• Musikfestspiele zu Gast in Klein-Glienicke: Die Elemente lassen sich nicht lumpen

Musikfestspiele zu Gast in Klein-Glienicke : Die Elemente lassen sich nicht lumpen

K. Büstrin

Potsdam - Die Elemente waren in Aktion wie lange nicht. Über dem Babelsberger Park und der Glienicker Laake waren die Blitze unübersehbar, der Donner unüberhörbar. Der Regen ließ sich nicht lumpen und prasselte auf alles, was ihm in die Quere kam. Auch für die Gäste der Hausmusik, die sich am Donnerstag nach den Darbietungen im Kammermusiksaal Havelschlösschen in Klein-Glienicke in den luftigen Garten begaben, hatte der Regen kein Einsehen. Mit den kleinen Häppchen, die von Lena Mauer à la maison zubereitet und serviert wurden, sowie dem kühlenden Weißwein aus der sächsischen Weinkellerei Wackerbarth hätte man gern den Abend in inspirierenden Gesprächen ausklingen lassen, doch das Element Wasser ergoss sich mit ganzer Kraft über Klein-Glienicke. Der Dramaturg der Musikfestspiele Potsdam Sanssouci, Jelle Dierickx, war darüber nicht unfroh, denn das Thema des diesjährigen Festivals, das morgen zu Ende geht, ist schließlich den vier Elementen gewidmet.

Die Reihe der Haus- und Gartenmusiken konnte in den Jahren ihres Bestehens einen hervorragenden Ruf innerhalb der Musikfestspiele erlangen. Die Gambisten Christiane Gerhardt und Tilman Muthesius gehören zu den Musikern, die seit zehn Jahren in ihrem Havelschlösschen mit unkonventionellen und unsubventionierten Konzerten das künstlerische Leben Potsdams bereichern. Für die Musikfestspiele war es daher nahezu ein Muss, Christiane Gerhardt und Tilman Muthesius eine Hausmusik gestalten zu lassen. Geigenbaumeister Muthesius hat in den Räumen seines Hauses eine Instrumentenwerkstatt, in der die Viola da gamba den Ton angibt. Klar, dass sich am Donnerstagabend die Gamben ein Stelldichein gaben. Dazu wurden Hille Perl, eine der führenden Musikerinnen auf diesem Instrument, sowie ihre Tochter Marthe eingeladen. Ganz launig erzählten die Vier über ihre große Liebe zu dem Instrument von Kindheitstagen an, informierten über das „Innenleben“ der Gambe und musizierten die Stücke mit Verve und Leidenschaft.

Solistisch, im Duo sowie im vierstimmigen Consort brachten die Musizierenden Kostbarkeiten von komponierenden Gambisten der Barockzeit zu Gehör, von den Spaniern und Franzosen Diego Ortiz, Roland Marais, Antonio Soler, Louis de Caix d’Hervelois sowie von Marc-Antoine de Charpentier.

Schön, dass auch Folkloristisches zu hören war: ein mitreißender Fandango aus Spanien und ein schwermütiges Lied aus Russland. Wie schön die Instrumente klanglich zusammenpassten, zeigte sich schließlich bei der Suite von Charpentier. Sie bildeten einen harmonischen, obertonreichen Gesamteindruck, der für die Interpretation der dichten Gambensätze sehr von Vorteil war.

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