• Neujahrskonzert im Nikolaisaal: Mit Charme, Schwung und Wiener Schmäh

Neujahrskonzert im Nikolaisaal : Mit Charme, Schwung und Wiener Schmäh

Das Brandenburgische Staatsorchester versorgte 2022 mit Walzer, Polkas, Ballettmusiken und Folklore-Schmankerln mit einem schmissigen Auftakt. Die Krönung: Simon Höfele an der Trompete.

Der Trompeter Simon Höfele war der Solist im Neujahrskonzert des Nikolaisaals.
Der Trompeter Simon Höfele war der Solist im Neujahrskonzert des Nikolaisaals.Foto: Marco Borggreve

Potsdam - Es  gehört  zu den  traditionellen musikalischen Ritualen, dass das frohgemute Zuprosten und hoch gestimmte Fassen guter Vorsätze zum neuen Jahr nicht nur mit Beethovens Botschaft der Ode an die Freude geschieht - sondern auch mit Walzer, Polkas, Ballettmusiken, Ouvertüren und Folklore-Schmankerln. So auch während des Neujahrskonzerts im Nikolaisaal

Die Pandemie stand einem ausverkauften Haus im Weg - im Konzerthaus blieben etliche Plätze leer. Doch das gut gelaunte Publikum hatte seine Freude an dem Programm. Es ging um Liebe, Eifersucht, Wahnsinn und Rache. Zwar war die Themen-Wahl nicht sonderlich originell, doch bekanntlich findet man dazu eine riesige Auswahl an Musikstücken. 

Mit Schwung, Elan und Wiener Schmäh

Das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt (Oder) holte sich für das Konzert den Österreicher Ernst Theis an das Dirigentenpult. Mit dessen liebenswürdigem Charme war man in puncto Schwung, Elan sowie Wiener Schmäh auf der sicheren Seite. Zu Beginn war man von der österreichischen Hauptstadt jedoch musikalisch noch weit entfernt: Man startete schmissig, direkt und unverkrampft nebenan in Berlin, mit Paul Linckes effektvoller Ouvertüre zur Operette „Lysistrata“. 

Die durchweg große Lautstärke, für die sich Ernst Theis bei seiner Wiedergabe entschied, sollte sich während des Konzerts wiederholen - ob in den Auszügen aus Aram Chatschaturjans Ballettsuite „Gajaneh“ oder in Manuel de Fallas Feuertanz aus dem „Liebeszauber“-Ballett. Dass der Dirigent auch mit Phrasierungen und orchestraler Transparenz bestens umzugehen versteht, bewies er in der farbigen Carmen-Suite von Georges Bizet. 

So virtuoser wie unkonventioneller Solist: Trompeter Simon Höfele

In Wien angekommen, hatte zunächst ein Walzer Priorität, der Liebeswalzer von Christian Michael Ziehrer, den Theis und das Staatsorchester mit feiner Eleganz musizierten. Mit Josef Strauß und seiner köstlichen Polka „Brennende Liebe“ kam dann noch die berühmte Wiener Komponisten-Dynastie zu Wort. Als Solist wurde der junge und unkonventionell auftretende Trompeter Simon Höfele eingeladen. Zweifellos gehört er zu den talentiertesten und erfolgreichsten Musikern seiner Generation. 

Nicht nur virtuos, brillant und strahlend kann er spielen, sein Ton bleibt auch in den höchsten Höhen weich und warm, ob in den Variationen über „Norma“ von Jean-Baptiste Arban, im Trompetenkonzert von Alexander Arutjunjan oder in dem besonders spritzig dargebotenen 3. Satz des Trompetenkonzerts von Johann Nepomuk Hummel. Das Publikum erklärte Simon Höfele zu seinem Liebling und entließ ihn erst nach einer Zugabe. Abschließend wurde der musikalische Toast auf 2022 mit dem Radetzkymarsch von Johann Strauß (Vater) lautstark komplettiert.         

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