• Musik zwischen den Metropolen: Olivia Trummer eröffnet Babelsberger Jazzreihe

Musik zwischen den Metropolen : Olivia Trummer eröffnet Babelsberger Jazzreihe

Frau Trummer, Sie sind von Stuttgart über New York nach Berlin gekommen, Potsdam ist aber bereits Station gewesen. Was fällt Ihnen als erstes zu Potsdam ein?

Als erstes fällt mir mein erster Auftritt in Potsdam ein: Mit Trio im Foyer des Nikolaisaals, mit den Songs meines deutschsprachigen Albums „Poesiealbum“. Wir hatten großen Spaß und ein super Publikum, das die Verbindung von Jazz mit deutschen Texten spürbar genossen hat.

Welches Gefühl wünschen Sie sich bei den Zuhörern, wenn sie nach einem Konzert nach Hause gehen?

Erfülltsein von der Kraft guter und lebendiger Musik, Offenheit für die Herausforderungen des nächsten Tages, Optimismus.

Sie bewegen sich seit Jahren zwischen New York und Berlin, jetzt ist das Album „Fly Now“ entstanden – eine Reflexion Ihres Lebens zwischen den Metropolen?

„Fly Now“ ist das Album, das während einer sehr intensiven Lebensphase von mir entstanden ist – meine zweite New York-Phase, bei der ich der Stadt und den Menschen dort noch näher gekommen bin als zu meiner Studienzeit. Das Fernweh, die Reisen, die Energie und der „Groove“ der Stadt haben meinen Horizont stark erweitert, musikalisch wie persönlich. „Fly Now"“ ist im Kern eine Liebeserklärung an die Stadt. Gleichzeitig ist das Album meine Art, diese Phase abzuschließen und mich dem Sog der Stadt als „dem einzig wahren Ort für Jazzmusiker“ auf kreative Weise zu entziehen. Es ist insofern auch eine Art Unabhängigkeitserklärung.

Was fasziniert Sie eigentlich so am Jazz?

Die Lebendigkeit, die sich aus der Verbindung von „festen“, gleichbleibenden Elementen – dem kompositorischen Kern – und „elastischen“, spontan veränderbaren Elementen der Improvisation ergibt. Der Jazz erlaubt viel Raum für die Persönlichkeit und den eigenen Stil – verlangt aber auch den Mut ab, diesen Raum einzunehmen und sich zu zeigen. Gelingt dies, wird Jazz zu einer äußerst vielfältigen und spannenden Angelegenheit. Musik im Allgemeinen ist ein Spielplatz für die Seele und sollte in Zeiten seelischer Verwahrlosung dringend wieder mehr Wertschätzung erfahren – und auch aktiv selber gemacht und erlebt werden.

Das Gespräch führte Oliver Dietrich

Jazztime mit Olivia Trummer in der Babelsberger Jazz- und Bluesreihe, anschließend offene Jam Session am heutigen Donnerstag um 21 Uhr im Saal des Kulturhauses Babelsberg

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