Kultur : Ohne Angst

Clown-Theater GOIGOI zeigt „Die Blaue Ampel“

Astrid Priebs-Tröger

Lachen ist die beste Medizin. Die Leipziger Klinik-Clownin Milly Murphy weiß, wovon sie spricht. Sie kennt die Angst im Krankenhaus und weiß, dass Kinder sich am meisten davor fürchten, von den Erwachsenen und mit ihren Fragen allein gelassen zu werden. Deshalb ist Milly Murphy, die eigentlich Deirdre Goodman heißt und aus New York kommt, sehr froh, dass es diese Inszenierung vom Clown-Theater GOIGOI und dem Liedermacher Gerhard Schöne gibt, sagt sie am Rande der Proben zu dem neuen Stück. „Die Blaue Ampel“ ist eine poetisch musikalische Geschichte über die Angst im Dunkeln und die Suche nach Kräften, um mit ihr besser umzugehen. Gedacht ist sie für kleine und große von Schlaflosigkeit geplagte Menschen. Am kommenden Freitag nun ist im Malteser „Treffpunkt Freizeit“ Premiere. Besagte Milly Murphy hat die Potsdamer Schauspieler Katja Rogner und Detlef Gohlke, den Dresdner Liedermacher Gerhard Schöne und die Regisseurin Gela Eichhorn in den vergangenen sechs Wochen in ihrem Probenprozess als dramaturgische Beraterin und Fachfrau in Clownsfragen begleitet.

„Die Blaue Ampel“ basiert auf dem Kinderbuch „An einem großen stillen See“ von Jutta Richter, in dem sich ein kleiner Junge und ein alter Mann nachts treffen und gemeinsam ihre Schlaflosigkeit überwinden. In der Potsdamer Adaption des Kinderbuchstoffes begegnen dem hiesigen Theaterpublikum zwei alte Bekannte wieder: Herr Fernando und Frau Trotzki, ( Detlef Gohlke und Katja Rogner), die aus dem ersten Stück des Theaters GOGOI stammen, das der Frage nachging, was ein Menschenkind braucht, damit sein Lebensmut nicht versiegt. Diesmal ist die entscheidende Frage: Was hilft ihm durch die Dunkelheit? Denn beide Clowns haben schreckliche Furcht vor ihr. Sie haben eigentlich noch niemals in ihrem Leben richtig geschlafen und weil das nicht mehr so weitergehen kann, brauchen sie Hilfe, dringend. Deshalb suchen sie einen Spezialisten für die Nacht, der im Dunkeln sehen kann, der keine Angst hat.

Und begegnen dem Schrankenwärter Leuschner, dem Dritten Clown im Bunde gibt Gerhard Schöne. Schon bald musiziert und singt er mit den beiden Suchenden. Ob und wie der Wärter ihnen helfen kann, soll hier noch nicht verraten werden. Jedenfalls spielen Engel eine wichtige Rolle. Gerhard Schöne hat mehrere Lieder über die Flügelwesen für die „Blaue Ampel“ neu geschrieben.

Für Regisseurin Gela Eichhorn, die schon an den anderen GOIGOI-Produktionen beteiligt war, aber jetzt zum ersten Mal ein Stück in dieser Größenordnung entwickelt hat, war es eine spannende Herausforderung, den Liedermacher und die Schauspieler zusammenzubringen, sie gemeinsam eine Geschichte erzählen zu lassen. Die Engel sind für sie ein Bild für einen inneren Zustand. „Ich bin mir meiner Kraft bewusst“ umschreibt sie diesen, um die Dunkelheit, die Nacht und auch das Verdrängte zu ertragen. Denn die Angst gehört zum Leben, genauso wie Tag und Nacht. Und man wird stärker, wenn man sie aushält. Das hat auch die Gruppe der freiberuflichen Schauspieler erfahren, die ohne eigenes Theater auf vier verschiedenen Probebühnen zwischen Dresden und Potsdam gearbeitet hat.

Milly Murphy, die sich auch als „Ritterin gegen die Angst“ versteht, wünscht sich jetzt, dass große und kleine Leute, die nicht schlafen können, die „Blaue Ampel“ ansehen und sich bei passender Gelegenheit daran erinnern. Astrid Priebs-Tröger

Mehr lesen? Hier die PNN gratis testen.