Kultur : Musik zur Pause

Lunchkonzerte-Reihe im Militärwaisenhaus gestartet

Virtuos: Albrecht Mayer.
Virtuos: Albrecht Mayer.Foto: Andreas Klaer

Es ist 12.30 Uhr. Zeit für eine Mittagspause. Im barocken Treppenhaus des Großen Militärwaisenhauses möchte man sich an diesem Tag für 30 Minuten entspannen, mit Musik. Aus den Büros des Hauses und der angrenzenden Einrichtungen kommen die Mitarbeiter. Schnell hat es sich in der Stadt herumgesprochen, dass in dem prachtvollen Treppenhaus-Rund mit seiner exzellenten Akustik „Musik zur Mittagszeit“ stattfindet. Und so stellten sich gestern gut 100 Zuhörer ein. Die Stiftung Großes Waisenhaus konnte die Kammerakademie Potsdam als Partnerin für dieses Projekt gewinnen. In anderen Städten sind Lunchkonzerte bereits eine feste Institution. Und überall werden sie gern angenommen, bedeuten sie doch für viele eine erholsame Atempause in der Hektik des Alltags.

Für die Potsdamer Premiere im Militärwaisenhaus war es mehr als ein Glücksfall, dass in dieser Woche der Weltklasse-Oboist Albrecht Mayer mit der Kammerakademie Potsdam zwei Konzerte vorbereitet. Toll, dass er sich bereit erklärt hat, den Lunchkonzerte-Auftakt mit Streicherkollegen des Orchesters (Matan Dagan, Christiane Plath, Violine, Christoph Starke, Viola, Jan-Peter Kuschel, Violoncello, und Tobias Lampelzammer, Kontrabass) zu bestreiten. Johann Sebastian Bachs Musik war angesagt. Albrecht Mayer wählte das Oboenkonzert aus, das Andreas N. Tarkmann nach den Kantaten 105, 170 und 49 des Thomaskantors geschickt arrangierte. Es wurde wieder einmal deutlich, welch einen exzellenten weichen und warmen Ton Mayer mit seinem Instrument zaubern kann. Virtuose und stille Momente der Bachschen Musik geben sich wunderbar die Hand. Und alles mit traumwandlerischer Sicherheit. Die Kammerakademie-Mitglieder erweisen sich mit erlesener Spielkultur als wunderbare Musizierpartner für Albrecht Mayer. Der herzliche Beifall ist Dank für ein entspanntes Konzert und für eine gelungene Premiere, bei der im Hof kleine kulinarische Köstlichkeiten angeboten werden. Eintritt wird nicht erhoben, doch es wird um eine Spende gebeten. Gestern sammelt man Geld für die musikalische Förderung von sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen.

Vier Veranstaltungen im Jahr sind zunächst geplant. Die nächsten Termine stehen fest: am 11. September und am 14. November um 12.30 Uhr. Albrecht Mayer und Stiftungs- Geschäftsführerin Katrin Nikiforow machen darauf aufmerksam, dass im Militärwaisenhaus bereits zur Zeit Friedrich Wilhelm I. unter anderem Hautboisten (Oboisten) ausgebildet wurden. Zunächst wurden sie nur bei militärischen Paraden eingesetzt. Später verließen hervorragende Bläser die Schule, die auch als Konzertmusiker auf sich aufmerksam machten. So Heinrich Joseph Baermann, der von 1797 bis 1804 im Waisenhaus die Klarinette erlernte. Seine Freundschaft wirkte auf Carl Maria von Weber inspirierend, der für Baermanns Instrument Konzerte schrieb. Klaus Büstrin