• Mittelalter-Buchschatz in der Potsdamer Bibliothek
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Mittelalter-Schatz in der Potsdamer Bibliothek : Ein Höhepunkt europäischer Buchkunst

In der Potsdamer Stadt- und Landesbibliothek ist derzeit ein Höhepunkt europäischer Buchkunst zu sehen. Eine Ausstellung widmet sich dem Breslauer Psalter.

Überaus prächtig. Der Breslauer Psalter ist eine Augenweide.
Überaus prächtig. Der Breslauer Psalter ist eine Augenweide.Foto: Quaternio Verlag Luzern

Potsdam - Knappe 750 Jahre alt ist der Breslauer Psalter, ein Buch älter als der Buchdruck selbst. Man betrachtet es mit Ehrfurcht und blättert die einzelnen Seiten mit Fingerspitzen um. Natürlich nicht in der Originalhandschrift, schließlich steht sie ganz oben auf der Liste europäischer Kostbarkeiten des Mittelalters und liegt unter Verschluss. Das Fitzwilliam Museum im britischen Cambridge kann sich glücklich schätzen, solch einen Prachtband im Original zu besitzen.

In der Stadt- und Landesbibliothek ist der Psalter für fünf Wochen als Faksimile aus dem Quaternio Verlag Luzern ausgestellt. Notwendige Erläuterungen zur Geschichte und zur Technik werden der kleinen Schau, die vom Deutschen Kulturforum östliches Europa mit veranstaltet wird, beigegeben.

Detail aus dem Breslauer Psalter.
Detail aus dem Breslauer Psalter.Foto: Quaternio Verlag Luzern

Die Kunst des Kopierens ist aufwändig

Die Kunst des Kopierens ist aufwändig, verlangt Fingerspitzengefühl und Demut gegenüber den mittelalterlichen Künstlern. Im Psalter findet man 28 ganzseitige Miniaturen, zehn großformatige Bildinitialen, 168 Miniaturen auf den Seitenrändern der Blätter und Hunderte figürliche Szenen schmücken die 147 Blätter.

Meisterhafte Kopien existieren mit der Firmierung Giovanni da Gaibana aus Padua. Dahinter verbrigt sich aber vermutlich nicht Giovanni da Gaibana selbst. Viel mehr handelt es sich um einen "kunstgeschichtlichen Notnamen", wie ein Sprecher des Quarternio Verlags erläutert.

Die Malereien stammen nicht alle von Gaibanas Hand. Er sammelte um sich Künstler aus Thüringen, Sachsen, Franken und Frankreich. Am Bildprogramm waren auch Mönche des schlesischen Zisterzienserklosters Leubus beteiligt, in dessen Skriptorium der Psalter entstand. Giovanni da Gaibana befand sich eher in der Rolle des Projektleiters.

Auch Anna von Böhmen, die Schwiegertochter der Heiligen Hedwig (Schutzpatronin von Schlesien), hörte von den qualitätsvollen Arbeiten aus Italien. Sie wurde die Auftraggeberin. Anna von Böhmen hat das 1265 fertig gestellte Werk Helene von Sachsen, der zweiten Ehefrau ihres Sohnes Heinrich III. von Schlesien-Breslau, als Hochzeitsgeschenk gemacht.

Standardbuch des Gottesdienstes

Der Psalter und das Evangeliar gehörten im Mittelalter zu den Standardbüchern eines Gottesdienstes. Auch für die private Andacht wurden sie hergestellt. Sie galten als Statussymbol. Im Psalter, in dem die 150 Psalmen vereint sind, lerne man allerlei Lehre, Trost, Stärke und Freude, sagte Martin Luther. Diese Einschätzung des Reformators kam 300 Jahre nach dem Entstehen des Breslauer Psalters. Luther konnte sich ja bereits des Buchdrucks erfreuen.

Da der Psalter zu den heiligen Gegenständen gehörte, wurde er reich ausgestattet. Die Buchmaler verwendeten teure Farben. Mit starken, leuchtenden Farben, Gold und Blau vor allem, erzeugten die Künstler fantastische Kulissen, vor denen sich das heilige Personal der biblischen Geschichten in kostbaren, faltenreichen Gewändern, Gesten zelebrierend, bildfüllend in Szene setzte. 

Biblische Motive

Die Illustratoren hielten sich vor allem an die damals klassischen byzantinischen Vorbilder. Besonders eindrucksvoll ist das zweigeteilte Bild. Die obere Hälfte nimmt Gottvater, flankiert von zwei Engeln, ein. Die Taube als Symbol des Heiligen Geistes verbindet die göttliche Majestät mit seinem Sohn, dem Stifter des Neuen Testaments: Jesus. Auch er wird eingerahmt, hier von seiner Mutter Maria und Johannes dem Täufer. Ganzseitig sind Szenen aus Jesu Leben dargestellt.

» Zu sehen bis zum 2. März in der Stadt und Landesbibliothek, Am Kanal 47