• Orgelsommer in Potsdam: Faszinierend flirrende Nordlichter

Orgelsommer in Potsdam : Faszinierend flirrende Nordlichter

Der dänische Organist Jakob Lorentzen hat sein Publikum in der Friedenskirche davon überzeugt, dass es musikalische Nordlichter gibt.

Peter Buske
Foto: Lisa Ducret/dpa

Ja, steht denn der Herbst schon vor der Tür? Dann nämlich lassen sich fantastische Farbenspiele von Nordlichtern beobachten und mystische Nachtlandschaften erkunden. Wie das? Der Sonnenwind und die Magnethülle der Erde machen es möglich – wenn sie besonders günstig zueinander stehen. Dass es auch musikalische „Nordlichter“ gibt, machte das gleichnamige 7. Orgelsommerkonzert in der Friedenskirche deutlich, bei dem am Mittwoch der dänische Organist Jakob Lorentzen überwiegend Kompositionen seiner barocken bis zeitgenössischen Landsleute mit Hilfe der Woehl-Orgel vorstellte. Sie erwiesen sich als klangfarbenfaszinierende, wogende, irrlichternde Werke.

Ein freudiges Vorspiel

Die erste Begegnung findet mit Dietrich Buxtehude statt, einem im damaligen dänischen Helsingborg geborenen Komponisten, der später als Organist an der Marienkirche in Lübeck wirkt. Sein legendäres Orgelspiel ist so prägend, dass er als einer der Hauptvertreter der „Norddeutschen Orgelschule“ gilt. Sein rhapsodisch angelegtes, mehrteiliges Präludium D-Dur Bux WV 139 lässt Lorentzen als ein verspieltes, freudiges, geradezu vergnügliches Vorspiel erklingen. Dabei hört sich die schlichte Melodie, raffiniert registriert und mit Echoeffekten versehen, wie das Spiel einer Flötenuhr an. Ein pedallastiger Abschnitt mündet ins Toccatenhafte, um letztlich im vollen Orgelwerk den Schlusspunkt zu setzen. Die schlichte Choralmelodie „Vater unser im Himmelreich“ BuxWV 219 hat Lorentzen inhaltsgerecht in höchsten Registerregionen angesiedelt und filigran ausgedeutet.

Hingemeißelte Akkordwucht

Danach bricht mit voller Wucht das Choral-Präludium über „Lobet den Herrn“ des Dänen Niels Wilhelm Gade herein, der in Leipzig seine in Kopenhagen begonnenen Studien fortsetzt, später die Leitung der Gewandhauskonzerte übernimmt. In seiner Machart erinnert das mit voller Basspower nicht sparende, gefühlsüberschwängliche und von liedhaften Oberstimmen kontrastierte Stück ein wenig an sein Vorbild Mendelssohn-Bartholdy. Voll auf die Pedale getreten und kraftvoll in die Tasten gegriffen, meistert der Organist die mit hingemeißelter Akkordwucht nicht sparende g-Moll-Sonate op. 23 des Schweden Oskar Lindberg. Lichte Abschnitte wechseln mit ätherischem, im Nichts verklingendem Gefühlswehen, ehe das Rauschhafte des Finales die Oberhand gewinnt. „Drei Präludien“ entstammen der Feder des gleichfalls der Romantik huldigenden Dänen Rued Langgaard, die eigentlich für gottesdienstlichen Gebrauch gedacht sind. Vom Dunklen und Lichte strahlt der „Adventssonntag“, vom freudigen Lobpreis Mariens kündet das „Magnificat“ und mit der trauertröstenden „Beerdigung“ arbeitete sich der Komponist am Tod seines Vaters ab.

Eine originelle Begegnung

Zum free-jazzigen Stil des Dänen E. Traerup Sark in seiner „Toccata primi toni“ mischen sich toccatische Attacken mit Effekten der Minimal Music und mit tropfenartigen Sprudeleien in Perpetuum-Mobile-Machart – eine originelle Begegnung der zeitgenössischen Art. Klangmalerische Finessen hält die dänische Kinoorgel-Komponistin Benna Moe für ihre „Alpen-Suite“ parat. Den entsprechenden Sound bringt Lorentzen genauso witzig zum Klingen wie die Improvisationen nach Themen aus dem Publikum: „Jesu, meine Freude“, „Yesterday“-Beatles-Song und Händelhit „Tochter Zion“. Faszinierend.