Kultur : Offen für Neues

Die Tanztage gingen mit „Lucky Trimmer“ zu Ende

Astrid Priebs-Tröger

Wer zur Abschlussvorstellung am Sonntagabend nicht dabei war, hat definitiv etwas verpasst! Die 21. Tanztage, die am 25. Mai mit der bravourösen Aufführung von „May B“ der französischen Choreografin Maguy Marin im Nikolaisaal eröffnet wurden, fanden hier ihr frisches und ungemein vielversprechendes Ende mit der Berliner Performanceplattform für junge aufstrebende Tänzer und Choreografen „Lucky Trimmer“.

„Lucky Trimmer“ kann man sich vorstellen wie einen Poetry-Slam für zeitgenössischen Tanz und ebensolche Performancekunst. An einem Abend werden hintereinander acht Darbietungen unterschiedlicher Genres präsentiert und keine von ihnen darf die 10-Minuten-Grenze überschreiten. Am Sonntag begann der sehr unterhaltsame, dramaturgisch geschickt gebaute 90-minütige Abend mit einer witzig-kämpferischen Begegnung zweier Iglu-Zelte der Polin Ola Maciejewska und er endete mit dem furios getanzten Duett der Spanierin Caterina Varela und des Kubaners Alexis Fernández.

Was diese beiden zu der Musik von den Einstürzenden Neubauten an modernen Beziehungsstudien, offensichtlich beeinflusst vom Streetdance, lieferten, war ein so grandioser Abschluss, nach dem man unbedingt mehr genau solche vielschichtigen Geschlechterrollenskizzen sehen will. Klasse auch der philosophisch-ironische Großstadtdschungelkampf „Tao Te“ des ungarischen Choreografen Ferenc Fehér und die bezaubernd schöne, vom Butoh inspirierte Fantasie „Etna!“ der Französin Camille Mutel, die sich zur Musik „Der Nachmittag eines Fauns“ im Halbdunkel fast wie ein Traum ereignete.

Festivalchef Sven Till war bei der Verabschiedung der Lucky Trimmer-Teilnehmer seine Begeisterung, aber auch die einsetzende Erschöpfung anzumerken, hatten doch in den vergangenen zehn Tagen 5400 Besucher an fast 30 Aufführungen, acht Konzerten, Partys und Bällen sowie 17 Workshops mit Lehrern aus Großbritannien, Taiwan, Griechenland, Deutschland, Israel, Argentinien, Benin, den Niederlanden und Italien teilgenommen. Von den zwei großen Tanztreffen mit über 200 Teilnehmern, dem „Potsdamer Atelier“ und den Workshops der Kinder- und Jugendtanztage gar nicht zu reden. Es sei eine organisatorische Meisterleistung des gesamten „fabrik“-Teams und der 34 freiwilligen Helfer gewesen, dieses Programm auf diesmal fünf verschiedenen Bühnen zu stemmen.

Der Festivalchef will nach der guten Resonanz im Nikolaisaal im kommenden Jahr gern noch andere Spielorte in der Stadt erobern. Wie er sich überhaupt offen für Neues zeigt. So soll unter anderem die Zusammenarbeit mit „Lucky Trimmer“ fortgesetzt und es könnte mit anderen Festivals deutschlandweit kooperiert werden, um gemeinsam größere internationale Compagnien einladen zu können. So soll der Genrevielfalt zeitgenössischen Tanzes und der genreaufbrechenden visuellen Performancekunst sowie der Nachwuchsarbeit genügend Raum gegeben werden. Till zeigte sich beeindruckt von der „No Limit!“-Premiere von Odile Seitz mit Potsdamer Jugendlichen und war genauso begeistert, dass die Teilnehmer des erstmalig stattfindenden 60plus-Tanzworkshops ab sofort regelmäßig in der „fabrik“ tanzen wollen. Außerdem geht sein Blick nach Berlin, wo gerade das Border Border Express-Festival zeitgenössischen Tanz aus Burkina Faso, Kenia, Südafrika und dem Kongo präsentiert.

Einziger Wermutstropfen sei nach wie vor die Finanzierung, die ein, besser zwei Jahre Vorlauf bräuchte, um hochkarätige Compagnien verpflichten zu können, so Till. In diesem Jahr gab es weniger Geld als im Jubiläumsjahr, sodass weniger Einkäufe möglich waren und auch Einnahmen und in der Folge die Zuschauerzahlen leicht unter den eigenen hochgesteckten Zielen blieben, das Festival jedoch wie im Vorjahr 40 Prozent Eigenmittel erwirtschaftet hat. Astrid Priebs-Tröger

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