Kultur : Nackt und draußen

Die Akteure der Schiffbauergasse haben ein breites Open-Air-Programm für den Sommer zusammengestellt

Der Sommer ist zu schön, um allein zu kämpfen. Ihre Open-Airs und Sommerproduktionen vermarkten die Schiffbauergassen-Akteure gemeinsam.
Der Sommer ist zu schön, um allein zu kämpfen. Ihre Open-Airs und Sommerproduktionen vermarkten die Schiffbauergassen-Akteure...Foto: Manfred Thomas

Die Mittagssonne brennt auf den Schirrhof, keine Menschen, nur ein Knäuel Steppengras wirbelt über die Einöde: So mögen sich manche – Stichworte totsaniert und Sommerpause – wohl die kommenden Monate in der Schiffbauergasse vorstellen. Völliger Quatsch natürlich, die Akteure des Kulturareals haben unter dem Titel „Achtung! Keine Sommerpause“ ein Programm zusammengestellt, das weit über ein bisschen Open-Air-Kino und Public Viewing währen der Fußball-WM hinausgeht. Was nicht heißt, dass das Freiluft-Gucken unter den Tisch fällt.

Der Hitze angemessen geht es an diesem Freitag ersteinmal mit einer anständigen Strip-Show los: „Ladies Night“ heißt die inzwischen dritte Inszenierung des Hans Otto Theaters im luftigen Gasometer: Ein tragikomisches Stück über drei arbeitslose Männer, in Würde und Männlichkeit gekränkt. Wieder auf die Beine und zu Geld wollen sie kommen, indem sie alle Hüllen fallen lassen.

Axel Bosse wird seine Kleider vermutlich am Leib behalten, dafür aber am 28. Juni unter freiem Himmel am Waschhaus spielen. Neben seinem neuen Album „Kraniche“ hat er auch Wir sind Helden-Sängerin Judith Holofernes im Gepäck. Noch mehr Pop hievt das Waschhaus am 9. August auf die Freilichtbühnen: beim Rubys Festival spielen als Hauptact die Wort- und Beatakrobaten Käptn Peng und die Tentakel von Delphi.

Was heute Popstars sind, das waren im 18. Jahrhundert die Opernsänger – Zieckenkrieg und dicke Gagen inklusive. Beim Barocken Theatersommer schickt das Ensemble I Confidenti seine Zuhörer zusammen mit einem Zeitreisenden nach Lissabon. „Il teatro alla moda“ ist am 3., 5. und 6. Juli in der Schinkelhalle zu sehen.

Von dicken Gagen können die meisten Künstler heute nur träumen, die allermeisten leben prekär – und müssen sich vielleicht irgendwann umorientieren. Also springen – oder in der Luft hängenbleiben? Vom Sprung ins Ungewisse, in eine neue Existenz, erzählt vom 21. bis 24. August in „Grand Jeté“, was sich vielleicht mit der große Wurf übersetzen ließe. Das Tanz- und Filmprojekt der Company „Kombinat“, beschäftigt sich mit den Biografien ehemaliger Berufstänzer. Den nötigen Kick für all diese Sprünge, das Schweben und Beben, verleiht in „Grand Jeté“ übrigens die Bühne selbst: Ein Trampolin.

Um Lebensläufe geht es am selben Wochenende auch beim Literaturfestival Lit:Potsdam. An verschiedenen Orten fragen Schriftsteller – auch im Hinblick auf den 100. Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs – nach Heimat und Zuhause. Das T-Werk holt zu den Schirrhofnächten vom 27. bis 31. August das Ensemble Shakespeare und Partner mit ins Boot und zeigt mit “Wie es euch gefällt“ eine der großen romantischen Komödien des britischen Über-Dichters.

Wer bei so viel künstlerischer Inspiration nicht bloß zuschauen will, sollte einen der vielen Workshops ausprobieren. Vom 11. bis 15 August können Jugendliche die Drum-Sticks in die Hand nehmen, die Finger in Ton und Gips tauchen und zum Bildhauer werden, dem Klang der Stadt mit den Asphalt Piloten nachspüren, Hip Hop und Streetdance ausprobieren, oder beim Theaterworkshop das eigene Leben als Spiel begreifen. alm

Das gesamte Programm unter www.schiffbauergasse.de