• Potsdam Museum: Geschenke, die Lücken schließen

Potsdam Museum : Geschenke, die Lücken schließen

Das „Café Rosa“ und Porträtzeichnungen von Stephan Velten fürs Potsdam Museum.

Im Porträt. Stephan Veltens inzwischen verstorbener Kollege Thomas Jung, 1985 (Ausschnitt).
Im Porträt. Stephan Veltens inzwischen verstorbener Kollege Thomas Jung, 1985 (Ausschnitt).Foto: Potsdam Museum

Palmen, flirrendes Licht, nackte pralle Schönheit und ein sich wegträumender Mann mit einem Gläschen in der Hand. Ein Sommerbild: wild und überbordend. Da hat der Maler seinem Affen Zucker gegeben. Entstanden ist dieses farbfrische „Leichtgewicht“ 1984 in Potsdam, als Stephan Velten in den Anfängen seines Freiberuflerlebens stand. Sein „Café Rosa“ gehört zu einer Serie von Kneipen- und Kaffeehausbildern, die vom Aufbruch und der Hoffnung des Künstlers erzählen, die sich aber nur wenige Jahre später eintrüben sollten. Zum Ende der DDR werden Veltens Werke kompakter, dunkler, abgeschotteter: zu schwere Torsi in einer bleiernen Zeit. Die Kunst als Seismograph eines äußeren und inneren Wandels.

Am Donnerstagabend ging das „Café Rosa“ in den Besitz des Potsdam Museums über. Zuvor gab es seitens des Potsdamer Kunstvereins eine Spendensammlung, um dieses Bild für 3000 Euro vom Maler abzukaufen und dem Museum zu schenken. Der Ankaufsetat des Museums sei so gering, dass das Haus Am Alten Markt kaum aus eigener Kraft die Sammlungsbestände verdichten und erweitern könne, so Museumsdirektorin Jutta Götzmann. „In diesem Jahr liegt er bei 21 000 Euro. Oft fehlt sogar das Geld, um Drittmittel mit zu finanzieren.“

Umso mehr freute sie sich über „diese wunderbare Arbeit“ von Stephan Velten, die auch dank einer Spende der Galeristin Angelika Euchner in Höhe von 1500 Euro erworben werden konnte, und auch, weil der Künstler selbst die Ankaufssumme weit unter dem Wert des Bildes ansetzte.

Im Museum gab es bislang 28 Arbeiten von Velten mit Schwerpunkt auf die 80er Jahre, darunter bereits zwei Bilder aus der Kneipen- und Kaffeehausszene, angesiedelt im Café Seerose. Das „Café Rosa“ sei eine gute Ergänzung, spiele aber auch eine ganz eigene Rolle, so Götzmann. Die Bilder in der „Seerose“ seien 1987 und 1988 entstanden und experimenteller. „Die Flächen verschieben sich und zersplittern.“ Velten hat sie damals im Dunkeln gemalt, wie er beim Pressegespräch erzählt.

Das „Café Rosa“ ist ein wichtiges Frühwerk des 1954 in Potsdam geborenen Malers. Es hatte schon zu seiner Entstehungszeit kurz nach seinem Kunststudium in Berlin-Weißensee einen großen Stellenwert. So hing es 1984 in der vom Zentralrat der FDJ organisierten Ausstellung „Junge Künstler der DDR“ im renommierten Alten Museum Berlin. „Die ideologische Bewertung darf man bei dieser Schau nicht zu hoch hängen. Sie zeigte ein breites Spektrum von Künstlern, die gerade anfingen, ihre Sprache zu formen: mit einem langen Nachhalleffekt“, sagt Thomas Kumlehn vom Kunstverein. „Mit Klischees kommt man der DDR nicht bei“, betont der Kulturwissenschaftler.

Zudem war „Café Rosa“ für die X. Kunstausstellung 1987 in Dresden nominiert, wo es am Ende dann aber doch nicht gezeigt wurde. Ob es nicht ernsthaft genug die sozialistische Lebenswirklichkeit spiegelte, es politische Intrigen oder banalere Gründe gegeben habe, sei heute nicht mehr genau auszumachen, so Kumlehn.

Anfang des Jahres hing „Café Rosa“ jedenfalls in der „Guten Stube“ des Kunstvereins, als Schlüsselbild der Ausstellung „parallel“ mit Arbeiten von Hubert Globisch und Stephan Velten, des Lehrers und seines Schülers. „Es war die kleinste Ausstellung, die ich je gemacht habe“, sagt Stephan Velten in seiner humorigen Art. Auf jeden Fall führte sie zum Erfolg. Die 3000 Euro für sein Bild kamen zusammen.

Der Potsdamer Kunstverein steuert immer mal wieder Schenkungen fürs Museum bei. Damit steht er in der Tradition des einstigen Potsdamer Kunstvereins, den es schon in den 1920er Jahren gab.

Jutta Götzmanns erster persönlicher Kontakt mit Stephan Velten war 2009 zu der Ausstellung „Freiheit der Idee – 7-mal Kunst vor ’89“. „Der Galerist Werner Ruhnke kam damals auf mich zu und fragte, ob wir nicht eine gemeinsame Ausstellung über die Vorwendekunst in Potsdam und Berlin organisieren wollen. Ich war noch ein Greenhorn am Haus und stieß nach der ersten Sichtung sofort auf die Werke von Stephan Velten“. Er gelangte mit seinen „Ringenden“ und dem „Paar (Trost)“ in die Schau in der Benkertstraße. Ein schönes Einstimmungsprojekt, dem weitere folgten. So bei den „Wilden 80er Jahren in der deutsch-deutschen Malerei“, in der Velten 2017 auf Augenhöhe mit Markus Lüpertz hing. „Ich fragte mich natürlich: Wie halten die Arbeiten stand? Aber sie bewiesen sich auch in dem neuen Kontext. Das war für mich eine sehr schöne Erfahrung.“

Auch bei ihr im Wohnzimmer hängen zwei Papierarbeiten von Stephan Velten, Porträts, die sie sich auch nach neun Jahren nicht über gesehen hat. „Es gibt oft ein Missverhältnis von Leistung und Anerkennung von Leistung. Stephan Velten ist jedenfalls viel zu gering auf dem Kunstmarkt vertreten“, betont die Direktorin.

Auch Stephan Velten bereitete dem Museum am Donnerstag ein Geschenk: Er übergab eine Mappe mit 12 frühen Porträtzeichnungen, darunter von den Kollegen Gerhard Gampfer, Uwe Beckmann, Lothar Krone und Thomas Jung.

Bleibt zu hoffen, dass das Museum bald Räume bekommt, um eine ständige Ausstellung mit Werken Potsdamer Künstler zu zeigen. 

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