Kultur : Meister der Gelassenheit

Kurzweil mit Loom im Kino-Café „Melodie“

Dirk Becker

Kurzweil mit Loom im Kino-Café „Melodie“ Eingestimmt wurde mit Gegensätzlichem. Die beiden Gitarristen der Potsdamer Formation Loom waren für den Freitagabend im Café Melodie angekündigt. Akustisches in den breiten Singer/Songwriterfußstapfen. Und während sich das kleine Café langsam füllte, bald kein freier Platz mehr zu finden war, sorgte die Konserve für musikalischen Hintergrund: Jazz im Free- und Bebopformat. Die permanente Harmonieverweigerung, das Kreuz und Quer im Atonalen, nicht laut aber unüberhörbar, hing sperrig im Raum. Mit Loom kam dann sanft, aber radikal der Bruch. Gernot Pohle und Stephan Zehle gehen seit Jahren schon gemeinsame musikalische Wege. Anfangs beide in der Band Mister Bishop, war Pohle später mit Desmond Q Hirnch unterwegs. Doch immer wieder trafen sie sich, um zusammen zu spielen. Das ohne großen technischen Aufwand, unabhängig von einem Proberaum, nur mit zwei Akustikgitarren. Und so war dieses Zusammenspielen zuerst nicht mehr als nur ein Jammen. Keine Band, keine Auftritte waren geplant. Es ging darum, so Pohle, mit einfachen Mitteln einen Song zu entwickeln. Dass sie sich vor gut einem Jahr dann doch entschieden, das gemeinsame Spiel ernsthafter zu betreiben, kann nur als Glücksfall bezeichnet werden. Gut eine Stunde spielten Loom im Melodie, die zu einer Stunde der Gelassenheit wurde. Unaufgeregt gingen Pohle und Zehle ans Werk. Ihre Lieder wie „Parody“ oder Friendly Fire“ sind schlichte, der Harmonie verpflichtete Stücke. Loom zeigten, dass aus den Grundakkorden, wie oft sie auch schon wiederholt wurden, immer noch die besten Lieder entstehen können. Eine Gitarre gab das Thema vor, die andere griff es auf und gemeinsam, nur gelegentlich mit kleinen musikalischen Abweichungen, zogen sie durch die Melodien. Wenn Loom als englischer Begriff für Webstuhl übersetzt werden kann, dann haben die beiden Musiker mit diesem Bandnamen schon die beste Beschreibung für ihre Musik gefunden. Akkord an Akkord, Lied an Lied, fügte sich das alles wie von einem unsichtbaren Schiffchen miteinander verbunden. Auch der Gesang, oft zweistimmig, drängte nicht in den Vordergrund, reduzierte die Gitarren nie auf die bloße Begleitung. Er legte sich in die Lieder, lehnte sich förmlich an die Melodien und machte dieses Konzert so zu einem großen Ganzen. Loom spielten im zurückhaltenden Tempo und obwohl sie bewusst die Wiederholung betrieben, manche Lieder regelrecht auswälzten, blieb die Stunde Spielzeit eine kurzweilige. Zum Ende des Jahres wollen Loom ein Album bei einem kleinen Berliner Plattenlabel herausbringen. Und spätestens zum Ende des Jahres werden sie auch wieder in Potsdam spielen. Bis dahin sollte man die vier Buchstaben des Bandnamens in seinem Gedächtnis behalten. Wer Loom am Freitag erlebte, der weiß warum. Wer Loom erst noch kennen lernen wird, der weiß es spätestens danach. Dirk Becker

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