Kultur : Neuer Ort für Kunst

Bilder und Objekte von Rengha Rodewill in der Friedrich-Naumann-Stiftung

Götz J. Pfeiffer

Bilder und Objekte von Rengha Rodewill in der Friedrich-Naumann-Stiftung Potsdam hat einen neuen Ort für die bildende Kunst, einen fast neuen. Denn bereits seit April 2001 hat die Friedrich-Naumann-Stiftung die Arbeit in ihrem Babelsberger Truman-Haus – benannt nach der daneben stehenden Truman-Villa – aufgenommen. Politisch nicht ganz korrekt liegen beide an der Karl-Marx-Straße. Und streng genommen ist die jüngst eröffnete Ausstellung mit Bildern und Objekten von Rengha Rodewill auch nicht die bildkünstlerische Premiere, sondern bereits die zweite Exposition an diesem Ort. Doch zu Recht gab sich Christian Däubler, Leiter des Stiftungsbüros Berlin-Brandenburg, überzeugt und erfreut von der Ausstellung: „Mit dem Einzug von Kunst hat unser Haus eine neue Qualität gewonnen.“ Man wolle damit eine Tradition fortsetzen, die im Haus der Stiftung im rheinländischen Königswinter begonnen und zu einer geschätzten Einrichtung geworden sei. Besonders die gut fünfzehn quadratischen Formate von Rengha Rodewill, alle aus dem Zyklus „Serie im Quadrat“, schmücken die drei Galerien um einen überdachten Innenhof, als wären sie für die freien Flächen zwischen den Bürotüren eigens gemalt worden. Nicht zu auffällig, um längeres Verweilen zu verlangen, aber in ihrer harmonischen Farbigkeit doch dekorativ genug, um die sonst kahlen Wände aufzuheitern. Zur Vernissage lobte die Potsdamer Kunsthistorikerin Renate Bergerhoff diese Arbeiten ob ihrer intensiven, leuchtenden Farben. Die Bilder lebten vom schnellen Duktus, jede Farbe habe ihre symbolische Bedeutung, und die Formen verschlängen sich in einem eigenen Rhythmus auf der Leinwand. Die musikalischen Vergleiche liegen angesichts der Bildtitel nach den Namen von Tänzen nahe. Auch beschreibt die studierte Tänzerin Rodewill, die 1998 ihr Atelier von Berlin nach Babelsberg verlegte, ihren Malprozess gerne als „Tanz um die Leinwand“. Zu den ausgestellten Arbeiten ließ sie sich vom „Cha Cha“ inspirieren oder von einem unbekannten „Virus“ infizieren. Daneben sind einige kleinere und zwei größere Material-Collagen zu sehen, die, so Bergerhoff, im Winter entstehen, wenn Rodewill nicht in ihr Malatelier gehe oder sich von der Kräfte zehrenden Arbeit vor den Leinwänden ausruhen müsse. Die Objekte seien, so die Kunsthistorikerin in ihrer derangierten Vernissagen-Eloge, nicht nur schön, sondern auch provokativ, „und alles echte Handarbeit“. Das hätte man sich denken können vor dem „Untitled“ betitelten Herz von künstlichen Blumen, auf dem eine Kinderpuppe montiert ist, vom Griff einer schwarzen, Klauen bewehrten Hand bedroht. Und auch vor den zwei „Wildcat-Sexplosiv“ genannten Kästchen mit Dingen im Leoparden-Design, wie sie wohl ein katzenhafter Vamp benutzt. Mit bedeutungsschwangeren Symbolen noch stärker aufgeladen sind die großen Objekte. In „www.dear-love-me-tender.com“ sind Versatzstücke aus Computerwelt und Cyberspace in kritischer Absicht zu einer bizarren Collage auf aseptischem Weiß vereint. Das auf schwarz gestimmte Gegenstück fragt im Titel „Quo vadis? Deutschland“. Die postmoderne Germania des 21. Jahrhunderts taucht nur mit dem Kopf, aus dem ein Stück Mauer ragt, und den Händen aus teerig-schwarzem Untergrund auf. Ihr Herz schlägt rot und links. Dorthin strebt ein rotes Püppchen, mit dem „Telespargel“ genannten Fernsehturm am Alexanderplatz in der Hand. Gen Westen, wo das volle Einkaufsnetz mit Bananen lockt, eilt ein goldiges Püppchen, ein goldenes Auto in der einen, eine Münze in der anderen Hand. Weiter darunter balgen sich ein schwarzer, ein roter und ein goldener Bär um den Reichstag. Nach diesem Großobjekt ist unübersehbar, eindeutig - und auch ein wenig zu schematisch -, auf welchem Weg Rodewill Deutschland sieht. Eine Prise Humor hätte wenigstens ein Schmunzeln provoziert. Wie das geht? Zum Beispiel so: Die Personalabteilung der Stiftung schmückt ihre Bürotür mit einer Karikatur, auf der einige Katzen vor einem Unheil verheißenden Haus anstehen. Daran ist ein Schild angebracht: „Naumanns Katzenschinderei“. Das alles ist in der Naumann-Stiftung zu sehen. Götz J. Pfeiffer Bis 10. Juni, Mo-Fr 17-19, Sa-So 10-18 Uhr.

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