• Punklegende im Potsdamer Lindenpark: Immer noch nicht Geschichte

Punklegende im Potsdamer Lindenpark : Immer noch nicht Geschichte

Einmal Punk, immer Punk: Die britische Band The Adicts spielt im Potsdamer Lindenpark - in der gleichen Besetzung wie vor 40 Jahren

Oliver Dietrich
In „Clockwork Orange“-Optik. The Adicts huldigen dem Filmklassiker.
In „Clockwork Orange“-Optik. The Adicts huldigen dem Filmklassiker.Foto: promo

Viele denken, dass Punkrock 1977 erfunden wurde – ist doch der ganze britische Musikzirkus untrennbar mit dieser Jahreszahl verbunden. So als wäre der Punk einfach so aus dem Boden geschossen und ’77 plötzlich dagewesen. Das stimmt natürlich nicht: Damals bekam er wohl eher erst die gebührende Aufmerksamkeit. Der ganze musikalische Nonkonformismus, der auf dem Boden der idealistischen Naivität der Hippie-Bewegung wuchs, begann freilich schon viel früher.

1975 etwa, als sich im britischen Ipswich The Adicts gründeten – „Addicts“ müsste es heißen, mit Doppel-D, würde der kundige Anglist anmerken: die „Abhängigen“. Aber Punk darf natürlich mit orthografischen Mängeln kokettieren, und außerdem gab es eine Band mit diesem Namen bereits. Nun ist 1975 schon eine ganze Weile her, über 40 Jahre, und viel hat sich seitdem geändert. Nur eins nicht: die Besetzung der Band. 

Ein Erfolg in Intervallen, aber in Originalbesetzung

Die ist nämlich seit 1975 dieselbe geblieben. Ein Alleinstellungsmerkmal fürwahr, und ein Rekord: The Adicts ist die Punkband mit der längsten Originalbesetzung in der Geschichte. Und in dieser Besetzung am Samstag, dem 6. Oktober im Lindenpark zu sehen.

Dass ihre Historie nicht nur aus guten Zeiten besteht, sondern der Erfolg sich in Intervallen zeigte, steht für die verbissene Kontinuität der Band: Anfangs noch mit Dartpfeilen beworfen, behauptete sie sich schnell und füllte auch die großen Konzerthallen und schaffte Ende der 70er-Jahre sogar Platzierungen in den britischen Charts – nun ist Erfolg jedoch kurzlebig, und irgendwann hatte sich auch der Punk abgekühlt und ging im Pop der 80er-Jahre auf. The Adicts halten sich mühsam am Leben, verschwinden immer wieder in der Versenkung – und tauchen doch immer wieder auf. Während Bands wie die Sex Pistols oder The Clash schon Musikgeschichte geworden sind.

Berühmt für Punk und eine gewisse Theatralik

Nun sind die Briten aber nicht nur für gealterten Punk, sondern auch um eine gewisse Theatralik bemüht; und lassen damit das Herz eines jeden Cineasten höher schlagen: Denn Teil ihrer Show ist die Referenz an den Stanley-Kubrick-Klassiker „Clockwork Orange“, der zwar 1971 bereits erschien, aber auch Punk war – die trostlose Dystopie über Alex DeLarge und seine Gang, die zum Soundtrack von Beethoven die Welt zerschlägt, gilt noch heute als einer der gewaltigsten und irritierendsten Werke des neueren Kinos.

The Adicts nehmen den Duktus auf, und auch die Gang-Optik: Kleidung und Schminke sind an den Film angelehnt – keine Überraschung vielleicht, dass die deutsche Punkband Die Toten Hosen, die mit „Hier kommt Alex“ ja auch ihre Reminiszenz an „Clockwork Orange“ hinterließen, die Briten gern als Vorband engagieren. Ob die Adicts ihrerseits die Hosen mit in den Lindenpark nehmen, ist leider nicht bekannt. Oliver Dietrich

The Adicts, Support: CRIM und Gulag Beach. Am morgigen Samstag ab 20 Uhr im Lindenpark, Stahnsdorfer Str. 76-78, Karten kosten 29 Euro