• Premiere am Hans Otto Theater: "Die Zweite Prinzessin": Endlich auch mal Erste sein

Premiere am Hans Otto Theater : "Die Zweite Prinzessin": Endlich auch mal Erste sein

Am Hans Otto Theater wurde die Premiere von „Die zweite Prinzessin“ aufgeführt. Das philosophisch-musikalische Märchen beschäftigt sich mit Konflikten zwischen Geschwistern.

Astrid Priebs-Tröger
Charlott Lehmann als Prinzessin. 
Charlott Lehmann als Prinzessin. Foto: Thomas M. Jauk

Potsdam - Sie ist klug, frech und gesund. Und sieht wunderschön aus in ihrem weißen Kleid. Trotzdem ist sie untröstlich, diese quirlige Prinzessin im Gertrud-Pigor-Stück „Die zweite Prinzessin“, das am Freitagvormittag in der Reithalle Box des Hans Otto Theaters zur Premiere kam. Auch Drittklässler saßen im Publikum, die der spritzigen Inszenierung von Anna Franziska Huber – frei nach dem Bilderbuch „The Second Princess“ von Hiawyn Oram und Tony Ross – aufmerksam folgten.

Denn die Probleme, die die Prinzessin, von der neu engagierten HOT-Schauspielerin Charlott Lehmann herrlich eigensinnig verkörpert, betreffen jeden, der Geschwister hat und nicht als Erste oder Erster geboren wurde: immer der Zweite sein, dem weniger zugetraut wird. Die erst noch „groß werden müssen“, um dies oder jenes selbst tun zu dürfen. Und auch nicht unwichtig, die, die Sachen der Vorgänger auftragen müssen. Selbst bei „Königs“ scheint das so zu sein. 

Weg aus dem Schloss

Wenn man gefühlt immer im Schatten der Größeren steht, kann man nacheinander trotzig, traurig, wütend oder eben alles gleichzeitig werden. Wie diese „zweite Prinzessin“ dies fühlt und fast nichts dagegen tun kann. Doch als am Geburtstag ihrer großen Schwester die ewige Konkurrenzsituation eskaliert, und sie allein zu Hause bleiben muss, während die anderen ans Meer fahren, fasst sie einen Plan und haut ab aus dem Märchenschloss.

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Im Wald sucht sie nach dem Wolf, der ihre große Schwester fressen beziehungsweise später heiraten soll, und trifft dabei auf ihren Schatten. Das macht das Ganze auch für Erwachsene unterhaltsam. Dieser wird wie ihre vielen anderen Gegenspieler von Paul Sies verkörpert. Er macht schwarzgekleidet und wie ein guter Kumpel großartig, umso mehr, wenn man erfährt, dass er erst zwei Tage zuvor für seinen erkrankten Kollegen David Hörning eingesprungen ist.

Ein Schatten im Kopf

Ihr Schatten also, den sie allein im Wald zum ersten Mal richtig wahrnimmt, zaubert ihr die verrücktesten Ideen in den Kopf, um ihre Schwester endgültig loszuwerden. Gleichzeitig ist er die Stimme in ihrem Inneren, die ihr gut zuredet, ihre Situation auch aus anderen Blickwinkeln zu sehen. Doch sein „Zu Lieben ist nicht einfach, vor allem nicht sich selbst“ verhallt bei der Prinzessin ebenso ungehört wie auch bei den Kindern aus dem Publikum, die ihr bestätigen, dass auch sie nichts davon verstanden haben.

Was nun? Immer wieder stimmt die Prinzessin ihr trauriges Lied „Kennst Du dieses Gefühl, wenn du immer im Schatten von jemandem anderen stehst?“ an und findet keine Lösung, sich aus der Situation zu befreien. Die scheint im Schloss in Form einer mitfühlenden Köchin, die Paul Sies beatboxend und herrlich zweischneidig gibt, und einer großen Tasse heißer Schokolade auf sie zu warten. Aber wie alles im Leben hat auch das seinen Preis. 

Ein Märchen-Feuerwerk

Denn die Prinzessin soll der Köchin die Kronjuwelen der Mutter bringen, damit sie, die ihr Leben lang im Schatten stand, auch endlich einmal leuchten kann. Klar, dass die Prinzessin trotz Gewissensbissen darauf eingeht. Doch da das Ganze ein musikalisches und philosophisches Märchen-Feuerwerk ist, wird der Diebstahl entdeckt und die Königseltern mit der Nase auf das eigentliche Problem gestoßen. Das sie dann – sehr zeitgemäß – für Groß und Klein zufriedenstellend und einigermaßen gerecht lösen.
 

Für Kinder ab 6 Jahren. Die Vorstellungen im September sind bereits ausverkauft, für den 25. Oktober gibt es noch Karten

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