• Potsdam: Grüße aus dem Hinterland

Potsdam : Grüße aus dem Hinterland

Beim POPUP-Kongress wird heute und morgen das popmusikalische Potenzial Brandenburgs untersucht.

Oliver Dietrich
Foto: B. Loschinski

Am Dienstagabend ging es um den Feinschliff: Franziska Pollin, die Projektleiterin für die Brandenburger Popularmusikszene, und ihre Mitstreiterin Ulrike Oehmichen sitzen im Büro, die Sonne ist schon lange untergegangen – und sortieren Namensschilder für die Gäste, die heute und morgen zum POPUP-Kongress an der Potsdamer Fachhochschule erwartet werden. Sieht so aus, als sei die Vorbereitung durch: „Im Dezember habe ich noch gesagt: Wenn ich 100 Akkreditierungen erreiche, dann geht’s mir gut“, sagt Pollin. Wie viele sind es denn jetzt? „Mittlerweile 170.“ Sie sei selbst überwältigt von der Resonanz. Nicht nur Brandenburger Kulturschaffende haben sich angekündigt, auch aus Sachsen, Bayern, Niedersachsen oder Hamburg kommen Gäste. Nicht schlecht für einen Kongress, in dessen Fokus die Brandenburger Pop-Landschaft steht.

So liest sich das Setting auch wie ein Who’s Who von Veranstaltern, Radiomoderatoren, Geschäftsführern und Politikern. Brandenburgs Kultur- und Wissenschaftsministerin Martina Münch wird am heutigen Donnerstag um 18 Uhr die Eröffnungsrede halten. Sie vertritt Schirmherr Dietmar Woidke. Kein Grund zur Langeweile: Ihr folgt mit Detlef Franke von der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur Brandenburg ein Redner, der unter dem Motto „Szene zeigen“ ein flammendes Plädoyer für eine Reform der Popmusikförderung halten wird: einen kontrovers-kritischen Abriss darüber, was in letzter Zeit in diesem Land läuft - oder eben nicht. Damit ist der Duktus gesetzt. Denn im folgenden Kick-off-Panel – brandenburgisch für Podiumsdiskussion – geht es unter dem Motto „Grüße aus dem Hinterland!“ um Bestandsaufnahme und Strategie für die popmusikalische Entwicklung in Brandenburg. Gefolgt von einer Diskussion über Ressourcen und Synergien bei Festivalveranstaltern, moderiert von Alexander Dettke vom „Wilde Möhre Festival“. Zum Abschluss gibt es ein Konzert von Mellow Mark. Das ist ziemlich intensiv für einen Donnerstag.

Und natürlich die Folge der zähen Arbeit von Franziska Pollin: „Ich habe schon genaue Vorstellungen davon gehabt, wo ich hinwollte“, sagt sie. „Wir wollen ja auch von der Politik ernst genommen werden, und nicht als hedonistische Spaßfraktion.“ Wichtig sei, dass die Szene in Brandenburg klar und deutlich sichtbar werde – mit all ihren Themen und Schwierigkeiten: Warum ist die Szene noch nicht so im Radio vertreten? Das könnte Radioeins gefragt werden. Was ist mit der Proberaumproblematik? Das könnte wiederum die Stadt- und Landesregierung gefragt werden. Gerade das ist das Dynamische: Die Szene formiert sich, wird deutlich, stellt Fragen – und Forderungen. „Meine konkrete Erwartung ist, dass die Politik die Brisanz erkennt und Popularmusik auf ihre Agenda hebt“, sagt Pollin.

Klar, ein Kongress kann keine Ideallösungen generieren. Aber die Bereitschaft zur Zusammenarbeit.

Wie das geht? Eben mit Coachings, Workshops, Vorträgen, allgemeinen Synergien. Mit Vorträgen und Diskussionen, wie am Freitag über den Bildungseinfluss von Musik, oder über „Landflucht und Stadttod“ oder „Wer soll das bezahlen?". Oder wer kennt das Bundesprojekt namens „Dehnungsfuge“ - ein Label, das verschiedene Formen gegen Leerstand anbietet und bei den Sofasessions unter „Deine irre Leere“ aufgegriffen wird. Klingt kryptisch? Ist es vielleicht gar nicht mal.

Wer sich übrigens fragt, warum der Kongress Donnerstag und Freitag stattfindet und nicht am Wochenende: Weil es die Kulturschaffenden sind, die sich am Samstag wieder ins Zeug legen, damit Brandenburg nicht zur popkulturellen Wüste wird. Und wer genau hinsieht, kann sie vielleicht sogar schon erkennen, die blühenden Landschaften. Verpassen muss man den Kongress übrigens nicht, auch wenn man persönlich nicht anwesend sein kann. Es wird einen Livestream auf der Facebook-Seite geben, und hinterher natürlich auf YouTube. Digitalisierung gilt auch für Flächenländer. Oliver Dietrich

POPUP-Kongress am Donnerstag und Freitag auf dem Campus der Fachhochschule, Pappelallee. Ab 20 Uhr gibt es jeweils öffentliche Konzerte, Eintritt Donnerstag frei, Freitag 5/10 Euro. Infos unter popup-brandenburg.de/kongress

Das Programm:

Donnerstag, 22. März

18 Uhr Eröffnung

18.30 Uhr Kick-Off-Panel „Was geht in Brandenburgs Popularmusikszene?“ 20.30 Uhr Live: Mellow Park

Freitag, 23. März

10.30 Uhr Panel „Musik macht klug! Ein Leben lang“ (FH-Gebäude A)

10.30 Uhr Panel „Räume reservieren und Menschen stärken“ (FH Casino)

13.30 Uhr Panel „Wie kommt unsere Musik ins Radio?“ (FH Casino)

13.30 Uhr Panel „Ein popmusikalischer Länderaustausch“ (FH-Gebäude A)

17 Uhr Panel „Musikwirtschaft“ (FH-Gebäude A)

17 Uhr Panel „Festivalland Brandenburg“ (FH Casino)

23 Uhr Party: Galaxaura

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