Kultur : Preußens Hofgärtner

Ein neuartiges Museum öffnet im Schloss Glienicke. Gartendirektor Michael Rohde über den Anspruch

Ab Ende April gibt es etwas Neues in der Berlin-Brandenburgischen Museumslandschaft: In Schloss Glienicke eröffnet die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten das HofgärtnerMuseum, das sich wohl erstmals in Europa der Geschichte dieses Berufsstandes widmet. Über Anliegen und Aufgaben sprachen die PNN mit Stiftungs-Gartendirektor Michael Rohde.

Herr Rohde, welche Bedeutung messen Sie dem HofgärtnerMuseum bei?

In der öffentlichen Wahrnehmung stehen noch immer meist die Schlösser und ihre Architekten obenan. Seit der Einführung des Landschaftsgartens Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Gartenkunst wegen ihrer Naturhaftigkeit als Bildende Kunst angezweifelt, was bis heute nachwirkt. Die Gärtner haben jedoch die Berlin-Potsdamer Kulturlandschaft in gleicher Wertigkeit mit geprägt. Erst der Zusammenklang von Bauten und gestalteten Gärten gibt dieser Landschaft ihren unvergleichlichen Reiz. Dadurch erlangte sie Welterbestatus. Deshalb ist es an der Zeit, Leben und Wirken der Hofgärtner museal zu präsentieren, zumal die preußischen Hofgärtner und ihre Gärten vom ausgehenden 17. bis ins 20. Jahrhundert hinein innerhalb der europäischen Gartenkunst eine wichtige Rolle spielten.

Warum hat sich die Stiftung für den Standort Glienicke entschieden?

Die Idee für diesen Ort ist über 30 Jahre gereift. Mit dem 1978 in Berlin eingerichteten Fachreferat Gartendenkmalpflege konnte u.a. der „Pleasureground“ unter der Leitung von Klaus von Krosigk vorbildlich wiederhergestellt werden. Im Jahr 1987, zur 750-Jahr-Feier von Berlin, präsentierte die West-Berliner Schlösserverwaltung im Schloss Glienicke eine Ausstellung über dessen Geschichte und Gestaltung. Ihr Direktor Jürgen Julier erhoffte sich hier schon damals ein „Schlossmuseum und gartenhistorisches Forschungszentrum“.

Weil hier bereits viel Gartenkunst zu erleben ist?

Ja, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand in Glienicke durch das Wirken von Peter Joseph Lenné, Karl Friedrich Schinkel, Ludwig Persius und Ferdinand von Arnim eine kunstvoll, weitläufige Parkanlage aus dem Geiste des Berliner Klassizismus, insbesondere auf Betreiben des Prinzen Carl von Preußen (1801-1883), einem Kunstsammler und Liebhaber der Gartenkunst. Mit der 1995 erfolgten Wiedervereinigung der beiden Schlösserverwaltungen zur Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg setzte insbesondere mein Vorgänger, Michael Seiler, die Bemühungen um die Präsentation über das Leben und Wirken der Preußischen Hofgärtner fort. Im Jahr 2004 gab es zwei Impulse auf dem Weg zum HofgärtnerMuseum: die Ausstellung „Preußisch Grün“ und die Einrichtung des „GartenForums Glienicke“. Für die Schaffung des Forums, eine Institution der Landesdenkmalämter von Brandenburg und Berlin wie auch der Stiftung, das dem Erfahrungsaustausch und der Fortbildung dient, hat sich Landeskonservator Detlef Karg in besonderer Weise eingesetzt.

Ein so neuartiges Museum kann nicht aus dem Boden gestampft werden. Auf welche Vorarbeiten haben Sie zurückgegriffen?

