Kultur : Lust an schiefen Tönen

6. Potsdamer Jazzfestival vom 10. bis 18. September

Astrid Priebs-Tröger

6. Potsdamer Jazzfestival vom 10. bis 18. September Getrost kann man Jimi Tenor den Helge Schneider der Finnen nennen. Sowohl eine Vorliebe für skurrile Kostüme, als auch für den Jazz ist dem jungen Entertainer aus dem hohen Norden mit der selbst ernannten singenden Herrentorte aus dem Ruhrgebiet gemeinsam. Und in zwei Wochen kommt dann eine dritte Gemeinsamkeit hinzu. War Helge Schneider mit knallblauem Cordanzug zu Gast beim Potsdamer Jazzfestival 2002, so ist es der experimentierfreudige Finne in diesem Jahr. In welche ausgefallenen Beinkleider Jimi Tenor am 16. September im Waschhaus auf die Bühne steigen wird, ist noch nicht bekannt. Dass er sein aktuelles Album „Beyond The Stars“ zusammen mit dem Joona Toivanen Trio präsentiert, verrieten die Veranstalter auf der gestrigen Pressekonferenz aber schon. Trotz immer leerer werdender Kassen – das Potsdamer Jazzfestival wächst und gedeiht und Potsdams Kultur soll überregional ausstrahlen. Das wünschen sich jedenfalls die immer zahlreicher werdenden Veranstalter rund um die Potsdamer AG Jazz, zu denen neben dem Fachbereich Kultur der Stadt, dem Waschhaus, dem Nikolaisaal und dem Entwicklungsträger Bornstedter Feld, seit diesem Jahr auch das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte und das Potsdamer Filmmuseum gehören. Zahlreiche Facetten des Phänomens Jazz – auch bei Überschreitungen der Genregrenzen – sollen den Potsdamer Jazzfreunden in der zweiten und dritten Septemberwoche präsentiert werden. Das diesjährige Festival schlägt einen denkbar weiten Kreis durch die aktuelle internationale Jazzszene, mit dabei sind unter anderem The Frank Popp Ensemble, dem in Zusammenarbeit mit dem Filmorchester Babelsberg „im Nikolaisaal der Sprung auf die große Bühne ermöglicht wird“ und die französische Band Wise, die zum ersten Mal in Deutschland und mit der Liveversion „ihrer revolutionären Allianz von musikalischer Improvisation und programmierten Klängen“ auftritt. Doch dieses Festival lebt nicht nur von den Highlights, sondern zeichnet sich durch seine vielen Spielorte mit unterschiedlichsten Angeboten aus. Traditionell eröffnet wird es mit einem kostenlosen Open-air-Konzert am Samstagnachmittag am Brandenburger Tor, das allen Potsdamern ermöglichen soll, ein eigenes Jazz-Feeling zu entwickeln. Mit dabei das Landesjugendjazzorchester LaJJazzO, die junge Gruppe Jazzkomplott und Takabanda, das multikulturelle Quartett um den italienischen Schlagzeuger Paolo Eleodori. Am folgenden Sonntagvormittag kommen die Freunde von Jazzfrühschoppen auf ihre Kosten, so im „Arco“ am Nauener Tor, im „Doreamus“ auf der Brandenburger und im Restaurant am Pfingstberg – jeweils ab 11 Uhr gibt es Live-Jazz und kulinarische Spezialitäten auch aus Finnland. In der Woche dazwischen ist ein Konzert mit Uwe Kropinsky und Michael Heupel in der Französischen Kirche sowie die offizielle Midweek-Party zum Festival im Waschhaus und die Große Potsdamer Jazznacht am 17. September in verschiedenen Lokalen der Innenstadt. Am Wahlsonntag lädt das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in den Hof des Kutschstalls zu einem Jazz-Brunch mit der international bekannten neuseeländischen Sängerin und Gitarristin Hattie St John ein. Und nicht zuletzt, musikbegeisterte Cineasten sind am richtigen Platz bei „The Blues“ – einer langen Nacht im Filmmuseum, bei der unter anderem Filme von Martin Scorsese und Wim Wenders gezeigt werden. Zum Abschluss der großen Potsdamer Jazzfeier gibt es dann noch mal Jazz für die ganze Familie, nämlich im Volkspark und in Verbindung mit dem Internationalen Drachenfest. Astrid Priebs-Tröger

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