehr viele Emotionen in den Tanz packt und der aus der ARD-Telenovela „Rote Rosen“ oder aus Filmen wie „Soul Kitchen“ bekannte Schauspieler Ernest Allan Hausmann ist mehr in der alten Schule des Breakdance mit anspruchsvollen akrobatischen Einlagen zu Hause.

Aus diesen beiden Stilrichtungen aber auch aus dem Altersunterschied der Darsteller ergäben sich schöne Reibungen. Wolfgang Hoffmann findet die Szenen am stärksten, wo erklärt werde, warum die das machen, sodass man „Flhip Flhop“ auch als Einführung in den Hip-Hop erleben kann. Doch, und das ist neu und anders als in anderen Hip-Hop-Produktionen, hier wird vor allem schauspielerisch eine Story erzählt, die jeder so oder ähnlich erlebt haben kann. Auf den Proben haben das Energiebündel U-Gin, so Hoffmann, und der improvisierfreudige Schauspieler Hausmann jedenfalls wunderbar zusammengefunden und sind so intensiv ins Spielen, Rappen und Beatboxen gekommen, dass es toll war, ihnen zuzuschauen.

Da es aber schwierig ist, Spontanes zu konservieren, wird auch in den Aufführungen Raum sein, direkt auf die Reaktionen des Publikums einzugehen. Für Hoffmann fängt „Flhip Flhop“ stärker als andere Stücke auch erst dann an, wenn das Publikum dabei ist. Es wird sich von der ersten bis zur 50. Vorstellung weiterentwickeln, denn nicht nur „Unfälle“ bescheren neuen Witz. Der Produzent, der „Flhip Flhop“ ohne Fördermittel entwickelt, findet für sich selbst auch die Herausforderung spannend, eine Show zu produzieren, bei der direkt die Zuschauer entscheiden, ob diese auch ein kommerzieller Erfolg wird. Astrid Priebs-Tröger

Premiere am morgigen Donnerstag, 20 Uhr, in der „fabrik“, Schiffbauergasse

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