Auf Forschungen und Exponate. 1996 legte der Potsdamer Gartenhistoriker Clemens Alexander Wimmer eine Publikation über die Preußischen Hofgärtner vor, fußend auf seinen früheren Forschungen aus dem Jahr 1985. Zur viel beachteten Ausstellung „Preußisch Grün“ sind die biografischen Daten der Hofgärtner vertiefend aufgearbeitet worden. Auch zur Beschaffung der Exponate haben mehrere Personen wie auch Leihgeber beigetragen.

Sowie die Nachkommen von Gartendirektoren.

Stimmt, schon 1983 übergab zum Beispiel Dr. Heinz Lenné aus Bonn umfangreiches Material aus dem Nachlass Lennés an Prof. Martin Sperlich, den damaligen Schlösserdirektor Berlins. Später erreichten Gartendirektor Harri Günther und dessen Vertreter Heinrich Hamann die Übertragung weiterer Nachlässe, u.a. von der Hermann Sello“schen Familienstiftung. Michael Seiler setzte die Bemühungen um enge Kontakte zu weiteren Hofgärtnerfamilien fort, u.a. zu den Nietners, Fintelmanns oder Max Hoppe. Bereits diese Vorarbeiten und Exponate ermöglichen, wichtige Aspekte der Hofgärtnertätigkeit anschaulich darzustellen, von den Entwürfen und Plänen über Ausbildung und Karriere, die Bepflanzung, Nutzung und Pflege der Gärten, Studienreisen und schriftstellerische Tätigkeiten bis hin zum Alltagsleben und Wohnen.

Reichen für solch eine umfassende Darstellung die Ausstellungsflächen überhaupt aus?

Dem Museum stehen das Hofdamenzimmer und der Gartensaal, dazu fünf Räume im Westflügel zur Verfügung. Der Platz ist knapp, doch wir Gärtner betrachten das Museum als zartes Pflänzchen, das durch gute Pflege wachsen und gedeihen soll. Wir hoffen, zukünftig weitere, bisher unsanierte Räume im so genannten Kavalierflügel nutzen zu können, denn zu den Stiftungsaufgaben gehört die Vervollständigung, Bestandsbewahrung, Erforschung und Präsentation der Sammlungen. So streben wir die Aufarbeitung und Präsentation historischer Gartengeräte an. Zu den Forschungsaufgaben wird die Klärung des Einflusses der Preußischen Hofgärtner gehören, nicht nur in Bezug auf die vorbildliche Gärtnerlehranstalt Berlin-Potsdam. Das kann nur im Vergleich mit dem Wirken der Hofgärtner deutscher Fürstenhöfe – auch im europäischen Kontext bewertet werden. Deshalb müssen mittelfristig die Bezüge zu den führenden Gartenkünstlern an den anderen Höfen, u. a. in Frankreich, den Niederlanden, England oder Österreich analysiert und dargestellt werden. Ebenso wichtig ist auch die Aufarbeitung der Geschichte der Gartendenkmalpflege, nämlich die Methodik der Gärtner, alte Garten- und Parkanlagen durch Regenerations- und Instandsetzungsmaßnahmen als Kunstwerke zu erhalten. An ihrer Entwicklung hat Preußen wie auch seine nachfolgenden Länder – in Ansätzen bereits seit der Zeit des Historismus – einen gewichtigen Anteil.

Eine Fülle von Aufgaben also, für die der Gartendirektion sicher kein zusätzliches Personal zur Verfügung steht.

Das ist richtig. Die bisherigen Aufgaben haben die Kustoden übernommen, maßgeblich aber unsere Volontäre, Heiner Krellig und Steffi Kieback. Wir können das HofgärterMuseum nur in der Sommersaison und an Wochenenden öffnen. Dort wird es Führungen und zusammen mit dem Gartenforum Veranstaltungen geben. Außerdem planen wir Dependancen, in denen kleine Ausstellungen speziell über die Geschichte einzelner Gärten berichten. Dafür haben wir für Park Babelsberg den Flatowturm und für den Neuen Garten einen der Eingangspavillons angedacht.

Das Interview führte Erhart Hohenstein.

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