• Pippi Langstrumpf vom Poetenpack: Das Abenteuer im fliegenden Bett

Pippi Langstrumpf vom Poetenpack : Das Abenteuer im fliegenden Bett

Das Potsdamer Poetenpack bringt „Pippi auf den sieben Meeren“ mit frischem Wind und modernem Einschlag in den Q-Hof.

Tommy (Florian Bamborschke), Pippi (Julia Borgmeier) und Annika (Antonia Döring) im Myskodil. 
Tommy (Florian Bamborschke), Pippi (Julia Borgmeier) und Annika (Antonia Döring) im Myskodil. Foto: Theater Poetenpack

Potsdam - Ein Bett, ein paar Luftballons und etwas Erfindergeist. Mehr braucht Pippi nicht, um in die Luft zu steigen. Mit ihrem Myskodil, einem zum Fluggerät umgebauten Bett mit Tretantrieb. Was nur ein spaßiger Ausflug werden sollte, wird dann allerdings zu einem echten Abenteuer: Pippis Papa wurde von Piraten entführt und braucht ihre Hilfe. Also macht sich das starke Mädchen gemeinsam mit ihren Freunden Tommy und Annika auf den Weg, um ihn zu befreien.

„Pippi auf den sieben Meeren“ heißt die gut gelaunte Inszenierung des Poetenpacks, die am Samstagnachmittag Premiere im Q-Hof feierte. Das Stück basiert lose auf Astrid Lindgrens Buch „Pippi in Taka-Tuka-Land“, setzt aber wie der gleichnamige Film von 1970 --zu dem Lindgren selbst das Drehbuch schrieb – den Schwerpunkt auf die Piratengeschichte und baut diese aus.

Annika darf stark und mutig sein

Die Bühnenfassung von Stefan Schroeder kommt unter der Regie von Sonja Wassermann etwas moderner als der Film daher, was vor allem mit Blick auf die Figuren erfrischend ist. Tommy und Annika sind hier etwa mehr als nur Pippis treue Begleiter. Sie sind gleichberechtigte Abenteurer. Als Pippi aufgeben möchte, ermutigen die beiden sie weiterzumachen, in die Piratenfestung dringen sie nur durch dreifache Stärke ein. Besonders die sonst etwas ängstlich dargestellte Annika darf hier Power zeigen, mutig Piraten entgegentreten und sogar selbst kurz zu einem werden. Dass sie trotzdem pedantisch darauf achtet, dass alle ihre Zähne richtig putzen und genug Schlaf bekommen, macht ihre Figur umso sympathischer. 

Julia Borgmeiers Pippi ist stark, frech und super stark. 
Julia Borgmeiers Pippi ist stark, frech und super stark. Foto: Theater Poetenpack

Antonia Döring spielt diese Mischung aus Ordnungsliebe und Abenteuerlust mit großer Freude und steht Pippi-Darstellerin Julia Borgmeier in Bühnenpräsenz in nichts nach. Die ist eine Langstrumpf, wie man sie sich wünscht: frech, gut gelaunt, immer auf Zack und natürlich super stark. Borgmeier versteht es, ihrer Bühnenpipi trotzdem die nötige Ruhe zu geben, die sie für ein Kinderstück braucht. Gemeinsam mit Tommy-Darsteller Florian Bamborschke bilden die beiden Frauen ein starkes Trio.

Bleibende Ohrwürmer

Angenehm ist auch die eher minimalistische Bühnenausstattung von Janet Kirsten, wobei der Q-Hof mit seinen alten Steingebäuden natürlich schon selbst eine perfekte Piratenburg abgibt. Ansonsten steht das Bett im Vordergrund, das mal fliegt und mal auf dem Meer schwimmt. Feuerspeiende Vulkane oder das Meer dürfen sich die Zuschauer dazudenken – das überzeugende Spiel der Darsteller ermöglicht das leicht.

Die Piraten Blut-Svente und Messer-Jocke haben es auf einen Schatz abgesehen. 
Die Piraten Blut-Svente und Messer-Jocke haben es auf einen Schatz abgesehen. Foto: Theater Poetenpack

Beim Kostüm wurde dagegen aus dem Vollen geschöpft: Besonders die Piraten Blut-Svente und Messer-Jocke sind mit Piratentüchern, Messern und Säbeln authentisch ausgestattet. Messer-Jocke-Darsteller Reiner Gabriel darf außerdem den schönsten Piratenohrring aller Zeiten tragen: Eine große blaue Kugel im 80er-Jahre-Stil. Sowohl er, als auch Piratenkollege Markus Braun schwanken in ihren Rollen herrlich zwischen bedrohlichen Seeräubern und lächerlichen Bösewichten. An manchen Stellen sind sie für die sehr jungen Zuschauer vielleicht ein bisschen zu laut, spätestens beim Abschiedssong ist das allerdings wieder vergessen.

Überhaupt bereiten die, ebenfalls aus dem Film bekannten, Lieder mit dem Akkordeonspiel von Angelika Schönwaldt gute Laune: Von „Hey Pippi Langstrumpf“ bis zu „Seeräuberopa Fabian“ verweilen die Ohrwürmer noch lange nach dem Verlassen des Q-Hofes im Ohr. Mit ihnen bleibt die Lust, das eigene Bett zum Flugobjekt umzubauen und in ein buntes Abenteuer zu starten. 

>>„Pippi auf den sieben Meeren“ wieder am 2.,8., 9. 10., 15. Und 16. Juni um 15 Uhr sowie am 14., 17. Und 18. Juni um 10 Uhr im Q-Hof, Lennéstraße 37. Die Karten kosten 11 Euro, ermäßigt 7 Euro.