Ökofilmtour im Filmmuseum Potsdam : Der bunte Abfall und die dunklen Folgen

Der Film  „Plastik überall – Geschichten vom Müll“ von Albert Knechtel und Nanja Teuscher war im Filmmuseum Potsdam zu sehen. 

Astrid Priebs-Tröger


Einweg-Kaffeebecher und Plastikschalen stapeln sich an einem Gehweg.
Einweg-Kaffeebecher und Plastikschalen stapeln sich an einem Gehweg.Foto: Gregor Fischer/dpa

Potsdam - Wir kennen die Bilder: mit Plastik vermüllte Strände und Gewässer, qualvoll verendete Seevögel oder Wale. Sie haben sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt und sind im faktenreichen Film am Mittwochabend im Filmmuseum wieder zu sehen. Gezeigt wird auf der 14. Ökofilmtour der Dokumentarfilm „Plastik überall – Geschichten vom Müll“ von Albert Knechtel und Nanja Teuscher.

„Es ist schwer, auf der Erde einen Ort zu finden, an dem es kein Plastik gibt“, wird am Anfang gesagt. Doch es wird bald klar, dass es nicht die unzähligen Einwegflaschen sind, die der Menschheit das größte Kopfzerbrechen bereiten, sondern das daraus entstehende Mikroplastik. Feste und unlösliche Kunststoffe, die kleiner als fünf Millimeter sind und weitere Umweltgifte anziehen, von Meeresorganismen gefressen werden und nicht mehr aus der Natur zu entfernen sind. Genau wie der immense Reifenabrieb von Fahrzeugen, der inzwischen Feinstaubqualität hat und somit lungengängig ist.

Jemand im Film fasste das Dilemma so zusammen: Plastik ist das Lieblingsspielzeug von Ingenieuren, aber ein Experiment am Menschen, weil der „Abfall“ nicht mitgedacht wird. Diesen denkt auf jeden Fall das Konzept „Cradle to cradle“ (Von der Wiege zur Wiege) bereits vor der Herstellung von Produkten mit, dessen Geschäftsführer Tim Janßen ebenfalls im Filmmuseum zu Gast war. Und während Janßen sich dafür einsetzt, Müll von vornherein zu vermeiden und wie in der Natur Nährstoffkreisläufe zu befördern, kam im Film auch der niederländische Umweltaktivist Merijn Tinga zu Wort. Der sich mit spektakulären Surfaktionen dafür einsetzt, in Holland endlich ein Pfandsystem für kleine Plastikflaschen einzuführen.

Dies existiert in Deutschland schon länger, doch der Film von Knechtel und Teuscher legte auch hier den Finger in die Wunde. Nur ein Bruchteil der deutschen Plastikflaschen hat wirklich Mehrwegqualität. Der Großteil wird einfach verbrannt oder nach China exportiert. Und dann als zum Teil hochgiftiges Billigplastik, wie in Form von Spielzeug, wieder importiert. Das fernöstliche Land setzt sich jedoch seit 2018 gegen die weltweiten Müllexporte zur Wehr, die es selbst ökologisch kollabieren lassen. Inzwischen wird krampfhaft nach Auswegen gesucht, um die Kunststoffabfälle der reichen Industrienationen nicht vor der eigenen Haustür lagern oder entsorgen zu müssen. Denn unser effizientes Recycling-System bewirkt, dass sie „aus den Augen, aus dem Sinn verschwinden“, wie es eine Zuschauerin formulierte.

Oder, wie es ein Lobbyist der Kunststoffindustrie, die weiterhin rasant wächst, im Film zynisch demonstrierte: „Leben ist immer mit Risiko verbunden.“ Sprich, der Abfall und seine Folgen sind nicht ihr/sein Problem. Dass das nicht so weitergehen kann, zeigten auch mehrere Diskussionsbeiträge im anschließenden Publikumsgespräch. Gegen die Wegwerfmentalität engagiert sich beispielsweise die Potsdamer Bürgerstiftung. Marie-Luise Glahr brachte den PotsPRESSO-Mehrwegbecher mit. Und ein Student der Uni Potsdam setzte sich für Putzaktionen und Unverpacktläden ein und stellte aber auch die Systemfrage: „denn Kapitalismus ist nicht nachhaltig.“ 

>>Am 13. März, 19 Uhr, läuft bei der Ökofilmtour im Filmmuseum die Doku „Bomben für die Welt – Wie Deutschland an Krieg und Krisen verdient“