• Museum Barberini in Potsdam: Bauen am Grundvertrauen

Museum Barberini in Potsdam : Bauen am Grundvertrauen

Die Kunst lebt vom Grundvertrauen in ihre Wichtigkeit. So drückt es Mike Gessner, Kurator des Kunstraums vom Waschhaus Potsdam, aus. Das Museum Barberini spielt in der Entwicklung dieses Vertrauens in Potsdam eine wichtige Rolle.

Richard Rabensaat
Rainer Sperl
Rainer Sperl

Potsdam - Die Kunst lebt vom Grundvertrauen in ihre Wichtigkeit. So drückt es Mike Gessner, Kurator des Kunstraums vom Waschhaus Potsdam, aus. In seinen Augen spielt das Museum Barberini in der Entwicklung dieses Vertrauens in Potsdam eine wichtige Rolle. Und nicht nur Gessner denkt so. Wenn er sagt, dass das Barberini dem Kunstbetrieb Potsdams deutschlandweit und international eine erhöhte Aufmerksamkeit beschert, dann bringt er auf den Punkt, was viele andere Protagonisten der Potsdamer Kunstszene auch berichten: Besucher, die kommen, um eine Schau im Museum Barberini zu sehen, finden ihren Weg oft in die weiteren Kunsträume Potsdams. Selbst der von ihm kuratierte Kunstraum in der entfernteren Schiffbauergasse profitiere davon gelegentlich, sagt Gessner.

In einer konzertierten Aktion mit dem Museum Barberini und der Villa Schöningen hat Gessner in diesem Sommer die besondere Lage des Barberini an der Havel genutzt, um bei einer Rundreise mit anschließender Verköstigung alle drei Orte für geladene Besucher zu verbinden. Die Fahrt ging von der jungen Gegenwartskunst im Kunstraum Waschhaus über moderne malerische Positionen in der Villa Schöningen bis hin zu etablierten Künstlern, wie sie das Barberini präsentiert. „Damit haben wir das ganze Spektrum der Potsdamer Kunst gezeigt“, so Gessner. Das sei auch bei den geladenen Gästen, die aus ganz Deutschland kamen, gut angekommen. Überhaupt entwickelt sich Potsdam in Gessners Augen zu einem Kunstort, der neben der Metropole Berlin ein eigenes Profil hat. Potsdam sei auch für Besucher der Berliner Artweek und des Galerie Weekends einen Abstecher wert.

Durch die unmittelbare Nähe des Museums Barberini und des Potsdam Museums ist zudem eine direkte Synergie von privatwirtschaftlicher und öffentlich rechtlicher Kunstpräsentation möglich. „Das Barberini hat Potsdam als Stadt in den internationalen Fokus gerückt, in dem auch moderne Kunst ihren Platz hat“, stellt Jutta Götzmann, die Direktorin des Potsdam Museums fest. Bei thematisch ähnlichen Ausstellungen, wie etwa solchen über Kunst aus dem 20. Jahrhundert, fänden Besucher des Barberini auch den Weg in ihr Haus. Gegenwärtig überlegt Götzmann, wie sich künftige Projekte gemeinsam mit dem Museum Barberini realisieren lassen. Eine erste gemeinsame Veranstaltung gibt es heute Nachmittag: Jutta Götzmann führt im benachbarten Museum Barberini auf den Spuren Harald Metzkes durch die aktuelle Ausstellung „Hinter der Maske“ und hält anschließend einen Vortrag zum Künstler im Potsdam Museum.

Ebenfalls in unmittelbarer Nähe zum Museum Barberini sind kürzlich die Galerie Nöth und die Galerie Baake in neu hergerichtete Räume eingezogen und zeigen, wie breit das Spektrum der Potsdamer Kunst ist. Während die Galerie Baake sich ausdrücklich modernen Künstlern mit starkem Einschlag zur Pop Art widmet, setzt die Galerie Nöth auf etablierte Künstler vom Beginn des vergangenen Jahrhunderts. Das nahe Museum Barberini war ausschlaggebend für die Standortwahl. Erst durch das Barberini sei sein Interesse für Potsdam und einen festen Galeriestandort in der Stadt geweckt worden, erklärt Michael Nöth. Zwar könne er noch nicht mit Sicherheit abschätzen, ob sich der Besucherstrom des Museums auch in seiner Galerie bemerkbar mache. Aber der Galerist vermutet, dass sein gehobenes Preissegment bei den kunstinteressierten internationalen Besuchern des Museums und den Potsdamer Bürgern Anklang findet.

