• Musikszene Potsdam: Zwei neue Alben und eine Bandauflösung

Musikszene Potsdam : Zwei neue Alben und eine Bandauflösung

Licht und Schatten in Potsdams Musikszene: Liquid Silk und Cesspit spielen heute im Archiv, beide stellen neue Alben vor, Letztere sogar ihr Debüt. Bedauerlich indessen: Potsdams virtuoseste Metal-Band löst sich auf.

Erik Wenk
Die Riffs sitzen. Die Potsdamer Stonerrock-Band Liquid Silk.
Die Riffs sitzen. Die Potsdamer Stonerrock-Band Liquid Silk.Foto: Lea Städler

Neues vom Brausehaus: Mit Liquid Silk und Cesspit treten unter dem Titel „Inhale It Twice“ am heutigen Freitag gleich zwei Bands des Potsdamer Musikkollektivs im Archiv auf und veröffentlichen zusammen jeweils ein neues Album. In beiden Fällen mussten die Fans lange warten: „Highest Mountain“ ist das dritte Release der Stoner-Rocker Liquid Silk, deren zweites Album „II“ vor vier Jahren erschien. Soundmäßig wirkt es allerdings, als sei nichts passiert: Noch immer löst die Mischung aus wuchtigen, an Black Sabbath geschulten Riffs und ruhigen psychedelischen Passagen das unwiderstehliche Bedürfnis aus, mit der Nackenmuskulatur in rhythmische Vor- und Rückwärtsbewegungen zu verfallen. Passend, dass das Cover von „Highest Mountain“ den Tentakel des Kraken zitiert, der sich schon über die Plattenhülle von „II“ wälzte.

„Die Grundrichtung ist geblieben: Siebziger Stoner-Psychedelic“, bestätigt Gitarrist Dennis Hempfing. „Es ist vielleicht etwas komplexer und durchdachter als früher, wo wir einfach drauflos gespielt haben.“ Auslandsaufenthalte und Proberaumverluste hatten die Arbeiten am neuen Album in die Länge gezogen. So aber konnten die Songs reifen, die sich im Vergleich zu den älteren Stücken auch durch eine dichtere Produktion auszeichnen. Mit rund 45 Minuten ist „Highest Mountain“ zudem so lang wie Liquid Silks erste beide Album zusammen, die eher den Umfang von EPs besaßen. Bestellt werden kann das „Highest Mountain“ als CD oder Digital auf www.liquidsilk.bandcamp.com.

Es groovt. Cesspit stellen ihr Debüt-Album „Space Pirates“ vor.
Es groovt. Cesspit stellen ihr Debüt-Album „Space Pirates“ vor.Foto: promo

Cesspit: Vom pubertären Metal zu Rock mit Stoner-Einschlag

Bei den 2009 gegründeten Cesspit handelt es sich sogar um das Debüt-Album: Auf „Space Pirates“ zelebriert die Band, die bislang ausschließlich live auftrat, knochentrockenen Desertrock mit harten Gitarrenbreitsaiten. Die Metal-Vergangenheit merkt man der Band nur noch in Ansätzen an, als Cesspit auch schon mal nach Pantera klangen. „Wir haben uns von relativ pubertärem Metal hin zu Rock mit deutlichem Stoner-Einschlag entwickelt“, sagt Gitarrist Ludwig Kitschke. „Das Wichtigste ist: Es muss grooven.“

Dass es so lange bis zum Debüt gedauert hat, hing neben Studium und Arbeit mit diversen Neben-Bandprojekten zusammen. Da für ein richtiges Studio das Kleingeld fehlte, nahm man „Space Pirates“ einfach im Proberaum auf, mit selbst gebauter Gesangskabine, auch das Mastering übernahmen die Musiker selbst. „Alles ist so richtig schön do it yourself“, sagt Kitschke. Die fehlende Studiotechnik merkt man dem Album nicht an: Der Sound ist fett, das Geriffe ist schwer, und ja – es groovt.

Potsdams virtuoseste Metal-Band gibt ihre Auflösung bekannt

Die beiden Bands sind sich nicht nur klanglich, sondern auch räumlich nahe: Nachdem sie Anfang 2018 die Proberäume in der Ahornstraße verlassen mussten, kamen sie im Brausehaus-„Stammsitz“ in der Geschwister-Scholl-Straße unter, wo man sich derzeit die Räume mit befreundeten Bands teilt. „Es ist schon beengt“, sagt Hempfing. „Wir haben immer noch nichts Neues gefunden.“

Eine andere Brausehaus-Band wird leider keine Alben mehr veröffentlichen: Ende August gab die Band Sun ihre Auflösung bekannt. Mit ihrer Mischung aus vertrackten Mathrock und Progressive Metal a la Animals As Leaders, die man auf ihrer einzigen EP von 2014 nachhören kann, erspielten sich Sun den Ruf als Potsdams virtuoseste Metal-Band. „Diese Kapelle hat uns nicht mehr so viel Freude bereitet, wie sie es einmal getan hat“, heißt es als Begründung in einem gemeinsamen Statement auf Facebook. Erik Wenk