• Nicht aus uneigennütziger Nächstenliebe

Kultur : Nicht aus uneigennütziger Nächstenliebe

In der Ausstellung „Königliche Visionen“: Die Rosenkranzspende

Silke Kamp

In der Ausstellung „Königliche Visionen“: Die Rosenkranzspende Das Potsdam-Musaeum veranstaltet gegenwärtig im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Kultur im Kutschstall die Ausstellung „Königliche Visionen – Potsdam, eine Stadt in der Mitte Europas“. Dazu veröffentlichen wir eine Folge von Beiträgen, die herausragende Exponate beschreiben. Heute: „Die Rosenkranzspende“, Gemälde von Antoine Pesne. Wie eine Kapelle wirkt die Nische in der Ausstellung „Königliche Visionen“, in der die Geschichte der katholischen Kirche der Gewehrfabrik erzählt wird. In strahlendsten Farben, als hätte sie der Hofmaler Antoine Pesne, der unter drei preußischen Königen wirkte, gerade von der Staffelei genommen, präsentiert sich dort das Altarbild der Rosenkranzspende dem Besucher. Demütig empfängt ein Geistlicher im Gewand des Dominikanerordens einen Rosenkranz aus den Händen Marias. Antoine Pesnes Gemälde ist auch eine Demonstration der religiösen Toleranz. Einst zierte es einen Seitenaltar der katholischen Kirche auf dem Gelände der Gewehrfabrik. Kirche und Fabrik entstanden, weil der als Soldatenkönig titulierte Friedrich Wilhelm I. statt Gewehren lieber Manufakturisten importierte. Sie sollten hier vor Ort Waffen produzieren und Preußen so unabhängig von ausländischen Einfuhren machen. Gewehrspezialisten im katholischen Lüttich fertigten die derzeit besten Steinschlossgewehre. Sie umwarb daher der preußische Monarch. Die Waffenmeister stellten jedoch eine Bedingung: freie Religionsausübung. Das war die Geburtsstunde der ersten katholischen Kirche im protestantischen Preußen nach der Reformation. Der bedeutendste Prediger dieser Gemeinde war der Dominikanerpater Raymundus Bruns. Ihn soll Pesne im Altarbild verewigt haben. Neben den Lüttichern betreute er auch die katholischen Soldaten der Garnison. Der Soldatenkönig, praktizierender Calvinist, pflegte einen recht pragmatischen Umgang mit den Religionen. Wen der Name Marias in den Gebeten störe, die Pater Bruns in seinem Katechismus publiziert hatte, der könne ihn ja einfach weglassen. Dies soll der König nach der Lektüre dieses von ihm genehmigten Werkes ausgerufen haben. Die Wohltaten, die er der katholischen Gemeinde angedeihen ließ, entstanden nicht aus uneigennütziger Nächstenliebe. Sie folgten dem Kalkül, Handwerker und Soldaten aus katholischen Ländern anzuwerben und dem König gewogen zu halten. Daher betrachtete der Soldatenkönig diese Kirche auch als „seine“ Kirche. Als der Herzog von Lothringen der Gemeinde ein Ewiges Licht aus Silber schenkte, ließ Friedrich Wilhelm ein noch viel größeres und prächtigeres anfertigen, nebst anderen liturgischen Gegenständen, um zu zeigen, wer der „Herr im Gotteshause" ist. Nicht zuletzt durch Pesne, in seiner Eigenschaft als offizieller Hofmaler, war der König selbst im Moment der Andacht gegenwärtig. Wer seine Augen hoffnungsvoll auf die anmutige Maria der Rosenkranzspende lenkte, dem schimmerte durch die Leinwand das Porträt des pummeligen Soldatenkönigs entgegen. Eine Sinnestäuschung, der sich der Besucher noch bis zum 28. März hingeben kann.Silke Kamp „Königliche Visionen. Potsdam eine Stadt in der Mitte Europas", Ausstellung des Potsdam-Museums im Kutschstall am NeuenMarkt bis 28. März 2004, Dienstag bis Sonntag, 10 bis 18, Mittwoch bis 20 Uhr; Eintritt 5 Euro, ermäßigt 3 Euro, Mittwoch 18 bis 20 Uhr 50% Ermäßigung; Führungen Samstag und Sonntag 14 Uhr oder auf Anfrage; Audioguide für Erwachsene und Kinder; Katalog; Telefon: 0331-289 6803 oder 0331-200 56 355 Fax: 0331-289 6808; Email: PotsdamMuseum-Eur

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