Nicht nur das Galeriepublikum, auch der Blick auf die Kunst verändert sich. „Die gegenwärtige Ausstellung im Museum Barberini ermöglicht einen unbefangenen Blick auf Künstler der DDR, der lange so nicht möglich war“, stellt die Galeristin Friederike Sehmsdorf fest. Seit der Eröffnung ihrer Galerie vor zehn Jahren hat die Kunstwissenschaftlerin vornehmlich Künstler vertreten, die aus dem verblichenen sozialistischen Staat stammten. Schon immer habe sie deren solide handwerkliche Ausbildung geschätzt, sagt Sehmsdorf. Lange seien Künstler wie Wieland Förster oder Strawalde vorwiegend unter sozialbiografischen Aspekten wahrgenommen oder andere pauschal als systemtreue DDR-Künstler verunglimpft worden. Nun aber dränge eine Generation von Kunstwissenschaftlern in den Kunstbetrieb, die nach dem Mauerfall geboren oder jedenfalls geprägt worden sei. Damit werde eine Neubewertung auch eines Teils der von ihr vertretenen Künstler möglich. Ob die Popularität des Museums Barberini sich auch auf den Geschäftsbetrieb auswirke, könne auch sie noch nicht einschätzen.

Der Galerist Rainer Sperl hat bereits gute Erfahrungen mit Museumsbesuchern gemacht. An seinem alten Galeriestandort, in dem Gebäude der alten Fachhochschule in unmittelbarer Nähe des Museums Barberini, hat er oft erlebt, dass Besucher erfreut über die in der Galerie präsentierte Kunst waren. „Wir zeigen junge, wenig bekannte Positionen, meist mit regionalem Bezug. Die Bilder wirken dann häufig sehr frisch und experimentell im Vergleich mit den häufig recht bekannten oder älteren Bildern aus dem Museum“, erklärt Sperl. Nachdem seine Galerie aus dem unmittelbar vor dem Abriss stehenden Gebäude weichen musste, hat Sperl inzwischen neue Räume in Aussicht. „Wir werden bald wieder in der Innenstadt Potsdams zu finden sein“, sagt Sperl. Auch er hoffe darauf, dass sich in Potsdam zunehmend eine Kunstszene etabliere, die gute Arbeitsbedingungen für lokale Künstler biete und den Wert der Werke entsprechend mit Ankäufen honoriere. Mit dem Barberini, dem Stadtschloss und weiteren geplanten historischen Bauten zeige sich in Potsdam zwar eine Tendenz zur Kulissenstadt – aber das sei ja auch nicht so fernliegend, schließlich beheimate Potsdam mit dem Filmstudio Babelsberg einen großen Filmstandort.

Ob mit dem zahlreicher werdenden Kunstpublikum auch eine Wandlung Potsdams zur „Kunststadt“ einhergeht, muss sich allerdings erst zeigen. Kunst lebt nicht nur vom Kauf, sondern auch von Impulsen einer Hochschule, und einer lebendigen, produzierenden Szene. Die benötigt Arbeitsraum. Zahlreiche Potsdamer Kunsträume sehen jedoch nach wie vor einer ungesicherten Zukunft entgegen. Das Kunsthaus Rechenzentrum, das Atelierhaus Panzerhalle, das Kunsthaus Sans Titre haben befristete Mietverträge, die in den nächsten Jahren auslaufen. Richard Rabensaat

Führung zum Werk Harald Metzkes durch das Museum Barberini heute um 16.30 Uhr, anschließend Vortrag über den Künstler im Potsdam Museum

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