• Mesut Gürsoy spielt in Potsdam: Bis alle genussvoll tanzen

Mesut Gürsoy spielt in Potsdam : Bis alle genussvoll tanzen

Beats in kunstvollen Endlosschleifen: Live-Loop-Künstler Mesut Gürsoy alias MST tritt im Potsdamer fabrik-Garten auf.

Mesut Gürsoy alias MST legt live mehrere Instrumenten- sowie Gesangsstimmen übereinander und kreiert so einen einmaligen Sound.
Mesut Gürsoy alias MST legt live mehrere Instrumenten- sowie Gesangsstimmen übereinander und kreiert so einen einmaligen Sound.Foto: fabrik Potsdam

Potsdam - Ein-Mann-Bands, die gleichzeitig drei oder mehr Instrumente bedienen, werden meist eher als Kuriosum denn als musikalisch hochwertiger Live-Act betrachtet. Ganz anders die Live-Looper, die von einem jungen, hippen Publikum für ihre virtuosen Performances gefeiert werden: Multiinstrumentalisten und Sänger wie Dub FX, Daniele Gigli oder Binkbeats, die mithilfe von elektronischen Loop-Stations ihre eigene Musik live vor Publikum aufnehmen und sofort als Samples in Endlosschleife verwenden, um darüber das nächste Instrument oder Gesang zu legen.

Genauso funktioniert die Musik von MST, das Solo-Projekt des Produzenten und Schlagzeugers Mesut Gürsoy: Umgeben von Keyboard, Schlagzeug, Laptop und Loop-Station schichtet der Berliner nach und nach akustische und elektronische Loops um sich herum auf, bis am Ende ein komplexes Sound-Gebilde aus Electro, Dubstep, Trip Hop, Jazz und Fusion entsteht. Vor allem live ist Gürsoys Spiel mit den Loops ein akustisches und optisches Erlebnis, wovon man sich heute Abend, am 5. Juli beim kostenlosen Open Air Sound(g)arten an der fabrik Potsdam überzeugen kann.

Mit 15 Jahren das erste Mal auf Tour

„Es hat diese Magie des Augenblicks“, sagt Gürsoy über das Live-Loopen, das wegen seines überschaubaren technischen Aufwands von vielen Künstlern als moderne Form von Straßenmusik umgesetzt wird – schnell, spontan, do-it-yourself. „Außerdem mag ich diese Kombination von elektronischen und akustischen Klängen, also zum Beispiel Schlagzeug mit Synthesizer-Sounds“, so Gürsoy.

Der 36-Jährige macht schon seit seiner Kindheit Musik: Mit acht beginnt er Gitarre zu spielen, wenige Jahre später gründet er mit seinem Bruder eine Metal-Band, hört Hardcore-Bands wie Fugazi ebenso wie die Sample-Meister Public Enemy. Mit 15 ist er das erste Mal auf Tour, nimmt später Unterricht bei Schlagzeug-Legende Jojo Mayer. In den folgenden Jahren spielt Gürsoy mit etlichen Bands zusammen, darunter mit der Elektro-Punk-Band Tubbe, dem Indie-Musiker Roman Fischer, der Industrial-Band Sandow oder der norwegischen Singer-Songwriterin Jackie Charles, die er auch produziert.

"Die volle Verantwortung liegt bei mir"

Immer wieder sitzt er aber auch alleine im Proberaum und schreibt Songs. „Ich habe mich dabei immer gefragt, wie man das zusammen mit anderen Musikern auf die Bühne bringen kann“ sagt Gürsoy. „Die Möglichkeit, alles einfach alleine zu machen, fand ich sehr reizvoll.“ So entstand vor rund zwei Jahren MST, bei dem Gürsoy die totale Kontrolle über seine künstlerische Vision hat: „Ich kann mich dabei komplett ohne Kompromisse ausleben.“

Doch das Live-Loopen hat auch seine Schattenseiten: Gleichzeitig alle Instrumente zu bedienen, aufeinander abzustimmen, die Einsätze hinzukriegen und die Loops zu koordinieren, erfordert handwerkliche und mentale Höchstleistungen: „Das ist sehr fordernd und die volle Verantwortung liegt bei mir – ich kann keine Fehler auf andere Musiker schieben“, sagt Gürsoy. Ausschließlich mit Loops zu arbeiten, wäre ihm auf lange Sicht auch zu einseitig: „Es ist mir wichtig, trotzdem weiterhin in Bands zu spielen, ich finde beides sehr reizvoll“, sagt Gürsoy.

Wie so eine Live-Performance von MST aussieht, ist im Internet zu sehen: Die MST-Stücke, die auf Youtube zu finden sind, bieten die derzeit einzige Möglichkeit, Gürsoys Musik außerhalb von Live-Auftritten zu hören. Ein offizieller Tonträger existiert bislang noch nicht. Im Herbst soll eine EP mit fünf Stücken erscheinen, zunächst nur online, später vielleicht auch in Vinyl. Große Verkäufe erwartet Gürsoy nicht. Labels und Clubbetreiber tun sich ohnehin schwer mit dem undefinierbaren Instrumentalstil von MST, der sich nicht wirklich einer Zielgruppe zuordnen lässt.

Dabei bekommt MST live fast ausschließlich positives Feedback auf seine jazzigen Electro-Exkursionen: „Ich habe zum Beispiel letztes Jahr schon mal in der fabrik Potsdam gespielt, wo die Leute irgendwann mit geschlossenen Augen getanzt haben“, sagt Gürsoy. „Das ist genau das, wo ich hinwill.“ 

>>Sound(g)arten mit MST, am 5. Juli um 20 Uhr im fabrik-Garten, Schiffbauergasse 10